Darum gehts
- Lausanne wirft Besiktas aus Conference League
- Trainer Zeidler verliert fast Stimme und erleidet Schulterprellung beim Feiern
- Lausanne qualifiziert sich erstmals seit 15 Jahren für europäische Hauptrunde
Peter Zeidler ist noch nicht lange Trainer bei Lausanne. Trotzdem spricht er zu Recht von einem «historischen Abend». Denn Lausanne wirft in den Playoffs der Conference League sensationell Besiktas Istanbul raus und zieht erstmals seit 15 Jahren in eine europäische Hauptrunde ein.
Ganz so rund wie seinen Spielern auf dem Platz läufts für Zeidler daneben nicht. Gleich zwei körperliche Probleme machen ihm zu schaffen. Zum einen verliert er beinahe komplett seine Stimme, weil er im Hexenkessel von Besiktas 90 Minuten lang so laut schreit, um sich Gehör zu verschaffen.
Und das zweite Problem? «Nathan Butler-Oyedeji hat mir beim Feiern seines Tors die Schulter geprellt. Er ist nicht gross, aber er hat mir wehgetan», sagt Zeidler, während er so tat, als würde er sein rechtes Schlüsselbein massieren. Abgesehen davon ist der Lausanne-Coach natürlich bei bester Laune.
«Wir haben vor einem fantastischen Publikum gespielt. Und was mich am meisten gefreut hat, war die Reaktion der Besiktas-Fans nach dem Spiel, als sie uns applaudiert haben. Das habe ich selten erlebt», staunt Zeidler. Er stellt aber auch nüchtern fest, dass die Rote Karte gegen Felix Uduokhai gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit Lausanne «geholfen» habe. «Das war ein Schlüsselmoment des Spiels, genauso wie die beiden verpassten Chancen von Besiktas in der ersten Halbzeit.»
Gedanken zu Neuverpflichtungen
Die Art und Weise, wie Lausanne die Hürde Besiktas genommen hat, ist beeindruckend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass man mit Noë Dussenne und Kaly Sène vor den beiden Spielen jeweils einen Abgang zu verkraften hatte. Aber Zeidler hat die richtigen Lösungen gefunden, um das zu kompensieren. «Kaly hat vor dem Team eine Rede gehalten und sich bei allen bedankt», verrät der Coach.
«Vielleicht werden wir nicht gleich schlafen, aber wir werden über die nächsten Schritte sprechen», blickt Zeidler voraus. Nun gebe es neben der Super League, die am wichtigsten ist, und dem Cup auch noch die Conference League. Im Klarttext heisst das: Man wird über Neuverpflichtungen nachdenken. Das Transferfenster in der Schweiz schliesst am 8. September.
Zeidler leckt alte Wunden
Bevor er sich weiter Gedanken dazu macht, will Zeidler den Moment geniessen. Auf die Frage, ob dies der schönste Erfolg seiner Trainerkarriere ist, zögert er nicht lange. «Ich glaube schon – weil es gegen Besiktas ist, einem riesigen Verein. Ich hatte das Glück, Demba Ba, Mario Gomez und Andreas Beck zu trainieren, die hier gespielt haben. Sie haben mir von Besiktas erzählt. Sich hier in Istanbul zu qualifizieren, ist ein grosser Moment in meiner Karriere. Vielleicht sogar der Grösste.»
Damit leckt Zeidler eine alte, offenbar noch immer offene Wunde aus dem Jahr 2015. «Das schlimmste europäische Erlebnis meiner Karriere war in der Champions League mit Red Bull Salzburg gegen Malmö – wir schieden aus», erinnert sich der Deutsche. Weil er das vergessen wolle, fahre er nie nach Schweden in die Ferien. «Aber ich kann Ihnen sagen, dass ich in die Türkei zurückkehren werde.» Die Gründe dafür sind simpel: «Erstens, weil ich dieses Land liebe. Und zweitens, weil wir gewonnen haben.»