Darum gehts
2026 in Zürich: Verbunden mit dem ganzen Land
Noch nie hat eine Hockey-Nati das Land so in ihren Bann gezogen wie jene, die am Sonntag den WM-Final gegen Finnland in der Overtime 0:1 verloren hat. Die bodenständige Mannschaft und die Fans waren eine Einheit, spendeten sich gegenseitig Energie. Symbol dafür: Die «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner, die nach den Siegen gespielt wurde. Und am Sonntagnachmittag auch zum Fussball-WM-Testspiel Schweiz – Jordanien (4:1) im strömenden Regen von St. Gallen überschwappte. Diese Nati und die Partys in Zürich inspirierten Gross und Klein und steckten manchen mit dem Hockey-Virus an. Teil davon ist auch das Verkraften einer bitteren Finalniederlage, der dritten in Serie. Sportlich war der Auftritt des Teams von Jan Cadieux grosse Klasse. Nahezu traumwandlerisch reihte die Nati neun Siege aneinander. Erst im Final verstummte der Torsong «Richi», wie schon in den beiden Jahren davor.
2013 in Stockholm: Die Mutter aller Silbermedaillen
Als die Mannschaft von Sean Simpson 2013 zu Silber stürmte, war das ein Quantensprung, eine Sensation, eine Erleuchtung. Die Nati holte die erste Medaille seit der bronzenen von 1953 – genau 60 Jahre zuvor. Der Schmerz über die 1:5-Finalniederlage gegen Schweden hielt sich bei den Fans in Grenzen. Die Messlatte wurde erst danach höher gelegt. Allein mit dem Erreichen des Viertelfinals war es bald nicht mehr getan. Goalie Reto Berra, der im Halbfinal gegen die USA (3:0) randurfte, MVP Roman Josi und der inzwischen fünffache (!) Silberheld Nino Niederreiter waren bei der Mutter aller Silbermedaillen dabei.
2018 in Kopenhagen: Gold auf dem Stock
Näher als in Kopenhagen in der Verlängerung gegen Schweden war die Nati nie zuvor dran. Kevin Fiala hatte die goldene Chance – und verpasste sie. Die Mannschaft von Patrick Fischer scheiterte dann im Penaltyschiessen an den Schweden. Damals erzielte man durch Nino Niederreiter und Timo Meier die letzten Final-Tore, seither sind 249 Minuten und 31 Sekunden ohne einen Schweizer Treffer vergangen. Doch das Silber von Kopenhagen stärkte den Glauben und nährte den Gold-Traum so richtig. Von nun an kamen nicht nur die NHL-Stars, sondern auch jene aus der heimischen Liga an die WM, um das Turnier zu gewinnen.
2024 in Prag: Die Nati etabliert sich als Spitzenteam
In Ostrava gelingt es der Fischer-Equipe im Viertelfinal endlich, das Deutschland-Trauma zu überwinden. Ein wichtiger Schritt in der Entwicklung zum Spitzenteam. Nach der Zugfahrt zurück nach Prag bodigen Genoni & Co. auch die Kanadier (3:2 n.P.). Erst im Final gegen Tschechien (0:2) platzt der Gold-Traum, als NHL-Superstar David Pastrnak in der Endphase trifft und die Heimfans ins Delirium versetzt. «In Kopenhagen waren wir extrem nahe dran. Das war sicher auch sehr hart. Aber in diesem Jahr hatte ich wirklich das Gefühl – so wie wir gespielt haben mit unserem Team –, dass wir dieses Spiel gewinnen», sagte Josi danach.
2025 in Stockholm: Der Mut zum Coup fehlt
Die Schweiz marschiert durchs Turnier und hat in den K.o.-Spielen gegen zwei Überraschungsteams, Österreich und Gastgeber Dänemark, nicht die geringste Mühe. Umso schmerzhafter ist es, dass das Fischer-Team im Final gegen die USA den letzten Schritt nicht schafft. In der Verlängerung bezwingt Tage Thompson Goalie Genoni mit dem einzigen Treffer, nachdem kurz davor US-Goalie Jeremy Swayman eine Chance von Denis Malgin nur mit dem Rand des Handschuhs abgewehrt hat. Die Niederlage schmerzt enorm. Auch weil man sich den Vorwurf machen lassen muss, dass im Final der Mut gefehlt hat, das gewohnte Spiel aufzuziehen.
1992 in Prag: Der erste Überraschungscoup
Die Schweiz holte zwar schon 1935 in Davos WM-Silber und wurde Europameister, doch das lässt sich schwer mit den Weltmeisterschaften aus der Profi-Ära vergleichen. So schafft es der Vorstoss in den Halbfinal 1992 noch ohne NHL-Stars in dieses Ranking. Mit Lugano-Trainer John Slettvoll als Chef und SCB-Coach Bill Gilligan als Assistent funktioniert es wunderbar. In der Vorrunde trotzt man Russland ein 2:2 und Kanada ein 1:1 ab und verliert nur gegen die Tschechoslowakei. Im Viertelfinal schlägt man den Erzrivalen Deutschland. Im Halbfinal ist dann gegen den späteren Weltmeister Schweden (1:4) nichts zu holen. Und im Bronze-Spiel verliert man gegen den Gastgeber 2:5. Im Nachhinein wird die Leistung noch aufgewertet. Ein Jahr darauf in München – diesmal ist Gilligan der Chef und Slettvoll der Assistent, was nicht funktioniert – steigt die Schweiz ab.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Schweiz | 7 | 32 | 21 | |
2 | Finnland | 7 | 20 | 18 | |
3 | Lettland | 7 | 7 | 12 | |
4 | USA | 7 | 4 | 11 | |
5 | Deutschland | 7 | 1 | 10 | |
6 | Österreich | 7 | -12 | 9 | |
7 | Ungarn | 7 | -24 | 3 | |
8 | Großbritannien | 7 | -28 | 0 |
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
|---|---|---|---|---|---|
1 | Kanada | 7 | 20 | 20 | |
2 | Norwegen | 7 | 11 | 15 | |
3 | Tschechische Republik | 7 | 2 | 13 | |
4 | Schweden | 7 | 11 | 12 | |
5 | Slowakei | 7 | 2 | 11 | |
6 | Dänemark | 7 | -11 | 6 | |
7 | Slowenien | 7 | -12 | 6 | |
8 | Italien | 7 | -23 | 1 |
