Team löst sich auf – Präsident redet Klartext
Die Frauen sorgen für das letzte Hurra beim SC Langenthal

Das «Final Four»-Turnier des Frauen-Cups ist für Langenthal Highlight und Kraftakt. Es sind zwei der vier letzten Spiele in der Geschichte des Teams, bevor es aus finanziellen und sportlichen Gründen aufgelöst wird. Eine schwierige, weil emotionale Ausgangslage.
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Für die Spielerinnen des SC Langenthal stehen vor dem Aus noch vier Partien auf dem Programm.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

  • Langenthal zieht sich 2026 aus der Women’s League wegen Finanzproblemen zurück
  • Klub investierte 300’000 Franken, bleibt aber sportlich und finanziell chancenlos
  • Seit 2015 aktiv, 2022 aufgestiegen, nun das Ende nach vier Jahren
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Nicole VandenbrouckReporterin Eishockey

Nach Reinach und Lugano ist Langenthal das dritte Team, das sich innerhalb von vier Jahren aus der Women’s League, der höchsten Frauen-Liga, zurückzieht. Oder genauer: zurückziehen muss.

Man ist Opfer geworden der (zu) schnell vorangetriebenen Professionalisierung, wie Klubpräsident Walter Ryser erklärt. «Das Team ist nicht mehr finanzierbar für den Klub»,sagt er, «abgesehen davon, dass wir nicht mehr konkurrenzfähig sind, obwohl wir 300’000 Franken reingesteckt haben.» Und er ergänzt: «So macht dieses Projekt für uns einfach keinen Sinn mehr.»

Nebst finanziellen und sportlichen Gründen macht Langenthal auch ein akuter Spielerinnenmangel zu schaffen. Für die verbliebenen ist die Situation schwierig, «weil die emotionale Komponente dazu kommt», so Ryser. Das Aus ist kommuniziert. Es stehen noch vier Spiele an, zwei davon am «Final Four»-Turnier des Schweizer Cups an diesem Wochenende in Lausanne.

Bittere Ausgangslage, versöhnliches Ende?

Langenthal hat sich überraschend mit einem 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Ambri in den Halbfinal gekämpft, wo am Freitag nun Davos wartet. «Es ist sicher ein Highlight für uns, aber gleichzeitig ein Kraftakt», betont der Präsident, «auch des schmalen Kaders wegen. Das drückt auf die Stimmung.» Trotz der bitteren Ausgangslage möchten die Spielerinnen die Saison motiviert zu Ende bringen.

Für Ryser ist es ein schwerer Schritt gewesen, Mitte Dezember das Aus zu verkünden. Über den Rückzug und die Auflösung des Teams hat der Verwaltungsrat eines Klubs entschieden, der sich seit der Gründung des Frauen-Teams 2015 kontinuierlich hochgearbeitet hat und 2022 in die höchste Liga aufgestiegen ist. Vier Jahre später also das Ende des Frauen-Hockeys in Langenthal. Nicht aber des Nachwuchses: Mädchen und damit die Basis werden im Oberaargau weiterhin gefördert.

Denn genau daran, so Ryser, mangelt es schweizweit. Der 66-Jährige redet Klartext: «So ist die Liga derzeit ein Witz! Aber diese Situation will man nicht wahrhaben.» Er spricht die fehlende Kader-Breite in der Women’s League an, genügend konkurrenzfähige Spielerinnen für die höchste Liga gebe es hierzulande bei weitem nicht. Fribourg, Bern und Zug haben sich auch bei Langenthal bedient, weil selbst noch keine Juniorinnen hervorgebracht werden. Die Entwicklung des Schweizer Frauen-Hockeys sei ein Prozess. «Es dauert noch fünf, sechs Jahre, bis eine gesunde Basis geschaffen ist.»

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