Wenn es so richtig knallt
In den Playoffs gibts Prügel schon weit vor dem ersten Bully

In den Playoffs ist alles noch einmal eine Spur überdrehter. Immer wieder kochen dabei auch die Emotionen über und Grenzen werden überschritten. Einmal schon vor dem Spiel, als einer so lange provozierte, bis es krachte.
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HCD-Leitwolf Reto von Arx geigt ZSC-Star Michel Zeiter 2000 nicht nur die Meinung, sondern lässt auch die Fäuste sprechen, als der Löwenkönig die Davoser verhöhnt.
Foto: EWW
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Stephan RothStv. Eishockey-Chef

Helbling krallt sich Picard im Warm-up

Er hat noch nie davor zurückgeschreckt, zuzulangen, wenn der Gegner eine Linie überquert: Timo Helbling. Wenn es sein muss, auch schon weit vor Spielbeginn. Auf dem Weg zum Meistertitel 2016 mit dem SCB verpasst er im Halbfinal in Davos im Warm-up dem (überzähligen) kanadischen Provokateur Alexandre Picard eine Serie Stockschläge und eine blutige Nase, als dieser ostentativ in die Berner Spielhälfte eindringt. So setzt Helbling ein deutliches Zeichen. «Von diesem Moment an waren wir ready», so der Solothurner. Nach vier Minuten stehts 2:0 für die Berner. Die Streithähne kostet die Auseinandersetzung eine Busse von 1675 Franken.

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Rüfenacht gegen Lapierre: Gipfeltreffen der Provokateure

2017 kreuzen zwei die Klingen, die das Spiel mit den Emotionen und Provokationen besonders lieben: Thomas Rüfenacht und Luganos Maxim Lapierre. Dabei zeigt der SCB-Stürmer die höchste Form in dieser Disziplin. Als ihm der Kanadier zwei Faustschläge ins Gesicht verpasst und zum Faustkampf auffordert, grinst Rüfenacht nur und schaut dann zu, wie der Luganese alleine auf die Strafbank muss. Bern zieht in den Final ein und holt sich den Titel.

2017 fanden sich zwei: SCB-Provokateur Thomas Rüfenacht (links) grinst Luganos Maxim Lapierre ins Gesicht.
Foto: Keystone

Walker gegen Richard: Trashtalk vom Feinsten

Im Doku-Format «Inside Plus» beleuchtet MySports 2023 den späteren Meister Servette. Wie noch selten kriegt man so den Trashtalk im Viertelfinal mit. So ist unter anderem zu hören, wie Luganos Julian Walker und Genfs Tanner Richard verbal austeilen. «Sie wollten dich nicht mehr, ich kanns verstehen. Für 700'000 muss etwas mehr kommen», ruft Walker rüber und zielt darauf ab, dass Richard sein Geld nicht wert sei. Richard stellt sich taub: «Ich kann dich nicht hören.»

«Für 700'000 muss mehr kommen»
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Luganos Walker mit Ansage:«Für 700'000 muss mehr kommen»

Hobby-Kickboxer Morant tickt aus

Im Final 2012 eskaliert das Spiel in Bern gegen die ZSC Lions (3:0) in den Schlusssekunden. SCB-Franzose Johann Morant rächt sich bei Cyrill Bühler für einen Check gegen Thomas Déruns. Der Hobby-Kickboxer prügelt auch noch auf den Nacken des Zürchers ein, als dieser wehrlos ist. Zudem räumt er auch noch Linesman Roger Arm ab, was ihm eine Sperre von 14 Spielen einbringt «Der hat ja nur eine Hirnzelle», sagt ZSC-CEO Peter Zahner über Morant. Jahre später verpflichten ihn die Lions.

Hier verprügelt Johann Morant die ZSC-Spieler
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Vom Feind zum Teamkollegen:Hier verprügelt Johann Morant die ZSC-Spieler

Wohlwend wirft drei Flaschen aufs Eis

Gleich drei Flaschen wirft der damalige Davos-Trainer Christian Wohlwend 2022 wutentbrannt aufs Eis. Der Grund für den Ausbruch? Zuvor erzielte Zug im Halbfinal-Duell in Überzahl das entscheidende 2:1, 15 Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit. HCD-Verteidiger Jesse Zgraggen sass auf der Strafbank, weil er bei Goalie Leonardo Genoni nachgesetzt hatte. Die Schiedsrichter halten dagegen, dass sie die Davoser schon davor gewarnt hätten, dass sie eine Strafe aussprechen würden, wenn der HCD weiter den Goalie behellige. Das Timing der Strafe ist auch dann fragwürdig. Der EVZ holt sich danach den zweiten Titel in Folge.

Wohlwend schmeisst mit Flaschen um sich
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HCD-Coach tobt:Wohlwend schmeisst mit Flaschen um sich

Crawford gegen Schläpfer: «Hey Hollywood!»

Im Playoff-Viertelfinal 2015 rastet ZSC-Coach Marc Crawford im ersten Spiel gegen Biel aus, nachdem es im Schlussdrittel auf dem Eis zu Rangeleien gekommen war und Biels Trainer Kevin Schläpfer ZSC-Schwede Henrik Tallinder zutextete. Der ZSC-Kanadier klettert zur Plexiglas-Wand hoch und brüllt zu Schläpfer rüber: «Hey Hollywood! Schau zu mir! Halt die Klappe! Lass die Spieler spielen! Schau dich doch an, Hollywood!» Und verhöhnt mit einer Geste die Haarpracht des Baselbieters, der sich zum Playoff-Auftakt schick wie ein Filmstar herausgeputzt hatte. Am Ende gewinnen die Lions die Serie 4:3.

DCX STORY: doc7oyisj28g5uwz77ph9x [VA Crawford Schläpfer]

Shedden verhöhnt Leuenberger

Beim Playoff-Final 2016 zwischen Lugano und Bern geht es nach Schlägereien auf dem Eis auch auf den Bänken hoch her. Maxim Lapierre legt sich mit Tristan Scherwey und SCB-Coach Lars Leuenberger an. Auch Lugano-Coach Doug Shedden schaltet sich ein und deutet Leuenberger (1,72 m) mit Zeigefinger und Daumen an, wie klein er sei. Am Schluss der Serie kommt der Ostschweizer als Meistercoach gross heraus. 

DCX STORY: esc4894836 [Shedden geht auf Leuenberger los!]

Barberio mäht Freund Andrighetto um

ZSC-Star Sven Andrighetto und Mark Barberio teilten sich in Nordamerika einst die Wohnung. Doch schon vor der Viertelfinal-Serie 2021 sagte der damalige Lausanner: «Wir sind Freunde, aber jetzt sind wir beste Feinde.» Der Kanadier macht seine Worte in der bald einmal überhitzten Serie wahr. Im fünften Spiel mäht er den Zürcher brutal nieder – und wird für sechs Spiele gesperrt. Zwischen den Klubs entsteht eine Fehde, die Jahre lang andauert. Nicht zuletzt, weil der jetzige Bozen-Verteidiger Garrett Roe den Kiefer bricht, ehe er in die KHL abgeschoben wird. 

Lausanne-Barberio mäht ZSC-Andrighetto um
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Frustfoul kurz vor Schluss:Lausanne-Barberio mäht ZSC-Andrighetto um

Glausers Schwalbe erhitzt die Gemüter

Das Publikum in der Swiss Life Arena ist zahmer als jenes einst im Hallenstadion. Doch im Final 2024 gegen Lausanne rasten die ZSC-Fans aus. Auslöser dafür sind Andrea Glauser und der gigantische Video-Würfel. Dort ist zu sehen, dass der Nati-Verteidiger mit einer Schwalbe eine Strafe gegen Derek Grant provoziert hat. Glauser dürfte seine Schauspieleinlage bereuen. Nach überstandener Strafe landen die Zürcher in der kochenden Atmosphäre einen Doppelschlag, gewinnen das Spiel und später den Meistertitel. 

Schwalbe von Glauser treibt ZSC-Fans zur Weissglut
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Grant muss auf die Strafbank:Schwalbe von Glauser treibt ZSC-Fans zur Weissglut

Von Arx' «sicher nicht unabsichtlicher» Stockschlag

Finalserie 2011. Dass Kloten-Topskorer Tommi Santala mit einem gebrochenen Finger spielt, weiss auch HCD-Leitwolf Reto von Arx. Er klopft dem Finnen gleich beim ersten Bully im fünften Spiel auf die Hand. Der gepeinigte Finne wirft den Handschuh in die Luft, und der Emmentaler kassiert eine Strafe, die Kloten zur Führung nutzt. Santala schiesst später noch ein Tor, und Kloten gewinnt in der Verlängerung. Der Titel geht aber nach Davos. Der Schlag auf die Finger sei «sicher nicht unabsichtlich» gewesen, sagt RvA Jahre später im Blick-Podcast «Schliifts?».

Reto von Arx erklärt Stockschlag gegen Klotens Santala
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«Sicher nicht unabsichtlich»:Reto von Arx erklärt Stockschlag gegen Klotens Santala

Löwenkönig Zeiter provoziert HCD-Stars

Der ZSC setzt sich 2000 im Viertelfinal gegen den HCD auf dem Weg zum Titel mit 4:1 durch. Im letzten Spiel im Hallenstadion wird Davos mit 8:1 abgefertigt. Kurz vor Schluss kommt es zum Eklat, als ZSC-Star Michel Zeiter mit einem auf die falsche Seite gebogenen Stock spielt, worauf Reto von Arx und Patrick Fischer mit den Fäusten auf den Löwenkönig losgehen. Dieser macht sich aus dem Staub und verzichtet auch auf ein Shakehands. Danach poltert der heutige Nati-Trainer Fischer: «Zeiter wollte uns mit diesem falschen Stock lächerlich machen – eine Frechheit. Er ist 26, aber hat den Verstand eines Zweijährigen.» Auch von Arx beklagt sich: «Einen Gegner so lächerlich zu machen, ist das Allerletzte. Und wenn man Zeiter dann wie einen Mann zur Rechenschaft ziehen will, rennt er weg wie ein Fräulein.»

Blindenbachers Attacke wendet die Serie

Hitzig geht es auch im Viertelfinal 2013 zu und her – und dies vor allem wegen eines hässlichen Fouls in der vierten Partie. HCD-Leitwolf Reto von Arx wird von ZSC-Verteidiger Severin Blindenbacher niedergestreckt. Von Arx prallt mit dem Kopf heftig aufs Eis, bleibt regungslos liegen, erleidet eine heftige Halswirbel-Prellung. Blindenbacher wird für zwei Spiele gesperrt. Ohne von Arx gibt Davos die 3:1-Führung in der Serie aus der Hand. Doch wie durch ein Wunder steht der HCD-Star im Spiel 7 wieder auf dem Eis. Den Zürcher Sieg kann aber auch er nicht verhindern. 

Orlandos Schuss auf die ZSC-Bank

Gates Orlando hat sich einen Namen als einer der besten und widerstandsfähigsten Spieler der Playoff-Geschichte gemacht. 1996 wird seine Belastbarkeit von Aussenseiter ZSC im Viertelfinal gnadenlos getestet. Der SCB-Star sieht sich endlosen Stockattacken und Provokationen ausgesetzt. Und er verliert die Nerven. Der Italo-Kanadier streckt ZSC-Raubein Andreas Zehnder mit einem Stockstich in die Weichteile nieder und muss vorzeitig unter die Dusche. Im Spiel darauf ballert er den Puck auf die gegnerische Spielerbank – und kassiert eine 10-Minuten-Strafe, auch wenn er danach bestreitet, absichtlich auf die Zürcher Nervensägen geschossen zu haben. Auf seine blutverkrustete Nase angesprochen, sagt Orlando: «Ivankovic hat mir den Stock übers Gesicht gezogen.» Gibts dafür eine Abreibung? «Nein. Ich bin Eishockeyspieler. Nicht Richter.» Im nächsten Spiel schickt er die Zürcher dann mit einem Hattrick in die Ferien.

SCB-Star Gates Orlando wurde 1996 und 1997 im Viertelfinal vom ZSC (rechts Patrizio Morger, links Patrick Lebeau) bis aufs Blut gereizt.
Foto: Keystone

Del Curto gegen Cloutier: Nachspiel im Kabinengang

In der Viertelfinal-Serie 2012 macht der ZSC mit Davos kurzen Prozess (4:0). Doch nach Spielschluss gibt es in den Katakomben des Hallenstadions ein Nachspiel. Die Akteure: ZSC-Trainer Bob Hartley, HCD-Chef Arno Del Curto und ZSC-Assi Jacques Cloutier. Del Curto und Hartley sprechen nach dem Spiel über eine Video-Offensive der Zürcher im Lauf der Serie. Als sich Cloutier ungefragt in die Diskussion einmischt, wird aus der Diskussion ein Handgemenge. Del Curto sagt hinterher: «Cloutier hat mich angefasst. Da habe ich ihn mir gegriffen. Mit mir kann man immer reden, aber anfassen lasse ich mich nicht. Nicht jetzt, nicht in 30 Jahren.» Der Engadiner packt Cloutier am Kragen und zieht ihn in eine Garderobe. HCD-Assistent Remo Gross, Spieleragent Gaëtan Voisard und ZSC-Arzt Gery Büsser können Del Curto dann wegzerren. Hartley, der den ZSC in der Folge zum Titel führt, nimmt den Vorfall mit Humor: «Als Schiedsrichter hätte ich den beiden je zwei plus zwei Minuten aufgebrummt.»

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