Klotens einzigartige Serie
Mit Ghackets und Hörnli zu vier Titeln in Folge

Heute backt der EHC Kloten kleinere Brötchen. Doch in den 90er-Jahren war er das Mass aller Dinge, legte von 1993 bis 1996 vier Meistertitel in Folge hin. Eine Erfolgsserie, die bis heute seinesgleichen sucht. Aktuell knabbert Kantonsrivale ZSC Lions daran.
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Roman Wäger machte nach dem Meistertitel 1993 die Nacht zum Tag.
Foto: Toini Lindroos

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kloten dominierte zwischen 1993 und 1996 Schweizer Playoff-Eishockey
  • Trainer Conny Evensson war letzter schwedischer Meistercoach in Schweiz
  • 2018 stieg Kloten ab, ist inzwischen wieder stabiler National-League-Klub
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Zu Beginn der Playoff-Ära tobten sich Lugano und Bern aus – teilten die Titel unter sich auf. Mittendrin als Spitzenteam, aber eben nur dabei, als es jeweils um die Meisterschaftsentscheidung ging, war Kloten. Früher oder später wurden die Zürcher Unterländer stets ausgeschaltet, der einzige je erspielte Titel von 1967 schien seinen Status als One-Hit-Wonder für immer und ewig in der Vereinsgeschichte zu behalten. Leitwolf und Nati-Star Felix Hollenstein dachte deshalb sogar daran, seinen Herzensklub zu verlassen.

Bis Kloten 1993 das Rezept für erfolgreiches Playoff-Eishockey mit krönendem Ende findet und bis 1996 nicht mehr davon abzubringen ist. Baumeister ist der damalige Präsident Jürg Ochsner mit einem schwedischen Angriffspakt. Er holt zuerst Anders Eldebrink als Verteidigungsminister, dann Weltmeister-Trainer Conny Evensson und schliesslich den eiskalten Stürmer Mikael Johansson. Gemeinsam mit dem harten Klotener Kern um Hollenstein, Roman Wäger und Goalie Reto Pavoni verhindern sie zweimal in Folge im Final den ersten Meistertitel von Fribourg mit den beiden russischen Zauberern Slawa Bykow und Andrej Chomutow.

Kurz schlafen und ab in die nächste Bar

Auch als Partyhengste sind die Klotener meisterlich und mit viel Ausdauer unterwegs. «Wir zogen mit der halben Ausrüstung um die Häuser, gingen mit dem Pokal bis nach Zürich», erzählt Wäger Jahre später im Blick. «Nach zwei Tagen bist du dann mal nach Hause, hast dich geduscht und kurz schlafen gelegt. Kaum wach, ging es in die nächste Bar.»

Evensson kehrt nach zwei Jahren in seine Heimat zurück. Er ist bis zum heutigen Tag der letzte schwedische Meistertrainer in der Schweiz, was sehr erstaunlich ist. Auch für Evenssons Nachfolge bedient sich Ochsner wieder in Schweden. Doch mit dem Duo Putte Carlsson/Lars Falk hat er kein glückliches Händchen. Der Doppelmeister spielt eine miserable Quali, beschliesst diese auf Rang 7. Anschliessend lädt Hollenstein die Mannschaft bei sich daheim zu Ghackets und Hörnli ein. Dort wird vor den Playoffs die Absetzung des ungeliebten Duos orchestriert. Ochsner winkt das durch und besorgt als Nothelfer den Finnen Alpo Suhonen, der zuletzt als Theaterdirektor in Turku tätig war.

Pfiffe an der Meisterfeier

Auf dem Eis ist das Theater vorbei, Kloten macht wieder Ernst, besiegt der Reihe nach Lugano, Bern und im Final auch das aufstrebende Zug. Ein Jahr später folgt der letzte Streich der Klotener Erfolgsdynastie, dieses Mal wird im Final Bern mit 3:0 abgefertigt. Trotzdem erhält Erfolgscoach Suhonen keinen neuen Vertrag, bei der Meisterfeier kommt es deshalb zum Eklat – Ochsner wird von den Fans ausgepfiffen. Danach erreicht Kloten nie mehr solche Höhen, erlebt auch unruhige Zeiten und steigt 2018 sogar ab. Inzwischen sind die Zürcher Unterländer wieder ein solider und vernünftig wirtschaftender National-League-Klub, der aber kleinere Brötchen backt.

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Marco Bayer, ZSC Lions (2.v.r.): 2025.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

Seit Klotens vierjährigem Titel-Durchmarsch gab es im Schweizer Eishockey nie mehr eine solche Erfolgsserie. Das höchste der Gefühle war jeweils eine Titelverteidigung der ZSC Lions (2000/01 und 2024/25), von Bern (2016/17) und Zug (2021/22). Die ZSC Lions streben in diesem Jahr danach, ihrem Kantonsrivalen auf die Pelle zu rücken und zumindest schon mal zum ersten Dreifachmeister seit 30 Jahren zu werden. ZSC-Star Sven Andrighetto hat schon vor dem Saisonstart im Herbst betont, dass diese Aussicht ein besonderer Antrieb sei.

Wie es auch immer kommt – bis 2027 wird Klotens Playoff-Meisterbilanz mindestens noch einzigartig bleiben. Und wenn der ZSC in diesem Jahr nicht reüssieren sollte, sogar im Minimum bis 2029.

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