Zwei Trainer prägten eine Ära
SCB gegen Lugano bedeutete Blut, Bier und Stockschläge

Bern und Lugano. Es bleibt unvergessen, wie sie zu Beginn der Playoff-Ära das Schweizer Eishockey durch ihre Rivalität revolutionierten. Im Zentrum standen zwei einzigartige Trainerpersönlichkeiten: John Slettvoll und Bill Gilligan.
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In der Meisterschaft eine grosse Rivalität – in der Nati gemeinsame Sache: John Slettvoll (l.) und Bill Gilligan.
Foto: Keystone

Darum gehts

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  • Lugano-Trainerlegende John Slettvoll prägte ab 1984 die erfolgreichste Klub-Ära
  • 1989 beendet der SC Bern Luganos Dominanz mit überraschendem 4:2-Finalsieg
  • Slettvoll und Gilligan führen Schweiz 1992 sensationell in den WM-Halbfinal
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Marcel AllemannReporter Eishockey

Alles beginnt 1984 mit einem gebrochenen Versprechen. Der 2024 im Alter von 95 Jahren verstorbene Lugano-Präsident Geo Mantegazza will John Slettvoll unbedingt als neuen Trainer, legt diesem den roten Teppich aus. Als der Schwede erstmals ins Tessin reist, um sich alles anzuschauen, verspricht er zuvor seiner Frau, nichts zu unterschreiben. «Doch als ich zurückkehrte, hatte ich trotzdem einen unterschriebenen Vertrag im Gepäck», erzählte Slettvoll Blick vor zwei Jahren lachend.

Zwischen Slettvoll und Lugano entsteht eine tiefe Verbundenheit – am Ende werden es 15 Jahre. Unter seiner Führung erlebt der Klub die erfolgreichste Phase seiner Geschichte, Slettvoll erhält den Übernamen «Magier», sein Team wird zum «Grande Lugano». Als hierzulande vor 40 Jahren erstmals Playoffs gespielt werden, beendet Lugano die Vorherrschaft von Davos und holt den ersten Titel der Vereinsgeschichte.

Es kommen 1987 und 1988 zwei weitere dazu – bis sich der damals erst 34-jährige US-Amerikaner Bill Gilligan anschickt, mit dem SC Bern zum grossen Gegenspieler von Slettvoll zu werden. 1989 setzen die Mutzen unter ihm Luganos Meisterjahren mit einem 3:2-Sieg in der Finalserie ein vorläufiges Ende.

Nach dem Fast-Abstieg das Wunder

Das entscheidende fünfte Spiel gewinnt Bern auswärts in Lugano dank eines überragenden Renato Tosio im Tor mit 4:2. Es ist ein Wunder, denn im Jahr zuvor war der SCB dem Abstieg nur knapp entkommen. Und das unbesiegbar scheinende Lugano hatte vor dieser Serie noch nie ein Playoff-Spiel in der regulären Spielzeit verloren – aber dann gibt es plötzlich drei Niederlagen innert einer Woche.

Dazu kommen auch jede Menge emotionale Nebengeräusche: Etwa als Sandro Bertaggia SCB-Star Rexi Ruotsalainen mit einem Stockschlag ins Gesicht traktiert. Oder Lugano-Star Thomas Vrabec auf Reto Dekumbis einprügelt, bis Blut fliesst. Auseinander geht man am Ende dennoch versöhnlich: Luganos Topstürmer Fredy Lüthi bringt das Bier höchstpersönlich in die Berner Kabine.

In der Drittelspause aneinandergeraten

Damals hat Slettvoll am Ausgang der Serie natürlich keine Freude. Jahrzehnte später meint er anerkennend: «Das war gut so. Sonst wäre es uninteressant geworden.» Es ist der Auftakt zu einem hochbrisanten Duell, das aus Lugano – Bern den Klassiker macht, welcher er bis heute geblieben ist. Lugano kontert mit dem Titelgewinn 1990, der SCB triumphiert 1991 und 1992. Der zweite grosse Star beim SCB ist neben Meisterhexer Tosio jeweils Alan Haworth. Der Kanadier reiste 1988 unmotiviert und mit Übergewicht an und verliess die Bundeshauptstadt vier Jahre später als dreifacher Meister und Kultfigur wieder.

«Hätte nicht geglaubt, dass Schweizer in der NHL spielen»
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Lugano-Magier John Slettvoll:«Hätte nicht geglaubt, dass Schweizer in der NHL spielen»

Stets im Mittelpunkt stehen in all den Jahren des imposanten Zweikampfs aber die beiden Trainer: hier der amerikanische Psychologe Gilligan, dort der schwedische Stratege Slettvoll. 1989 geraten sie in einer Drittelpause sogar aneinander. «Bill beschwerte sich beim Schiedsrichter, da sagte ich ihm, er solle sich auf sein Team konzentrieren», erinnert sich Slettvoll. Gilligan kann heute darüber lachen und meint dazu: «John hat das bessere Gedächtnis.»

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Marco Bayer, ZSC Lions (2.v.r.): 2025.
Foto: Pascal Muller/freshfocus

Damals waren sie zwei wie Feuer und Wasser. Heute sprechen sie übereinander nur in den besten Tönen. Der Respekt voreinander ist allerdings schon damals gross. Als Slettvoll 1992 im Nebenamt Nationaltrainer wird, holt er Gilligan als Assistenten. Gemeinsam führen sie die Schweiz sensationell in den WM-Halbfinal. Ein Jahr später folgt in umgekehrter Kombination allerdings der Abstieg – ein Makel, der beide bis heute schmerzt.

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