In der Quali war Simon Seiler der Verteidiger, der von Trainer Roger Rönnberg am sparsamsten eingesetzt wurde. Im Durchschnitt kam der Ostschweizer bei Fribourg nur auf fast elf Minuten Eiszeit pro Spiel.
Der ehemalige Junior des EHC Frauenfeld, der Pikes Oberthurgau und der ZSC Lions war vorwiegend siebter Verteidiger und Nothelfer für den Fall von Verletzungen. «Und genau das ist in den Playoffs leider passiert», sagt der 29-Jährige. «Da sich Andrea Glauser bereits in der Serie gegen Rapperswil verletzt hatte, bekam ich sofort mehr Spielzeit. Aber so ist Eishockey. Ich war darauf vorbereitet, dass es passieren könnte. Und wenn es soweit ist, muss man bereit sein, auch wenn es hart ist, wenn sich ein Teamkollege verletzt.»
Als der Mann mit der Nummer 5 in der Aufstellung nach oben klettern musste, rechneten nur wenige damit, dass Seiler der Aufgabe gewachsen sein würde. Doch vom ersten Schritt an in der neuen Rolle zeigte der primär defensiv ausgerichtete Verteidiger eine gute Stabilität.
Tor und Pfostenschuss am Montag
Bei der 1:3-Heimniederlage am Montag fügte der Verteidiger, der 2023 nach neun Jahren in der Swiss League bei den GCK Lions, Thurgau, Kloten und Olten den Sprung zu Fribourg geschafft hatte, seinem Spiel jedoch ein Element hinzu, da er das Tor der Hoffnung (das 1:2) schoss und anschliessend noch den Pfosten traf. Bei einem Spieler, der bis dahin in 186 NL-Spielen nur drei Tore erzielt hatte, wäre ein Doppelpack eine Sensation gewesen. «Ja, es ist unglücklich, weil nicht viel gefehlt hat. Aber letztendlich ist diese Niederlage auch die Strafe dafür, dass wir nicht gut genug gespielt haben. Wir waren nicht nah genug an unserem Matchplan dran, um mehr Erfolg zu haben.»
Nach der Verletzung von Nati-Verteidiger Glauser ist es nur logisch, dass Seiler in der Hierarchie aufgestiegen ist. Nicht zuletzt im Boxplay, wo phasenweise auch Patrik Nemeth wegen seiner Sperre fehlte. In 14 Playoff-Spielen hat Seiler bereits mehr als 47 Minuten in Unterzahl auf dem Eis verbracht. Damit ist er die Nummer 1 der Liga, gefolgt von seinen Teamkollgen Benoît Jecker (42 Minuten) und Nathan Marchon (40) sowie dem Davoser Abwehrchef Klas Dahlbeck (38).
Und das mit Erfolg, denn mit einem Mann weniger auf dem Eis sind die Drachen mit einer Penalty-Killing-Erfolgsquote von 85 Prozent sehr solide. Was ist das Geheimnis? «Wir haben einen sehr klaren Matchplan», sagt Seiler. «Aber ich glaube, wir schauen vor allem auf unser Spiel. Natürlich sehen wir uns die Tendenzen unserer Gegner an, um nicht überrascht zu werden. Aber ich glaube, dass wir uns unserer Stärke in diesem Bereich bewusst sind. Deshalb müssen wir niemanden fürchten.»
Kampf mit Zadina kurz vor Schluss
Am Ende des ersten Akts zeigte Simon Seiler eine Facette seines Spiels. Die Härte. Nach der Schlusssirene ging er dazu über, seinen Stock in die Nieren von Filip Zadina zu drücken, was dem Tschechen logischerweise nicht gefiel. So kam es zu einem Kampf. «Aber auch hier ist es wichtig, dass wir nur an uns denken. Egal, wer uns gegenübersteht, das darf unser Verhalten und unsere Einstellung nicht ändern.»
Auch wenn er Brendan Lemieux nicht namentlich nennt, versteht es sich von selbst, dass der Kanadier jedes Mal im Mittelpunkt steht, wenn er einen Schlittschuh auf das Eis setzt. Da trifft es sich gut, dass Seilers Spielzeit drastisch erhöht wurde. Die Funken dürften auch am Mittwochabend im Game 3 wieder sprühen. Schon am Mittwoch hatten sich Seiler und seine Teamkollegen bemüht, Lemieux zu provozieren. Allerdings ohne Erfolg.

