Darum gehts
Die Hockey-Euphorie in Fribourg und in der ganzen Region ist grenzenlos. Am Freitag im vierten Spiel des Finals gegen Davos (Stand 1:1) wird die BCF-Arena zum 100. Mal in Folge ausverkauft sein. Meisterlich. Seit drei Jahren bleibt kein Platz im ausgebauten Stadion mehr frei. Und dabei hat man die Kapazität stufenweise von 9009 auf inzwischen 9372 erhöht. Jeder Meter wird genutzt.
Gottéron-Tickets sind derzeit wohl die heissesten im Land. Pro Spiel werden nur noch zwischen 1000 und 1500 verkauft, da Fribourg 7500 Saisonkarten abgesetzt hat. Am letzten Donnerstag warteten Hunderte Fans vor der Arena, um noch eines der Tickets zu ergattern, die simultan für den zweiten und vierten Akt verkauft wurden. Die ersten Anhänger hatten schon 20 Stunden vor Beginn des Verkaufs vor Ort campiert und sich mit Kartenspielen die Zeit vertrieben oder ein Fondue genossen. Pro Person wurden nicht mehr als zwei Tickets verkauft.
Von solch einer Hockey-Euphorie kann die Konkurrenz nur träumen, auch wenn in den Playoffs bei den ZSC Lions, Lausanne und Zug ebenfalls alle Spiele ausverkauft waren.
Bis zu 1200 Fondues und 6000 Liter Bier
Doch nicht nur in Sachen Fan-Aufmarsch ist Gottéron meisterlich. Auch die Gastronomie in der BCF-Arena brummt. So werden bei einem Spiel bis zu 1200 Fondues und 6000 Liter Bier verkauft, wie «Le Matin» berichtete. Um die Fans zu versorgen, sind 260 Mitarbeitende in den zehn Bistrots und zwölf Buvettes mit höchstmöglicher Effizienz und Charme am Wirbeln.
Da klingelt es auch in der Kasse. «Jedes Spiel ist ein Bonus», sagte Generaldirektor John Gobbi vor dem Final zu Blick. Schliesslich budgetierte Gottéron vorsichtig nur mit zwei Heimspielen nach der Regular Season. Nun kamen bereits vier im Viertelfinal gegen die SCRJ Lakers und drei im Halbfinal gegen Servette dazu. Im Final sind zwei garantiert, ein drittes wird Tatsache, falls die Titelentscheidung nicht schon am Sonntag in Davos fällt.
Der Klub rechnet dank Ticketing, Merchandising und Gastronomie mit über 100’000 Franken Nettomehreinnahmen pro Spiel. «Man muss relativieren: Es gibt auch zusätzliche Kosten», sagt der langjährige NL-Verteidiger Gobbi, da auch Sicherheits- und Personalkosten sowie Prämien für die Spieler fällig werden. «Wir werden ein gutes finanzielles Resultat haben, aber es ändert sich nicht alles für Fribourg-Gottéron.»
Das Wachstum des Klubs in den letzten Jahren und die Investitionen in die Mannschaft – jedes Jahr verpflichtete man einen Nati-Spieler – wirken sich auf den sportlichen Erfolg aus. In den letzten fünf Saisons stand Gottéron viermal im Halbfinal. Und nur noch drei Siege sind die Drachen vom erstmaligen Titel entfernt. «Letztes Jahr waren es fünf Siege. Man kann sich annähern: drei, zwei, eins. Und am Ende ans Ziel kommen», so Gobbi.
Die BCF-Arena als Vorbild für den SCB
2019 bis 2020 ist die Arena ausgebaut und modernisiert worden, wobei man das Dach angehoben hat. Schmuck und modern ist sie geworden, und doch hat man den Charakter beibehalten können. So gut, dass die BCF-Arena nun das Vorbild beim grossen Rivalen in Bern ist, wie der scheidende SCB-CEO Marc Lüthi letzte Woche im Blick-Podcast «Schliifts» andeutete.
Den Esprit des alten Stadions zu behalten, war entscheidend für die Weiterentwicklung. Auch modernisiert ist es ein Hexenkessel geblieben.
Zu einer speziellen Ambiance trägt auch das Introvideo bei abgedunkelter Arena vor dem Spiel bei, in dem sich ein Drache aus dem Galterntal, wo die Wiege des Klubs liegt, mit schwingenden Flügeln in die Lüfte hebt.
Was die Fans mit ihren Choreos in den letzten Wochen zelebriert haben, ist ebenfalls meisterlich. Sicherheitshalber hatten sie bereits im fünften Spiel gegen die Lakers, welches das letzte Heimspiel des abtretenden Captains hätte sein können, eine 360-Grad-Choreo für Julien Sprunger auf die Beine gestellt, die ihresgleichen sucht.
Und auch im ersten Finalheimspiel sorgte eine Choreografie für Gänsehaut. Darauf war Slawa Bykow, der Star der 90er-Jahre, als man drei Finals in Folge verloren hatte, zu sehen, wie er den jungen Sprunger an der Hand hielt. Und beide träumten vom Titel.
Der Traum vom ersten Titel verbindet alle in Fribourg. Und auch wenn der Wunsch riesig ist, den grossen Coup zu landen, hat man den Eindruck, dass die Fans auch damit umgehen können, wenn es noch nicht klappen sollte. Der Traum würde weiterleben.
