Darum gehts
- Maximilian Streule erlitt in Halbfinal-Serie gegen Servette einen harten Check
- Gehirnerschütterung ausgeschlossen, spielt mit Vollvisier und bleibt kämpferisch
- 22-Jähriger erzielte 2 Tore in Playoffs, Fribourg führt Serie 2:1
In der Endphase des ersten Spiels der Halbfinal-Serie knallte es. Maximilian Streule wird von Jesse Puljujärvi, dem finnischen Brocken von Servette, gegen die Bande gewuchtet. Ein ruppiger Check. Der Fribourg-Verteidiger bleibt benommen auf dem Eis liegen. Er spielt dann noch einen Einsatz, bevor er das Handtuch wirft. «Ich habe mich auf der Bank etwas komisch gefühlt», sagte er. «Ich wollte weitermachen, aber ich dachte dann, es wäre klüger, in die Kabine zu gehen, solange ich keine Diagnose habe.»
«Max? Er ist ein Krieger! Ich bin nicht überrascht, dass er weitermachen wollte», sagte sein Trainer Roger Rönnberg am selben Abend lachend. Streule analysiert diese Szene sehr kühl: «Ich habe nicht erwartet, dass er so kommt. Ich habe mich ein bisschen gedreht. Zum Glück ist es nichts Schlimmes.» Doch erst am nächsten Morgen erfuhr er, dass eine Gehirnerschütterung ausgeschlossen werden konnte.
Bei Fribourg sollten eigentlich primär zwei Männer für Härte verantwortlich sein: Andrea Glauser und Patrik Nemeth. Der verletzte Nati-Verteidiger wird diese Saison wohl nicht mehr spielen, während der Schwede am Freitag die letzte von fünf Spielsperren für seinen Ausraster gegen den künftigen Fribourg-Stürmer Jonas Taibel verbüsst. Um nicht von Servette überfahren zu werden, müssen andere Verteidiger in die Bresche springen. Da trifft es sich gut, dass Maximilian Streule für solche Momente wie geschaffen ist. «Ich versuche, hart zu spielen», sagt er. «Wenn du hart spielst, weisst du, dass es Kontakte geben wird. Und wenn du austeilst, musst du auch einstecken können.»
Vor einem Jahr verletzte sich Streule
Seit dem zweiten Halbfinal-Spiel spielt der Mann, der in Regensdorf ZH aufgewachsen ist, mit einem «Aquarium», einem Helm mit Vollvisier. «Es ist eine kleine Umstellung», gibt er zu. «Es ist vor allem die Atmung, die meine Gewohnheiten verändert. Das Plexiglas kann sich schnell beschlagen. Das ist anfangs etwas seltsam, aber ich beschwere mich nicht. Für mich ist alles in Ordnung.» Das sieht man auch. Streule stürzt sich unbeeindruckt in die Zweikämpfe.
Letzte Saison schied er im dritten Halbfinal-Spiel gegen Lausanne verletzt aus. Hatte er Angst, dass sich das wiederholen könnte, nachdem ihn Puljujärvi erwischte? «Nein, nicht wirklich. Ich war ein wenig benommen, aber ich wusste, dass es gut laufen würde.»
Streule fällt auf, führt die Zweikämpfe verbissen und steckte beim Sieg am Mittwoch auch einen heftigen Check von Josh Jooris ohne mit der Wimper zu zucken weg. Er schaltet sich aber auch immer wieder ins Offensivspiel ein und hat in den Playoffs schon zwei Tore erzielt. Und doch hat man das Gefühl, dass seine Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist. Schliesslich hat sich der Ex-Lions-Junior und U20-Nati-Spieler stetig verbessert, seit er vor drei Jahren aus Nordamerika, wo er in den Junioren-Ligen bei Winnipeg Ice und Blainville-Boisbriand Armada gespielt hatte, zu Fribourg stiess.
«Individuell und kollektiv gibt es Dinge, die wir verbessern müssen»
Im Alter von erst 22 Jahren kann er die dritten Playoffs seiner Karriere in vollen Zügen geniessen. Und natürlich auch nutzen, um sich weiterzuentwickeln. «Es gibt immer noch Situationen, in denen ich zu lange zurückweiche», analysiert er trotz seiner hervorragenden Serien. «Ich weiss, dass ich meine Beine mehr bewegen muss.»
In dieser Serie führt Fribourg nach drei Heimsiegen 2:1. Aber «Max» weiss, dass noch ein langer Weg zu gehen ist. «Man merkt, dass beide Mannschaften aus einer Serie mit sieben Spielen kommen. Wir können noch ein bisschen mehr Tempo reinbringen.» Und er gibt zu: «Wir wissen, dass wir noch nicht das perfekte Spiel gemacht haben. Individuell und kollektiv gibt es Dinge, die wir verbessern müssen.» Ein Eingeständnis und eine Drohung zugleich für die Genfer.


