Heisse National-League-Thesen
HCD–Trauma, heisser Trainer-Stuhl und Zickereien in Zürich

Am Dienstag legt die National League wieder los. Was erwartet uns? Blick lanciert heisse Thesen und nimmt dabei auch die Gefahr in Kauf, sich den Mund zu verbrennen.
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Final-Trauma beim HCD

Wie knapp war das denn: Im siebten Spiel des ersten Finals seit 2015 gab Quali-Dominator Davos gegen Fribourg den Meistertitel aus der Hand. Dabei war alles angerichtet, um endlich die «Mission 32» zu vollenden. «Wann, wenn nicht jetzt?», so die häufige Frage. Eine verpasste goldene Chance. Nun ist Vorzeige-Captain und -Leader Stransky weg, sowie Eckpfeiler aus dem Kern wie Chris Egli, Fora, Dahlbeck, Knak oder Barandun. Das Final-Drama kann beim Vizemeister ein Trauma hinterlassen.

Davos-Keeper Sandro Aeschlimann muss das 2:3 von Lucas Wallmark in der Overtime von Playoff-Final-Spiel hinnehmen.
Foto: keystone-sda.ch

Warum haben wir nicht Dahlén geholt?

Jonathan Dahlén (28) flirtete länger mit einem Wechsel in die lukrative National League. Jetzt hat er aber nicht bei einem der reichen Klubs, sondern bei den SCL Tigers unterschrieben. Mit seinen technischen Fähigkeiten und seinem Talent bringt er alles mit, um die Fans zu verzaubern. Letzte Saison war der Schwede, dessen Vater Ulf über 1000 NHL-Partien bestritt, bei Timra mit 30 Toren SHL-Torschützenkönig. Dazu haben die Tigers auch gleich auch noch seinen Partner Emil Pettersson (32) von Timra geholt. 

Mit Stürmer Jonathan Dahlén konnten die SCL Tigers einen hochkarätigen Schweden verpflichten.
Foto: ZamirLoshi/freshfocus

Marjamäki bleibt nicht bis Saisonende Zug-Trainer

Im Zuger Entlassungs-Sommer soll auch Thema gewesen sein, ob der noch vom geschassten Sportchef Kläy engagierte Trainer Lauri Marjamäki sein Amt antreten darf. Die Klubführung um Präsident Hans-Peter Strebel liess Gnade walten, wohl weil schon genug Geschirr zerschlagen wurde. Doch der Finne sitzt auf einem heissen Stuhl. Nach dem Chaos und dem Ärger der Fans verträgt es Misserfolg kaum. Der Finger am Knopf für den Schleudersitz war auch schon ruhiger. Die Auswärts-Serie zum Saisonstart (wegen Hallen-Umbaus) trägt vielleicht nicht zur Besänftigung bei.

Lauri Marjamäki wechselte auf diese Saison hin von Kloten nach Zug.
Foto: Pius Koller

Kloten löst Rappi als Überraschungsteam ab

Seit dem Drama-Duell 2018 um den NL-Platz herrscht dicke Luft zwischen Kloten und Rappi. Damals gewannen die unterklassigen Lakers die Liga-Quali im siebten Spiel. Seit Klotens Wiederaufstieg 2022 machte meist der SCRJ den gefestigteren Eindruck. Bis jetzt. In der neuen Rappi-Garderobe gibts Konflikt-Potenzial. 16 Verträge laufen aus. Da ist geschicktes Verhandeln gefragt, sonst droht Knatsch im Team. Doch nicht nur deshalb läuft Kloten Rappi den Rang als Überraschungsteam ab. Sondern? Gestatten: Reto Berra, Meistergoalie und Silberheld.

Kloten-Stürmer Dario Meyer (rechts) feiert einen Treffer gegen Lakers-Goalie Melvin Nyffeler.
Foto: keystone-sda.ch

Zickereien zwischen ZSC-Trainer Julien und seinen Stars

Die flache Hierarchie unter Marco Bayer ist letzte Saison gescheitert, nun machen die ZSC Lions eine Rolle rückwärts und setzen mit Claude Julien wieder auf ein NHL-Schlachtross der alten Schule. Dieser hat in seiner langen Karriere schon weitaus bessere Spieler trainiert als die ZSC-Stars und wird es diese mit klaren Ansagen auch spüren lassen. Es sei in den letzten Jahren in der Vorbereitung nie derart hart trainiert worden, ist aus Spielerkreisen zu hören. Wenn der Spassfaktor längerfristig wegfällt, steigt das Potenzial für Zickereien.

Neuer Chef an der ZSC-Bande: Ex-NHL-Coach Claude Julien.
Foto: Pius Koller

Fan-Aufstand, wenn Scherweys Vertrag nicht verlängert wird

Wenn sich eine Ikone dem Hockey-Verfallsdatum nähert, ist das eine riesige Herausforderung für jeden Klub. Der Vertrag von Tristan Scherwey (35) läuft im Frühling aus und letzte Saison schoss er nur zwei Tore. Sein Körper bezahlt den Preis für seinen generösen Spielstil und steten Kollisionskurs. Und der SCB hat sich der Verjüngung verschrieben. Sollte sich der SCB gegen die Verlängerung seines Vertrags entscheiden, werden die Fans rebellieren. Scherwey ist immer noch die Identifikationsfigur. Zuletzt wollten ihn 43 Prozent im Blick-Voting als Captain. Doch der SCB hat ihn nicht einmal mehr fürs Captains-Team nominiert.

Der Vertrag von Publikumsliebling Tristan Scherwey beim SCB läuft Ende Saison aus.
Foto: PETER KLAUNZER

Biel wird den Dionicio-Abgang bereuen

Verteidiger-Juwel Rodwin Dionicio trotz eines noch bis 2027 laufenden Vertrages und ohne wirkliche Not nach Bern abzugeben, wird den EHC Biel noch einholen. Denn dadurch, dass sich mit Niklas Blessing kurz nach diesem Entscheid der zweite Bieler Verteidiger-Rohdiamant das Kreuzband riss und auch Routinier Robin Grossmann noch länger fehlt, haben die Seeländer in dieser Saison eine äusserst bescheidene Defensive. Zusammen mit Ajoie und Ambri die schwächste in der Liga. Das kann Biel erneut die Playoffs kosten.

Biel liess Verteidiger Rodwin Dionicio trotz Vertrag zum SC Bern ziehen.
Foto: PIUS KOLLER

Nach 4 Jahren verpassen Romand-Teams erstmals den Playoff-Final

In den letzten vier Jahren stand ein Team aus der Romandie im Final: 2023 Servette, der erste Westschweizer Meister seit 50 Jahren, dann zweimal Lausanne und zuletzt Fribourg mit der Titelpremiere. Ein Meisterblues ist bei Gottéron unter Rönnberg zwar nicht wahrscheinlich, doch die Abgänge von Sprunger, Berra, Biasca und Meisterschütze Wallmark sind gewichtig. In Genf kann es die grandiose Finnen-Combo auch unter dem neuen Coach Sam Hallam nicht immer richten. Bei Lausanne wurde zwar die Abwehr gestärkt, aber im Sturm verlor man die Nati-Spieler Jäger und Rochette. Und Ajoie? Keine Scherze, bitte.

In den letzten vier Jahren stand mit Fribourg (im Bild Henrik Borgström, rechts), zweimal Lausanne und Servette (im Bild Markus Granlund) ein Romand-Team im Playoff-Final.
Foto: keystone-sda.ch

Ambri löst Ajoie als Dauerletzten ab

Das Unmögliche kann in dieser Saison tatsächlich möglich werden: Ajoie wird erstmals seit dem Aufstieg 2021 nicht Letzter. Dies nicht, weil die Jurassier deutlich besser geworden wären, sondern weil Ambri mit seiner «Jugend-Forscht-Equipe» massiv schwächer einzuschätzen ist. Die Leventiner müssen gehörig aufpassen, in ihrer offiziell ausgerufenen Stabilisierungssaison nicht komplett unter die Räder zu geraten und Stoff für eine neue Telenovela zu liefern.

Ambri-Stürmer Miles Müller muss gegen Ajoie-Verteidiger Valentin Pilet einstecken.
Foto: keystone-sda.ch

Der Fussball läuft in Lugano dem Hockey den Rang ab

Über Jahrzehnte stand der FC Lugano im Schatten des HC Lugano und dessen sieben Meistertiteln in 20 Jahren. Fussball? Da interessierte in Lugano primär die Serie A. Doch inzwischen hat der Wind gedreht. Der FC hat all das, was der HC gerne hätte: ein modernes, neues Stadion sowie einen Siegeszug an der Spitze der Tabelle, der Meisterträume realistisch macht. Der nach zu vielen komplizierten Jahren inzwischen seit 20 Jahren auf einen Titel wartende HC Lugano muss liefern, damit es nicht zum Dauerzustand wird, nur noch die zweite Geige in der Stadt zu spielen.

Der HC Lugano steht im Schatten des FC Lugano, der von Sieg zu Sieg eilt.
Foto: keystone-sda.ch
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