Stanley-Cup-Final der NHL
Wolfsstunde statt Prime Time: Wir gucken in die Röhre

Wenn es um die Wurst geht, pfeift die NHL auf die europäischen Zuschauer. Wer den Final live schauen möchte, muss die Nacht zum Tag machen.
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Stanley-Cup-Final zwischen Carolina und Las Vegas: Anspielzeit immer um 02.00 Uhr MEZ.
Foto: keystone-sda.ch
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Dino KesslerLeiter Eishockey-Ressort

Die NHL möchte sich in Europa ausbreiten. Die sattsam als beste Liga der Welt bezeichnete Organisation aus Übersee hat PR-Strategien ausgeheckt, um europäische Werbepartner zu binden, etwa die virtuelle Bandenwerbung. Was da an den Banden flackert, ist dann zwar gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie auch erstaunlich raffiniert. Also: Es funktioniert. 

Nur wirkt es dann fast schon belustigend, wenn die Finalspiele um den Stanley Cup dann durchs Band zur Wolfsstunde beginnen, also um zwei Uhr morgens. Dann, wenn der arbeitende Bürger damit beginnt, seine täglichen Probleme zu zerkauen, und wer keine Okklusionsschiene im Mund hat, erwacht mit schmerzendem Kiefer und Schädelbrummen. 

Spielbeginn ist in der NHL nicht, wenn das Spiel beginnt

Die Crux? Die Spiele beginnen nicht wie angekündigt um 02.00 Uhr MEZ, dann ist erst mal noch Rahmenprogramm. Veteranen werden präsentiert, es wird gesungen, irgendeiner schraubt an einer Sirene, eine Riesenshow. Geht aber alles auf Kosten des Fans in Europa, weil wenn dann mal das zweite Drittel durch ist, kräht schon bald der Hahn. Und wie soll man dann im Büro die von den derzeit regierenden Bürokraten verordnete Höchstdosis an Sitzungen ertragen, die schon bald anstehen? 

Werbung ja – aber es zählt nur der US-Markt

Wer den Stanley-Cup-Final in Europa live verfolgen will, guckt in die Röhre. Oder er bucht Ferien und macht die Nacht zum Tag. Die in Schnipselform präsentierten Highlights am nächsten Tag schauen? In Ordnung – aber kann es das wirklich sein, wenn es um die Wurst geht? Für die NHL ist der europäische Markt höchstens eine Randnotiz, die Ansetzung der Spiele ist nur auf die Bedürfnisse der US-Primetime zugeschnitten. 20 Uhr an der Ostküste, Wolfsstunde in Europa. Ohne Ausnahme. Das ist dann eine einfache Rechnung: Wo verdient man das meiste Geld? Hier nicht. Also spielen die dann, wenn in Übersee die TV-Quote brummt. Bandenwerbung hin, Bandenwerbung her. 

Dankeschön. Ist wie bei der NFL, Superbowl schauen geht auch nur, wenn am nächsten Tag kein Sitzungstyrann die Glocke läutet.

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