Darum gehts
Lauri Marjamäki (48) steht nach der vierten Derbypleite gegen den ZSC im Garderobengang. Der Kloten-Trainer sieht müde und erschöpft aus. Dass sich sein Team immer tiefer in den Strichkampfsumpf manövriert, geht auch am Finnen nicht spurlos vorbei.
«Ich sehe immer wieder den gleichen Film. Zum gefühlt 20. Mal verlieren wir mit einem Tor Unterschied. Das ist frustrierend», sagt er monoton, «aber Frustration hilft uns auch nicht weiter.» Er übt sich in Emotionskontrolle. Am liebsten würde sich der 48-Jährige wieder in sein Trainerbüro zurückziehen, nach solchen Niederlagen ist er nicht sonderlich gesprächig.
Nicht mehr viel erinnert an jenen Marjamäki von vor eineinhalb Jahren, als dieser enthusiastisch und humorvoll über seine Aufgaben und Herausforderungen beim EHC erzählte. Denn erstmals ist Marjamäki jetzt bei einem Aussenseiterklub ohne Titelambitionen tätig.
Letzte Saison noch das Derby im Playoff-Viertelfinal
Vor seinem Engagement in der Schweiz stand er in der Heimat bei Oulun Kärpät und Jokerit Helsinki (noch in der KHL) sowie beim finnischen Nationalteam an der Bande. Der Erfolgsdruck habe ihn abgehärtet, versicherte er damals. Auch Schlagzeilen wie «Der am meisten gehasste Mensch des Landes» nach der 1:5-Schlappe gegen Gastgeber Frankreich an der WM 2017 hat er verdaut – und versichert, er habe viel Erfahrung, um mit Druck und Kritik umzugehen.
Das musste Marjamäki in seiner Debütsaison in Kloten jedoch überhaupt nicht. Die Zürcher Unterländer mauserten sich zum Überraschungsteam, das die direkte Playoff-Quali auf Platz sieben nur knapp verpasst hat. In den Play-Ins musste es nach einem 3:4 in der Gesamtabrechnung der ersten Runde gegen die SCL Tigers über den Umweg der zweiten Runde, besiegte dort Ambri zweimal und wurde dafür mit dem Derby im Playoff-Viertelfinal belohnt. Dort war nach fünf Duellen und dem 1:4 in der Serie Endstation.
Harte Landung in der Realität
Doch heuer erlebt Marjamäki die harte Landung in der Realität. Dank ansehnlicher Phasen hat sich Kloten zwar noch einige Zeit auf den Play-In-Plätzen gehalten. Mittlerweile aber ist der Anschluss verloren gegangen, und man spürt Ambris Atem im Nacken. Es droht der Absturz in die Playouts. Der Headcoach hadert damit. «Wie kann das sein? Es ist so unreal, die Spieler verdienen mehr. Sie geben ihr Bestes, kreieren Chancen, kontrollieren das Spiel, aber verlieren es.» Damit umzugehen, sei nach solchen Partien nicht einfach.
Über Marjamäki ist bekannt, dass er sehr emotional sein kann. Das ist in dieser schwierigen Phase der Meisterschaft – auch für die Spieler – nicht hilfreich. Er selbst sagt dazu: «Diese Saison war ich ruhig, darin habe ich mich verbessert.» Seit vielen Jahren vertraue er dabei auf einen Mentaltrainer. «Jeder, der sich in diesem Business weiterentwickeln möchte, braucht einen.» Sagt es – und verzieht sich nun definitiv in die Garderobe.





