Darum gehts
- 14-Jähriger in Wetzikon ZH von Jugendbande brutal angegriffen, Video schockiert
- Tätergruppe mit 15-20 Personen, einige polizeibekannt, Opfer erlitt Prellungen
- Polizei ermittelt, Jugendanwaltschaft eingeschaltet, Eltern fordern harte Konsequenzen
Die Gewalt ist brutal: In einem Video ist zu sehen, wie mehrere Jugendliche auf einen 14-Jährigen einschlagen. Einer hält ihm dabei eine Pistole an den Kopf. Der Vorfall ereignete sich am Freitagabend rund um das Wetziker Stadtfest.
Nun sprechen die Eltern des Opfers erstmals ausführlich über den Vorfall und was ihr Sohn durchgemacht hat. Blick besucht das 14-jährige Opfer Daniel T.* und seine Eltern Sarah und Thomas in Wetzikon ZH. Daniel ist bei dem Gespräch anwesend, möchte sich aber nicht selbst gegenüber Blick äussern. Seine Eltern reden für ihn.
Polizei kennt mehrere Beteiligte
Nach Angaben der Eltern handelt es sich bei den mutmasslichen Tätern um eine Gruppe von Jugendlichen, die sich regelmässig in der Region um Wetzikon treffe. Die Gruppe bestehe aus 15–20 Personen, auch Mädchen seien darin vertreten.
«Uns wurde gesagt, dass einige von ihnen bereits polizeibekannt sind», sagt der Vater. Die Gruppe sei bereits mehrfach an Angriffen auf Jugendliche beteiligt gewesen. Doch viele der Vorfälle werden nicht angezeigt, weil die Betroffenen Angst haben. So sei es schwierig, Leute zu finden, die gegen die Gruppe aussagen oder Beweismaterial weitergeben.
«Wir mussten wirklich intensiv recherchieren, dass wir dieses Video kriegen», erzählt die Mutter. «Die Jugendlichen haben Angst vor Konsequenzen.» Als die Eltern die Bilder sehen, sind sie schockiert. «Die gehen über Leichen. Was ist hier falsch gelaufen?»
«Er begann, sich anders zu verhalten»
«Er hat uns erst nach dem Vorfall erzählt, dass er seit Februar Angst hatte», sagt die Mutter. Die Eltern hätten zwar bemerkt, dass sich ihr Sohn verändert habe. «Er wollte kaum noch herausgehen und war ungewöhnlich viel zu Hause. Aber auf unsere Fragen sagte er immer, es sei alles in Ordnung.»
Der eigentliche Auslöser des Konflikts liegt laut der Aussagen Eltern weit zurück. Vor rund einem Jahr soll es wegen einer damaligen Beziehung Streit gegeben haben. Nachdem Daniel mit seiner Freundin Schluss gemacht hatte, hätten sich Spannungen mit Kollegen von dieser aufgebaut. Über Chatgruppen sei es zu gegenseitigen Beleidigungen gekommen.
Ein Gespräch wird zur Falle
Schliesslich sei ein Treffen vereinbart worden. Man wolle die Sache in einem Gespräch klären. Doch als Daniel mit zwei Freunden am vereinbarten Ort eintrifft, sieht er eine ganze Gruppe auf ihn warten.
«Abgemacht war, dass da vier Leute sind – tatsächlich waren es 15», erzählt die Mutter. Er ergreift daraufhin die Flucht in Richtung Gossau. «Sie haben ihn verfolgt», sagt die Mutter.
Am Telefon hätten die Jugendlichen ihren Sohn anschliessend mehrfach dazu gedrängt, zurückzukommen. Sie hätten ihm versichert, man wolle nur reden. Tatsächlich sei er in eine Falle gelockt worden.
«Er hatte Prellungen am ganzen Körper»
Nach Angaben der Eltern wurde Daniel zunächst von mehreren Jugendlichen geschlagen. Anschliessend sei er gezwungen worden, mit der Gruppe weiterzugehen. An einem zweiten Ort in Gossau habe die Gewalt erneut begonnen. Dort entstand auch das inzwischen bekannte Video. Danach sei Daniel alleine zurückgelassen worden.
Der 14-Jährige versucht, nach dem Vorfall seine Eltern zu erreichen. Er habe sich versteckt. «Am Telefon sagte er mir, dass er zusammengeschlagen worden sei», so Thomas T. «Ich habe ihn gefragt, ob er in Sicherheit sei und bin sofort losgefahren.» Als er Daniel findet, bietet sich ihm ein schlimmes Bild. «Er war unter Schock», so der Vater.
Daniel erleidet zahlreiche Prellungen am ganzen Körper, vor allem am Kopf. Er klagte über Schmerzen im Gesicht, den Schultern und an den Beinen.
Der Jugendliche wird im Spital behandelt. «Zum Glück gab es keine Brüche und keine inneren Blutungen», sagt die Mutter. Dennoch habe ihr Sohn grosses Glück gehabt. Ein Bluterguss am Ohr musste medizinisch behandelt werden.
«Diese Leute müssen Weg von der Strasse»
Der Teenager wird später von der Polizei vernommen. Nach der Einvernahme seien mehrere mutmassliche Beteiligte identifiziert worden. Ob es Verhaftungen gab, wissen die Eltern nicht. Die mutmasslichen Täter wurden angezeigt und die Jugendanwaltschaft ermittelt.
Die Familie hofft nun auf Konsequenzen für die Schläger-Truppe. Thomas T. findet klare Worte: «Leute wie diese müssen weg von der Strasse und müssen bestraft werden», sagt er. «Muss es erst zu einem Todesopfer kommen, bevor hier entschieden durchgegriffen wird? Das muss ein Ende haben.»
* Namen geändert