Darum gehts
- Elefantenkuh Indi gebar am Montag im Zoo Zürich ein Kalb
- Jungtier konnte nicht aufstehen, wurde trotz Bemühungen euthanasiert
- Seit 2014: 8 Elefantengeburten, 4 erfolgreich, 50'000 Tiere weltweit gefährdet
Die 40-jährige Elefantenkuh Indi hat am Montag im Kaeng Krachan Elefantenpark ein männliches Jungtier geboren. Die Geburt ihres fünften Kalbes verlief komplikationslos. Das Jungtier konnte anschliessend jedoch trotz wiederholter Versuche nicht selbstständig aufstehen, da es seine Hinterbeine nicht belasten konnte. Da sich sein Zustand trotz grossem Einsatz der Tierpflegern und Tierärzten verschlechterte und die Prognose keine Aussicht auf ein komplikationsfreies und lebensfähiges Aufwachsen des Kalbes zuliess, entschied das Team im Sinne des Tierwohls, das Kalb zu euthanasieren.
Asiatische Elefanten leben natürlicherweise in sogenannten Matriarchaten. Dabei bilden die Weibchen gemeinsam mit ihren Jungtieren enge Familienverbände, die von der ältesten und erfahrensten Kuh angeführt werden. Auch Indi und ihre Tochter Chandra verbindet ein besonders enges Verhältnis. Entsprechend waren die beiden Elefantenkühe während des gesamten Geburtsvorgangs zusammen und meisterten diesen ausgesprochen souverän, wobei das Kalb um 12.25 Uhr im Innenbereich des Kaeng Krachan Elefantenparks zur Welt kam. Anschliessend gelang es ihm aber nicht, wie für Elefanten üblich, wenige Minuten nach der Geburt selbstständig aufzustehen.
«Das männliche Jungtier von Elefantenkuh Indi und dem 21-jährigen Bullen Thai unternahm wiederholt kräftige Aufstehversuche, konnte seine Hinterbeine jedoch nicht ausreichend belasten, weshalb es auf dem Boden liegen blieb», schildert Zoodirektor Severin Dressen die Situation direkt nach der Geburt, die sich auch in den folgenden Stunden nicht veränderte.
Alle Möglichkeiten ausgeschöpft
Um den Tierpflegern und Tierärzten eine Untersuchung sowie die medizinische Versorgung des Kalbes zu ermöglichen, wurde Chandra – die Halbschwester des Jungtiers – zunächst von Muttertier und Kalb getrennt. Zudem erhielt die Elefantenkuh Indi eine medikamentöse Beruhigung, damit das Jungtier von ihr separiert werden konnte. So war es möglich, weitere Massnahmen zu ergreifen, um den Jungbullen beim Aufstehen zu unterstützen und ihn mittels Infusionen mit Flüssigkeit zu versorgen.
Bei der anschliessenden Untersuchung konnten keine offensichtlichen Verletzungen festgestellt werden. Trotz aller Bemühungen war das Jungtier nicht in der Lage, seine Hinterbeine ausreichend zu belasten und selbstständig zu laufen. Somit wurde die Mutter am Abend wieder zu ihrem Jungtier gelassen. Auch über Nacht stand das Jungtier trotz intensiver Betreuung und kontinuierlicher tierärztlicher Überwachung nicht auf. Nach einer erneuten Gesamtbeurteilung der Situation entschied sich das Team im Sinne des Tierwohls für die Euthanasie des Jungtiers. Die Prognose liess keine Aussicht auf ein komplikationsfreies und lebensfähiges Aufwachsen des Kalbes zu. Anschliessend erhielt Mutter Indi die Möglichkeit, sich von ihrem verstorbenen Jungtier zu verabschieden.
«Wir hätten uns sehr einen glücklicheren Ausgang der Trächtigkeit von Indi gewünscht – vor allem auch nach dem intensiven und unermüdlichen Einsatz aller beteiligten Zoomitarbeiter*innen und den Tierärzt*innen. Mit einem gesunden Jungtier wäre einerseits unsere Elefantengruppe nach den frustrierenden Verlusten in den vergangenen Jahren wieder vergrössert worden, andererseits ist jede erfolgreiche Geburt im Europäischen Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Asiatischen Elefanten ein wichtiger Beitrag zu einer stabilen Reservepopulation in Europa», bedauert Zoodirektor Severin Dressen den Tod des Jungtiers.
Bisherige Geburten im Kaeng Krachan Elefantenpark
Im Kaeng Krachan Elefantenpark leben derzeit zwei voneinander getrennte Elefantenherden mit jeweils zwei weiblichen Tieren sowie ein Bulle, der zeitweise Zugang zu beiden Gruppen erhält. Seit der Eröffnung des Lebensraumes im Jahr 2014 wurden insgesamt acht Elefantenkälber geboren. Vier dieser Geburten verliefen erfolgreich.
Ein Kalb verstarb im Jahr 2020 kurz nach der Geburt an Kopfverletzungen, die vermutlich durch andere Elefanten der Gruppe verursacht wurden. Drei weitere Jungtiere in den Jahren 2020, 2023 und jetzt 2026 waren aufgrund unterschiedlicher Fehlentwicklungen oder mangelnder Vitalität nicht überlebensfähig. Solche pränatalen Störungen können bei allen Tierarten sowohl in Zoos als auch in wildlebenden Populationen auftreten und gehören zu den natürlichen Risiken der Fortpflanzung.
Reservepopulation in Zoos
Der Asiatische Elefant wird auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten der Weltnaturschutzunion IUCN als stark bedroht geführt. Weltweit leben nur noch rund 50’000 Tiere in der Natur – und ihr Bestand nimmt weiter ab. Deshalb engagiert sich der Zoo Zürich bereits seit 2009 mit seinem Naturschutzprojekt Kaeng Krachan in Thailand aktiv für den Schutz dieser beeindruckenden Tierart. Gemeinsam mit der Wildlife Conservation Society (WCS) Thailand unterstützt der Zoo unter anderem die wichtige Arbeit der Ranger*innen im rund 3000 Quadratkilometer grossen Kaeng Krachan Nationalpark.
Parallel dazu spielt auch der Erhalt einer stabilen Reservepopulation in Zoos eine wichtige Rolle. Der Zoo Zürich beteiligt sich hierfür am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm EEP für Asiatische Elefanten. Da Elefanten eine Tragzeit von fast zwei Jahren haben, kommen Jungtiere nur selten zur Welt und die Population wächst entsprechend langsam.