«Ich dachte, das Haus kracht zusammen»
2:04
Bewohnerin erzählt:«Es war ein ungeheurer Lärm»

Gewitter reisst in Illnau-Effretikon ZH Hausdach weg – Bewohnerin Maria S. (93) geschockt
«So etwas Schreckliches habe ich noch nie erlebt»

Die Menschen in Illnau-Effretikon ZH haben am Donnerstagabend Glück: Während des heftigen Gewitters fliegt das Dach eines Hauses weg und donnert auf ein Auto. Blick ist am Freitag vor Ort und spricht mit Anwohnern und dem Verwalter der betroffenen Siedlung.
Kommentieren
1/12
In Illnau-Effretikon flog beim Gewitter am Donnerstagabend ein Hausdach weg.
Foto: Leserreporter

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ein Sturm in Illnau-Effretikon ZH reisst am 16. Juli Hausdächer weg
  • 50 Prozent eines Siedlungsdachs beschädigt, verursacht Wasserschäden und Sachschäden
  • Hagelkörner von drei Zentimetern, beschädigtes Auto, Versicherung klärt Schadenersatz

Ein heftiges Gewitter zieht am Donnerstagabend über Illnau-Effretikon ZH. Es schifft in Strömen, Hagelkörner prasseln vom Himmel. Kennen wir alles. Doch dann passiert eine filmreife Szene: Das Hausdach eines Mehrfamilienhauses in einer Siedlung fliegt weg und durch die Luft – und landet auf einem Auto und Containern. Zum Glück werden keine Menschen verletzt. 

Blick ist am Freitagmorgen in der betroffenen Siedlung, um das Ausmass des Sturms zu begreifen. Vor Ort spricht Heiri Mäder (70), Verwalter der zuständigen Wohnbaugenossenschaft, mit Blick über die Ereignisse des Vortags. «Eine Mieterin hat mich angerufen und gesagt, es liege etwas auf dem Container-Häuschen.» 

Hausdach von Mehrfamilienhaus landet auf Auto
0:48
Sturm in Illnau-Effretikon ZH:Hausdach landet auf Auto

Dachdeckerfirma installiert Notdach

Das ganze Ausmass zeigt sich wenig später: «Von 50 Prozent der Siedlung flog das Dach weg», sagt Mäder. Der Verwalter ist am Donnerstagabend vor Ort und sucht nach einer schnellen Lösung: «Bis Mitternacht haben wir mit einer super Dachdeckerfirma aus der Region ein Notdach installiert.» 

Als das Dach während des Sturms wegfliegt, werden auch Abzugsventilatoren mitgerissen. «Dazu hat eine Wohnung einen kleinen Wasserschaden», sagt Mäder.

«Bis nachts um 12 haben wir ein Notdach gemacht»
1:06
Verwalter vom Haus:«Bis nachts um 12 haben wir ein Notdach gemacht»

Bei besagter Wohnung handelt es sich um die von Maria S.* (93). Die Seniorin wohnt im betroffenen Haus, direkt unter dem Dach. Sie erzählt, wie sie den Sturm und den Vorfall am Donnerstagabend erlebt hat. «Ich ging vor die Wohnungstür und war entsetzt, was ich gesehen habe. Das Dach war weg. Ich sah die Blechhaufen am Boden.»

Kurz zuvor habe es einen Riesenlärm gegeben, sagt die Rentnerin. «Wie Maschinengewehre. Ich dachte, das Haus kracht zusammen.» Sie sagt: «Ich hatte Angst, denn ich konnte den Lärm nicht zuordnen. So etwas Schreckliches habe ich noch nie erlebt. Und ich bin keine ängstliche Person.» 

Mit 93 Jahren Wasserschaden weggeputzt

Dann geht Maria S. wieder in ihre Wohnung. «In mein Schlafzimmer, mein Wohnzimmer und meine Küche war Wasser gelaufen. Es lief direkt von der Dachkante runter. Ich habe etwa sechs Liter aufgeputzt.» Und das mit 93! Die Seniorin dazu: «Obwohl ich einen lahmen Arm habe, mache ich halt noch das, was ich kann.» 

Was für Maria S. aber am wichtigsten ist: «Zum Glück wurde niemand tödlich vom wegfliegenden und herunterfallenden Dach getroffen. Es waren ja noch Leute unterwegs.» Denn der Sturm sei schlagartig ausgebrochen.

Auch auf ihrem Balkon habe der Sturm gewütet. Sie berichtet von grossen Hagelkörnern, die herunterprasselten. «Sie hatten etwa drei Zentimeter Durchmesser. Wir hatten Angst, dass die Hagelkörner die Scheiben einschlagen könnten.»

Später seien Handwerker gekommen, um das Notdach zu montieren. «Einige Männer haben von 21.30 Uhr bis Mitternacht tadellos das ganze Dach abgedeckt.» Hätte es vor Mitternacht nochmals heftig geregnet, wären die Wohnungen durchnässt worden, sagt S. «Das wäre eine Katastrophe gewesen.»

Autobesitzer hat Glück

Hans-Peter S.* (68) wohnt in einem Nachbarhaus von Maria S. Er ist der Besitzer des Autos, auf dem das Hausdach landete. Der verheiratete Rentner hatte Riesenglück.

Am Freitagmorgen steht er neben seinem kaputten Auto. Blick trifft ihn dort und spricht mit ihm über die Ereignisse vom Vorabend: «Als ich zum Himmel schaute und spürte, dass das Gewitter kommt, wollte ich raus und meinen Nissan Micra in die Tiefgarage fahren.» Doch zum Glück habe er sich umentschieden. «Das hätte sehr böse für mich enden können. Ich bin froh.»

Den Wagen habe er vor ein paar Jahren als Occasion gekauft. Er sagt: «Ich habe den Fall schon der Versicherung gemeldet. Ich gehe davon aus, dass der Schaden bezahlt wird, wie etwa bei Schäden durch Hagel.»

Dach war seit 1995 auf dem Haus

Dass das Dach des Nachbarhauses vom Wind regelrecht rausgerissen wurde, findet Hans-Peter S. «extrem». Hier hätten nicht nur er, sondern viele Menschen grosses Glück gehabt. 

Auch Verwalter Mäder betont: «Zum Glück kam niemand zu Schaden.» Es sei sehr eindrücklich, dass innert kurzer Zeit ein Hausdach wegfliegen kann. Das Dach sei schon seit 1995 auf dem Haus, sagt er. «Es war also sicher gut befestigt, es hat ja über 30 Jahre gehalten.» Die Gebäudeversicherung werde nun abklären, wer oder was verantwortlich für den Schaden ist. Der nächste Schritt sei, die Hausdach-Notlösung auszubauen. «Wir beurteilen und besprechen jetzt das weitere Vorgehen.»

Die Aufräumarbeiten in Illnau-Effretikon gehen am Freitag rasch voran: Schon kurz vor Mittag steht auf dem Areal nur noch das beschädigte Auto von Hans-Peter S. Er sagt, was jedem hier bewusst ist: «Material kann man ersetzen, Menschenleben nicht.»

* Namen bekannt 

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen