Regenkleidung oder nicht? Fussball-Fans, die sich am Mittwochabend den WM-Halbfinal zwischen England und Argentinien in einem Public Viewing anschauen wollten, hatten es mit der Kleiderplanung schwer. Ein Vergleich der beiden Wetter-Apps «Meteo Swiss» und «Landi Wetter» zeigt, dass die zwei Prognosen kaum unterschiedlicher hätten sein können.
Während «Landi Wetter» zum Match-Start um 21 Uhr in der Region Zürich starke Gewitter voraussagte, war bei «MeteoSwiss» zur selben Zeit lediglich eine einzige Regenwolke in der Region Zug abgebildet. In der Region Zürich war demnach trockenes Wetter angesagt.
Schwierigkeiten der Gewitter-Vorhersage
Doch wie können sich die Prognosen von verschiedenen Wettervorhersagen so stark unterscheiden?
Jacopo Riboldi (36), Forscher des Instituts für Atmosphäre und Klima (IAC) an der ETH Zürich, erklärt Blick: «Im ersten Moment tönt das für viele nach einem Fehler. Aber: Solche Situationen wie am Mittwochabend sind generell schwierig einzuschätzen.»
Die IAC-Leiterin, Sonia Seneviratne (52), fügt an: «Wettervorhersagen in der Schweiz sind aufgrund unserer Topographie besonders herausfordernd.» Grund dafür sei der sogenannte «Schmetterlingseffekt». Seneviratne erklärt: «Winzige Veränderungen in der Atmosphäre, die man bildlich mit dem Flügelschlag eines Schmetterlings vergleichen kann, können grosse Auswirkungen auf das Wetter und somit auf die Prognosen der nächsten Tage verursachen.»
Besonders wenn Gewitter im Spiel seien, sei es trotz Wahrscheinlichkeitsberechnungen schwierig, zu prognostizieren, wo diese genau stattfinden werden. Das Verhalten von Gewitterzellen sei komplex und oft mit Zufällen verbunden.
Vergleich: Prognose und Realität
Wie Archiv-Daten von «Meteo Schweiz» zeigen, war die Wettersituation in Zürich am Mittwochabend um 21 Uhr schlussendlich ruhig und etwas wolkig. Gegen den späteren Abend zog ein schwaches Gewitter über die Stadt. Heisst: In diesem Fall lag «Landi Wetter» mit der Vorhersage daneben. Falsch sei die Prognose aber nicht gewesen, sagt Riboldi: «Es hat am Abend einige Gewitter gegeben und die sind nur knapp an Zürich vorbeigezogen.»
Beim Vergleich von Wetter-Apps empfiehlt der Experte, die Quellen der verschiedenen Anbieter zu checken. Für genaue Prognosen empfiehlt der Experte, nationale Wetterdienste wie «Meteo Schweiz» zu nutzen, weil diese in der Regel über weiterentwickelte Modelle verfügen, die sie für ihre Berechnungen nutzen. «Das bedeutet aber nicht, dass staatliche Dienste bei jeder Vorhersage zwingend besser sind», betont er.
Apps wie «Apple Wetter» seien durch ihre globalen Daten zwar weltweit verfügbar – genau das sei aber auch der Grund für teilweise ungenauere Angaben.
Für grossräumigere Wetterprognosen dienen laut dem Experten globale Wettermodelle. Das sind komplexe Computersimulationen der Atmosphäre. Riboldi erklärt: «Man kann sich das wie einen grossen TV-Bildschirm vorstellen. Man sieht viel, aber nichts detailliert.»
Weil solche Wettermodelle sehr rechenintensiv und teuer seien, gebe es weltweit aber nur wenige Zentren. Eines davon sei das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage ECMWF. Dieses beziehe seine Daten täglich über verschiedenste Wege wie Schiffe, Flugzeuge, Satelliten oder Ballone. «Diese Daten werden täglich gesammelt und für Vorhersagen verwendet», erklärt er. Die effektive Wetterentwicklung werde anschliessend mit der Prognose verglichen. Falls diese nicht identisch seien, eruiere man anschliessend die Fehler.
Dadurch könne man heutzutage ziemlich zuverlässige Sieben-Tage-Vorhersagen machen. «In den 80er-Jahren waren Prognosen mit der gleichen Sicherheit nur bis zu vier Tage im Voraus möglich», erklärt er. Dies habe die Forschung seither alle zehn Jahre um einen Tag steigern können.
Wetterdienste im Vergleich
Die beiden Wetter-Experten verraten, dass sie vorwiegend «Meteo Swiss», die App von Meteo Schweiz benutzen. Doch welche Dienste sind sonst noch beliebt? Und woher beziehen sie ihre Daten? Blick macht den Vergleich!
Meteo Swiss
Die App «Meteo Swiss» von der nationalen Wetterbehörde Meteo Schweiz begrenzt ihre Prognosen auf das Inland. Die Behörde informiert über Unwetter, Hochwasser, Lawinen, Trockenheit und Waldbrandgefahr.
Design: Schlicht und übersichtlich mit Fokus auf präzise Wetterdaten
Datenquelle: Der staatliche Wetterdienst kombiniert eigene Messdaten aus Schweizer Wetterstationen mit internationalen Wettermodellen. Meteo Schweiz hat ein eigenes Messnetz mit rund 260 automatischen Messstationen.
SRF Meteo
In der App gibt es neben Prognosen von SRF-Meteorologen auch diverse abrufbare Live-Kameras im Alpenraum und ein Regenradar, das über 48 Stunden hinaus verfügbar ist.
Design: Modern und übersichtlich
Datenquelle: Die Prognosedaten der Schweiz, die Wetterwarnungen und die Radarprognose stammen von SRF Meteo selbst, die Radardaten kommen vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie.
Meteo News
Die Meteorologen vom privaten Schweizer Wetterdienst erstellen mehrmals pro Tag aktuelle Prognosen und Wetterwarnungen, die speziell auf die Schweiz und ihre komplexe Topographie ausgelegt sind.
Design: Informationsdicht und datenorientiert
Datenquelle: Meteo News betreibt ein eigenes Messnetz, eigene Webcams und eigene Wettermodelle, wie es auf der Homepage heisst. Dazu stammen viele Messwerte und Webcams von Partnern im In- und Ausland. Weitere Daten kommen von staatlichen oder überstaatlichen Stellen.
Landi Wetter
Die Wetterplattform fokussiert sich auf die Schweiz. Mit über einer Million Downloads gehört die Wetter-App zu den meistgenutzten des Landes. Grundsätzlich gelten die lokalen Prognosen und das Niederschlagsradar als sehr genau.
Design: Schlicht, einfach verständlich und übersichtlich
Datenquelle: Die Daten bezieht Landi Wetter vom privaten Wetterdienst «Meteo News» in Zürich.
Smartphone-Wetter-Apps
Die auf den Handys vorinstallierten Wetter-Apps von Apple oder Google sind keine Wetterdienste, sondern globale Plattformen, die Wetter-Informationen verbreiten. Sie beliefern weltweit Milliarden von Geräten mit Informationen.
Design: Minimalistisch und modern
Datenquelle: Die Wetterprognosen der Handy-Apps basieren auf globalen Wettermodellen und Daten von internationalen Wetterdiensten. Die regionalen Wetterunterschiede in der Schweiz können Google und Apple nicht genau erfassen, da sie keine klassischen Wetterdienste sind und demnach in der Schweiz auch keine Wetterstationen haben.