19-Jährige fährt auf Autobahn im Regen mit Marihuana im Blut Mann tot – Witwe
«Zwei kleine Kinder werden ihretwegen ohne den Vater aufwachsen»

Der Ehemann von Boglarka Kovacs-Pataki (35) ist im März 2024 auf der A3 bei Richterswil ZH gestorben. Die Autofahrerin (damals 19), die seine Vespa rammte, erhält vom Gericht eine milde Strafe. Mit Blick spricht die Witwe über den Schmerz und die Wut.
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Boglarka Kovacs-Pataki (35) hat ihren Mann Krisztian Kovacs (†39) bei einem Verkehrsunfall verloren.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Boglarka Kovacs-Pataki trauert um Ehemann Krisztian, tödlich verunglückt 2024 auf A 3
  • Unfallfahrerin unter THC-Einfluss zu 700 Franken Busse verurteilt
  • Staatsanwaltschaft forderte Haftstrafe, Witwe kritisiert Urteil als ungerecht

«Ich bin mit dem Telefon in der Hand auf der Strasse zusammengebrochen», sagt Boglarka Kovacs-Pataki (35) zu Blick. Sie beschreibt den Zeitpunkt, als sie nach Stunden der Ungewissheit einen Polizisten am Draht hatte. Dieser bestätigte ihr, dass ihr Ehemann am Tag zuvor im strömenden Regen auf der A 3 bei Richterswil ZH verstorben ist.

Krisztian Kovacs (†39) ist am Abend des 12. März 2024 mit seiner Vespa unterwegs. Kurz vorher schickte er eine Sprachnachricht an seine Frau, die mit den Kindern gerade im Heimatland Ungarn war. «Ich habe ein bisschen länger, bis ich zu Hause bin. Es regnet stark», hat er gemäss seiner Ehefrau gesagt. Sie schrieb zurück, dass sie müde sei und ins Bett gehen werde. Es sollte das letzte Mal sein, dass sie seine Stimme hört.

Von hinten gerammt

Gegen 22.35 Uhr fährt Kovacs mit seiner Vespa GTS 300 auf der Autobahn A 3 Richtung Chur auf Höhe Richterswil ZH langsam und vorsichtig. Es regnet in Strömen. Er hat rund 70 km/h auf dem Tacho – als er plötzlich von hinten gerammt wird. Das Auto, das ihn erfasst, ist mit etwa 110 km/h unterwegs.

Hier verstarb Krisztian Kovacs am 12. März 2024: Die A 3 bei Richterswil ZH.
Foto: Kantonspolizei Zürich

Im Auto sitzt die 19-jährige Philomena J.*. Der Töff von Krisztian Kovacs wird nach vorne geschleudert, sein Körper hält die gewaltige Kraft des Aufpralls nicht aus. Später sollte sich herausstellen, dass Kovacs' Hauptschlagader dreifach reisst, mehrere Brustwirbelkörper brechen. Er verliert viel Blut und stirbt noch auf der Unfallstelle. Die Fahrerin – in ihrem Blut findet man später Reste von THC, hat Kovacs Töff im Regen übersehen – obwohl dieser laut Anklage «ordnungsgemäss beleuchtet» war.

Seit März 2024 ist das Leben von Witwe Boglarka Kovacs-Pataki nicht mehr dasselbe. Sie schwelgt in Erinnerungen an ihren Mann: «Er war ein sehr motivierter, energetischer Mensch», beginnt sie. Als «extrovertiert» und allseits beliebt beschreibt sie ihn. «Alle, die ihn kannten, liebten ihn. Er war ein super Mann, Bruder, Sohn und natürlich Vater.» Der 39-Jährige hätte mit seiner Familie in der Schweiz noch viel vorgehabt. Er arbeitete als Verkäufer unter anderem für die Luxusmarken Louis Vuitton und Montblanc.

«Ich funktionierte nicht mehr»

In den vergangenen zwei Jahren seit der Tragödie konnte Boglarka Kovacs-Pataki das Geschehene ein bisschen aufarbeiten. «Es fühlt sich zwar immer noch so an, als wäre es gestern passiert. Gleichzeitig habe ich aber auch das Gefühl, die Erinnerung stammt aus einem anderen Leben.»

Boglarka Kovacs-Pataki (35) und ihr verstorbener Ehemann Krisztian (†39).
Foto: zVg

Die Zeit arbeite für sie, das sei positiv, sagt die Witwe. Mittlerweile kann sie wieder vermehrt für die beiden gemeinsamen Kinder da sein. «Direkt nach dem Unfall war das fast nicht möglich, denn ich funktionierte nicht mehr. Ich brauchte viel Hilfe. Aber jetzt bin ich zurück im Leben.»

Mit ihrem Gang an die Presse möchte sie ihres verstorbenen Ehemanns gedenken. «Er war ein genauso stolzer Schweizer, wie er Ungar war», sagt sie. Deswegen erscheint dieser Artikel in einer Schweizer Zeitung. Doch das ist nicht ihr einziger Beweggrund.

700 Franken Busse für einen tödlichen Unfall

Unfallfahrerin Philomena J. (21) stand kürzlich wegen fahrlässiger Tötung vor dem Zürcher Bezirksgericht Horgen. Auch Boglarka Kovacs-Pataki war im Gerichtssaal. Sie fand nach dem Urteilsspruch kaum Worte. Denn die junge Frau kassierte für das Auslöschen des Lebens von Kovacs-Patakis Mann eine bedingte Geldstrafe von knapp 11'000 Franken. Direkt fällig ist lediglich eine Busse von 700 Franken.

Das Gericht blieb damit weit hinter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück. Diese wollte eine bedingte Freiheitsstrafe von knapp über einem halben Jahr. Dass die Fahrerin damals Cannabis konsumiert und THC im Blut gehabt hatte, liess das Gericht nicht zu einer höheren Strafe gelangen. Der Wert sei eher tief gewesen und der Konsum schon ein paar Tage her, so die Erklärung. Dass die junge Frau nicht vorbestraft war und «ehrliche Reue» gezeigt hatte, wirkte sich ebenfalls strafmildernd aus, berichtete der «Tages-Anzeiger».

Von der Justiz «enttäuscht»

Die Reue im Gerichtssaal nimmt Kovacs-Pataki der jungen Fahrerin nicht ab. «Es schien schon so, als wäre sie ehrlich besorgt. Aber nicht um mich, meinen verstorbenen Mann oder unsere Familie, sondern um sich selbst.» Zwar habe es im Gerichtssaal Tränen gegeben, dem direkten Blick der Witwe sei die Beschuldigte allerdings immer ausgewichen. Ebenfalls schmerzhaft für Kovacs-Pataki: «Sie hat nie versucht, mich zu kontaktieren.»

Bild vom Hochzeitsfest: Das Ehepaar hätte noch viel miteinander vorgehabt.
Foto: zVg

Die Entscheidung des Gerichts ist für die Witwe «nicht korrekt», wie sie im Gespräch mit Blick sagt. Auch wenn ihr die Unfallfahrerin von sich aus 5000 Franken überweisen wird, ist die Mutter von ihr und von der Schweizer Justiz enttäuscht: «Zwei kleine Kinder werden ihretwegen ohne den Vater aufwachsen.»

* Name geändert 

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