Darum gehts
- Zoo Zürich wirbt für Antarktisreise ab Januar 2027 für bis zu 199 Personen
- Pro Teilnehmer entstehen 6–9 Tonnen CO₂, Tickets gibt es ab 26'670 Franken
- Über 6000 Personen haben eine Petition gegen die Antarktireise unterschrieben
Der Zoo Zürich inszeniert sich seit neuem als Wurstpionier. Ob Cervelat, Kalbsbratwurst oder Wienerli, künftig sollen alle Fleischprodukte zu 22 Prozent aus Erbsenprotein bestehen. Jährlich wollen die Verantwortlichen so 90 Tonnen an CO₂-Emissionen einsparen.
Die frisierten Würste sind nur eine Massnahme von vielen. Der Zoo hat auch biologisch abbaubares Besteck in petto, eine hauseigene Mülltrennung mit Recycling ebenfalls, gefolgt von einem CO₂-abgespeckten Beton für Neubauten. Schliesslich will der Zoo auf dem Zürichberg ein nachhaltiger Vorreiter sein, ein Vergnügungsort auch für Klimaschützer. Doch jetzt erleidet dieses Bild bei manchen Ökofreunden Risse.
Für Irritation sorgt eine Antarktisreise, organisiert von Background Tours und angepriesen auf der Zoo-Website als «unvergessliches Abenteuer am Ende der Welt». Eine 25-tägige Expedition zum Südpol, hinein in eine «weisse eisige Wunderwelt». Versprochen sind Begegnungen mit Pinguinen, Walen, Robben und Seebären «in deren aussergewöhnlichen Lebensraum» – notabene einem schmelzenden Ökosystem. Tickets gibt es ab 26'670 Franken. Wer noch etwas mehr Luxus will, kann die «Grand Suite» für 52'190 Franken buchen.
Zoochef mit an Bord
Abreise ist am 2. Januar 2027. Es geht los mit einem Langstreckenflug nach Argentinien, gefolgt von einem Inlandflug, einer mehrtägigen Expedition mit dem Kreuzfahrtschiff Hanseatic Inspiration, einem Inlandflug zurück und einem Rückflug in die Schweiz. Bis zu 199 Personen können teilnehmen. Begleitet wird die Gruppe von Zoodirektor Severin Dressen höchstpersönlich. Das Interesse scheint beträchtlich. Es seien nur noch «einige wenige Plätze verfügbar», heisst es vom Zoo.
«20 Minuten» hat errechnet, wie viel an CO₂-Emissionen der ganze Spass verursacht: pro Person rund 6 bis 9 Tonnen. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Schweizer verursacht jährlich rund 12 Tonnen an CO₂-Emissionen. Gegen die Reise regt sich deshalb Widerstand.
Eine Petition auf der Kampagnenwebsite Campax fordert den Zoo auf, den Trip zu stoppen und künftig auf «solche klimaschädlichen Angebote» zu verzichten. Es sei «heuchlerisch», so etwas zu organisieren. Wer die Antarktis schützen wolle, dürfe nicht zu ihrer Zerstörung «durch klimaschädlichen Kreuzfahrttourismus» beitragen. Mittlerweile haben über 6000 Personen die Petition unterschrieben.
Eine «unglaublich wertvolle» Reise
Der Zoo lässt sich aber von seinem Trip nicht abbringen. «Der Nutzen überwiegt die entstehenden Emissionen um ein Vielfaches», teilt er auf Anfrage mit. Pro Teilnehmer sollen 1000 Franken an das Naturschutzprojekt Antarctic Research Trust (ART) fliessen, das einen Grossteil seiner Mittel aus solchen Reisen bezieht. Mit diesen Geldern werde der Lebensraum Antarktis geschützt. Als Beispiel nennt der Zoo den Kauf von fünf Falklandinseln, von denen anschliessend vier unter Schutz gestellt wurden. Zudem werde eine dieser Inseln aufwendig renaturiert. Solche Massnahmen seien für den Erhalt der Artenvielfalt «unglaublich wertvoll».
Darüber hinaus verfolgt die Reise ein pädagogisches Ziel. Es gehe darum, Menschen für einen bedrohten Lebensraum zu sensibilisieren. «Begeisterung entsteht durch Emotionen. Und die grössten Emotionen entstehen, wenn man etwas am eigenen Leib erlebt», weiss der Zoo. Wer einmal in der Antarktis gewesen sei, werde dies nicht mehr vergessen. Im Idealfall engagierten sich die Teilnehmer anschliessend langfristig für den Natur- und Artenschutz. So zumindest die Hoffnung.