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Auto-Poser machen Lärm:«Es ist nicht mehr schön, hier zu leben»

Röhrende Sportwagen treiben Anwohner in Wassen UR zur Verzweiflung
«Es ist mittlerweile unerträglich»

Erst sorgte ein britischer Sportwagenkonvoi mit einer wilden Fahrt über den Sustenpass für Schlagzeilen. Jetzt erzählen Anwohnende, wie sie unter dem Luxusauto-Tourismus leiden. Einem Hostelbetreiber und vielen weiteren Bürgerinnen und Bürgern aus Wassen UR reichts.
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Michael Gentsch (41) aus Wassen hat genug vom Supercar-Tourismus am Sustenpass.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

  • Anwohner in Wassen klagen über laute Sportwagen am Sustenpass, teils bereits ab 4.30 Uhr morgens
  • Bewohner berichten von riskanten Überholmanövern, ein Hostelbetreiber meidet oft das Velo
  • Die Polizei kontrolliert punktuell, Anwohner fordern mit rund 100 Unterschriften Tempo 30
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Devin SchürchReporter News

Für Touristen ist es eine Traumstrecke: enge Kurven, steile Anstiege und ein atemberaubendes Alpenpanorama. Der Sustenpass zwischen den Kantonen Uri und Bern zieht jeden Sommer zahlreiche Sportwagenfahrer an. Wie ein kürzlich veröffentlichtes Video britischer Sportwagenfahrer zeigt, bleibt es dabei nicht immer bei gemütlichen Ausfahrten. Deshalb wächst unten im Dorf Wassen UR und im Meiental der Ärger.

«Es ist mittlerweile unerträglich, weil es einfach eine Rennstrecke geworden ist», sagt Michael Gentsch. Der gebürtige Baselbieter lebt seit 21 Jahren in Wassen und betreibt dort mit seinem Bruder eine Unterkunft.

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«Die ersten kommen um halb fünf»

Früher seien vor allem an schönen Wochenenden viele Fahrzeuge unterwegs gewesen. Das sei nun anders. «Schlimm ist es wirklich seit etwa vier, fünf Jahren», sagt Gentsch. Heute sei im Sommer fast täglich mit lautem Sportwagenverkehr zu rechnen. Aktuell gilt für den Susten die Wintersperre.

In der Saison tauchen die ersten Sportwagen teils schon um 4.30 Uhr auf. Manche hielten an der Tankstelle, bevor sie Richtung Sustenpass beschleunigten. Das raube ihm und seinen Gästen den Schlaf, sagt Gentsch. Seine Unterkunft liegt direkt an der Strasse.

An stark frequentierten Sommertagen beobachtet er nach eigener Schätzung Hunderte Sportwagen, teils in Gruppen von zehn bis zwanzig Fahrzeugen. Auch aufs Velo steige er deshalb seltener: «Im Juli und im August fahre ich fast nicht mehr mit dem Velo hinauf, weil es einfach zu gefährlich ist.»

Anwohner haben genug

Im Dorf berichten Anwohner von riskanten Situationen. Walter Walker (71), der seit seiner Geburt in Wassen lebt, schildert gefährliche Überholmanöver bei Fussgängerstreifen. «Es geht nicht mehr», sagt er.

Gina Eigensatz (64) lebt seit 13 Jahren im Dorf. Sie betont: «Wir gönnen ihnen, dass sie über den Pass fahren. Aber sie sollen anständig fahren.»

Supercar-Tour für 2027 bereits ausgebucht

Die Firma Gran Turismo Events mit Hauptsitz in Genf bestätigt Blick, dass sie seit Jahren jährlich über Susten, Grimsel und Furka fahre. Die Tour für September 2027 mit maximal 25 Autos ist laut Website bereits ausgebucht.

Die Kritik der Anwohner nehme man ernst. «Unsere Veranstaltungen sind keine Rennen», erklärt das Unternehmen. Von den Teilnehmern werde erwartet, dass sie Tempolimiten und Verkehrsregeln einhalten. Verantwortungsbewusster Autotourismus habe einen legitimen Platz in den Alpen.

Auf dem Tourprogramm steht auch eine Übernachtung im Luxushotel The Chedi in Andermatt UR. Eine Anfrage von Blick liess das Hotel unbeantwortet.

«Lückenlose Überwachung nicht möglich»

Die Kantonspolizei Uri kennt die Beschwerden, sie kontrolliere die Sustenpassstrasse regelmässig, auch ausserhalb der Hauptverkehrszeiten, erklärt sie. Eine «lückenlose Überwachung der Passstrasse zu jeder Tages- und Nachtzeit» sei aber nicht möglich. Zahlen zu Kontrollen und Verstössen nennt sie nicht.

Auch eine unter den Anwohnern kursierende Kritik, ausländische Sportwagenfahrer müssten ihre Bussen nicht bezahlen, weist sie zurück. Bussen würden grundsätzlich auch ins Ausland verschickt, sofern die rechtlichen Voraussetzungen dafür bestehen.

Für die kommende Passsaison stellt die Polizei je nach Entwicklung weitere gezielte Kontrollen in Aussicht.

100 Unterschriften für Tempo 30

Die Anwohner in Wassen haben in kurzer Zeit rund 100 Unterschriften für Tempo 30 in Wassen gesammelt. Die Forderung soll am 27. November an der Gemeindeversammlung zur Sprache kommen. Laut Polizei müssten die Verkehrsbehörden eine solche Zone fachlich prüfen.

Das Fazit von Hostelbetreiber Gentsch fällt bitter aus: «Die Lebensqualität hier oben sinkt im Sommer mittlerweile gegen null.» Obwohl er an besonders schlimmen Tagen schon daran gedacht hat, ist Wegziehen kein Thema. «Ich will die Menschen hier nicht im Stich lassen. Wir müssen Wassen und das Meiental schützen und wieder lebenswert machen. Dafür kämpfe ich!»

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