Darum gehts
- Brand in Bar Le Constellation in Crans-Montana VS forderte Todesopfer
- Theorien: Fluchttür-Riegel wurde verbogen und war im Rauch nicht zu sehen
- Viele tote und bewusstlose Jugendliche hinter der Tür
War er entscheidend? Ein Bild, aufgenommen kurz nach dem Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS, zeigt einen Türriegel. Dieser Riegel ist nicht irgendein Riegel, wie der Türenspezialist Frank Rostert (62) gegenüber Blick deutlich macht.
Die Tür, an der der Riegel befestigt war, wurde zur tödlichen Falle für die Besucherinnen und Besucher des Lokals in der Silvesternacht. Dahinter lagen mehrere ohnmächtige oder leblose Menschen, die verzweifelt versucht hatten, die Tür zu öffnen. Sie führte direkt ins Freie.
Drei mögliche Gründe
Auf Fotos aus der Bar, die Blick einsehen konnte, geht hervor, dass die Tür aufgebrochen wurde. Die Morettis bezeichneten die Pforte als Serviceeingang. Laut den Barbetreibern handelte es sich um eine zusätzliche Fluchttür.
Rostert erklärt beim Anblick der Bilder: «Wenn der Riegel nicht verschlossen ist, kann man ihn in der Regel leicht zurückschieben.» Gleichzeitig nennt der Brandschutzfachmann drei mögliche Gründe, warum das Zurückschieben im Chaos der Brandnacht nicht möglich gewesen war. Der erste Grund: «Die Möglichkeit des Zurückschiebens war der ersten Person an der Tür nicht bekannt.»
«Riegel wurde verbogen»
Der Türfachplaner schliesst zudem nicht aus, dass der Riegel in der Dunkelheit nicht gesehen wurde. Dies könnte auch daran gelegen haben, dass Riegel und Tür die gleiche braune Farbe hatten.
Als dritte Möglichkeit erwähnt Rostert, dass der Riegel durch den Andrang der Menschen oder ein mögliches Gegen-die-Tür-Werfen verbogen worden sein könnte und sich deshalb nicht mehr öffnen liess.
Möglicherweise war es auch eine Kombination aus mehreren genannten Faktoren, so der Türgutachter. «Er wurde nicht gesehen und dann warfen sich die Menschen gegen die Türe und verbogen den Riegel», mutmasst Rostert.
Spezialist fordert: «Türen sicherstellen»
Die Bilanz des Experten: «Der Riegel hat an einer Notausgangstür oder einer Tür für einen Fluchtweg absolut nichts verloren. Er ist in jedem Baumarkt erhältlich und wurde vermutlich auf Veranlassung des Betreibers montiert.»
Rostert fordert von den Ermittlern, dass «sämtliche Türen sichergestellt und begutachtet werden; und zwar von jemandem, der von Türen richtig Ahnung hat».
«Wäre nicht mehr zu öffnen gewesen»
«Der Riegel war wohl zugänglich, aber wegen des extremen Rauchs gar nicht zu sehen. Der sehr stark verformte Riegel zeigt die Panik und die Angst derjenigen, die mit letzter Kraft leider vergeblich versucht hatten, einen Weg ins Freie zu finden», sagte diese Woche auch der langjährige Feuerwehrmann Marcus Alter (51) zu Blick.
Alters bitteres Fazit: «Selbst wenn jemand nach den ersten vergeblichen Versuchen den Riegel erkannt hätte, wäre dieser aufgrund der starken Verformung letztendlich nicht mehr zu öffnen gewesen.»
Wer schloss die Tür ab?
Jacques Moretti (49) soll laut eigenen Angaben nach Brandausbruch zum Lokal geeilt sein und gemeinsam mit seinem Ziehsohn Jean-Marc (33) die «Servicetür» aufgebrochen haben. Moretti hat zudem ausgesagt, dass einer seiner Angestellten die Tür verriegelt habe.
Einem Bericht von RTS zufolge soll die Saisonkraft gegenüber der Polizei aber angegeben haben, dass die Tür bereits zu gewesen sei, als er knapp eine halbe Stunde vor Ausbruch des Brandes im Le Constellation ankam. Er wisse nicht, wer sie verschlossen habe.