Darum gehts
- Die Walliser Justiz ermittelt nach dem Brand mit 40 Toten gegen die Behörden von Crans-Montana
- Der ehemalige Sicherheitsbeauftragte Silvan P. wird am 9. Februar vernommen
- Zwischen 2018 und 2019 dokumentierten die Behörden mehrere Brandschutzmängel im «Le Constellation»
Nun nimmt die Walliser Justiz auch die Behörden von Crans-Montana ins Visier. Am Mittwoch berichtete der Westschweizer Sender RTS, dass der ehemalige Sicherheitsbeauftragte der Gemeinde am 9. Februar befragt werden soll. Bislang hatten sich die Ermittlungen auf das Betreiberehepaar Jacques (49) und Jessica Moretti (40) konzentriert.
Beim neuen Beschuldigten handelt es sich um Silvan P.* Er war bis ins Jahr 2024 für die Brandschutzkontrollen in der Gemeinde zuständig, also auch für jene im «Le Constellation», wo es am 1. Januar zum Inferno mit 40 Toten und über 100 Verletzten kam.
Rechtsanwalt David Aïoutz bestätigt gegenüber Blick, dass sein Mandant am 9. Februar vernommen werden soll. «Mehr Informationen kann ich im Moment nicht geben», so der Anwalt weiter. Sein Mandant sei als Beschuldigter für mehrere Brandschutzkontrollen in der Bar zuständig gewesen, bestätigte der Anwalt gegenüber RTS.
Die Staatsanwaltschaft schweigt
Unklar ist derweil, wie genau die Vorwürfe der Walliser Staatsanwaltschaft gegen P. lauten. Die Behörde um Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud hat sich bislang nicht zum Verfahren gegen Silvan P. geäussert.
Direkte Anfragen von Medien werden von der Staatsanwaltschaft seit geraumer Zeit nicht mehr beantwortet. Eine Medienmitteilung blieb bislang ebenfalls aus.
Klar ist: Bei der Kontrolle der Bar Le Constellation gab es massive Versäumnisse. In zehn Jahren erkannten die Behörden bei den Kontrollen die Gefahr, die von dem Inventar im Betrieb ausging, offenbar nicht ausreichend, wie die Westschweizer Zeitung «24 heures» berichtete.
Mehrfaches Versagen
Jacques Moretti (49) übernahm die Bar 2015. Er renovierte das «Le Constellation» fast vollständig selber. Für die Arbeiten wurde keine Baubewilligung beantragt. Der eingebaute Schallschutzschaum fing in der Silvesternacht Feuer. Nach Walliser Recht sind bauliche Veränderungen innerhalb von Gebäuden meist genehmigungsfrei. Entscheidend ist der Umfang.
Im August 2015 erhielt Moretti die Betriebsgenehmigung, ein Brandschutzkonzept wurde nicht verlangt. Zu diesem Zeitpunkt hätte die Gemeinde vom Betreiber die Vorlage eines Brandschutzkonzepts verlangen können. Bis 2019 (das Jahr, in dem die letzte Kontrolle stattfand) lag kein solches Konzept vor. Silvan P. war zu diesem Zeitpunkt zuständig.
Ein Veranda-Anbau wurde separat genehmigt; der Schaumstoff im Untergeschoss blieb bei dieser Prüfung unbeachtet. Während der Veranda-Renovierung forderte die Kantonsfeuerwehr laut RTS die Gesamtpläne an, die offenbar nicht eingereicht wurden. Der Kanton erklärte, die Gemeinde habe den Beginn der Arbeiten nicht gemeldet, sodass man davon ausging, dass sie nicht ausgeführt wurden.
2018 und 2019 wurden im «Le Constellation» Brandschutzmängel festgestellt. Sowohl die holzverkleidete Treppe als auch das Verandaglas entsprachen nicht den Vorschriften. Zudem wurden die fehlenden Schulungen für Mitarbeitende und Evakuierungsübungen kritisiert. Der Zustand des Schaumstoffs wurde nicht dokumentiert.
Weiterhin in der Funktion tätig
Fragen dazu dürften am 9. Februar an Silvan P. gestellt werden. Derweil zeigen Blick-Recherchen, dass P. weiterhin als Sicherheitsbeauftragter tätig ist. Er arbeitet für mehrere Gemeinden im Unterwallis.
Auf eine Kontaktaufnahme von Blick reagiert er ungehalten: «Ich würde es begrüssen, wenn Sie mich nicht an meiner Arbeitsadresse kontaktieren würden, da diese Angelegenheit meinen derzeitigen Arbeitgeber nicht betrifft», schreibt P. «Des Weiteren werde ich keinen Kommentar abgeben.»
Offenbar vierte Person involviert
Am Donnerstag wurde derweil bekannt, dass die Walliser Behörden im Zusammenhang mit dem Brand im «Le Constellation» offenbar gegen eine vierte Person ermitteln. Dabei soll es sich gemäss dem französischen TV-Sender BFMTV um den aktuell zuständigen Sicherheitsverantwortlichen von Crans-Montana handeln. Dieser soll am 6. Februar vernommen werden.
Dies wäre plausibel, ist Silvan P. doch schon länger nicht mehr in Crans-Montana tätig, und es wäre genug Zeit gewesen, die versäumten Kontrollen nachzuholen.
* Name geändert