Brisantes Geständnis von Jacques Moretti bei neuer Einvernahme
«Ich habe beschlossen, die Treppe zu verengen»

Neue Einvernahme im Fall Crans-Montana: Barbetreiber Jacques Moretti sagte am Montag in Sitten VS aus, Jessica Moretti erschien nicht. Viele Betroffene sehen darin eine Missachtung der Opferfamilien.
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Jacques Moretti wurde am Montag erneut in Sitten VS verhört.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Jacques Moretti wurde in Sitten befragt, Jessica Moretti fehlte wegen ihres labilen Zustands
  • 41 Menschen starben in der Bar Le Constellation, über 100 wurden verletzt, erstmals waren Opfer dabei
  • Moretti gab die Verengung der Treppe zu, Familien kritisierten Jessica Morettis Fernbleiben
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Mattia JutzelerRedaktor News

Inferno-Barbetreiber Jacques Moretti stellte sich am Montag erneut den Fragen der Ermittler. Schon Stunden vor dem Beginn seiner Befragung erschien der Wirt per Gefangenentransport vor dem Universitätsgebäude in Sitten VS, in dem die Staatsanwaltschaft ihre Einvernahmen durchführt.

Anders als ursprünglich geplant, nahm seine Ehefrau Jessica Moretti nicht an der Befragung teil. Eigentlich hätten die beiden Beschuldigten in einer Doppeleinvernahme unter Druck gesetzt werden sollen, um Widersprüche in ihren Aussagen zu finden.

Die Staatsanwaltschaft verzichtete jedoch auf eine Vorladung von Jessica Moretti, da Spezialisten vor ihrem «besonders ausgeprägten psychischen labilen Zustand» und den Risiken einer «direkten Konfrontation» mit ihrem Ehemann gewarnt hatten. Seit Mitte August sitzt Jacques Moretti wegen mutmasslicher Gewalttaten gegen seine Ehefrau in Untersuchungshaft.

Erstmals Brandopfer dabei

An der Anhörung von Jacques Moretti nahmen besonders viele Betroffene der Brandkatastrophe von Crans-Montana teil. 41 Menschen starben beim Feuer in der Bar Le Constellation in der Silvesternacht, über 100 weitere wurden verletzt. Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa waren an diesem Montag ausserdem erstmals auch Brandopfer bei einer Befragung anwesend.

Mélanie Van de Velde zum Beispiel war am Montagmorgen in Sitten vor Ort. Sie trug eine medizinische Maske, um die schlimmen Verbrennungen in ihrem Gesicht zu schützen. «Wir müssen uns Gehör verschaffen und gemeinsam präsent sein», sagte sie vor der Anhörung zu Reportern. «Wir sitzen alle im selben Boot.»

Moretti wollte Treppenhaus verengen

Inhaltlich ging es bei der Anhörung insbesondere um die Umbauten in der Inferno-Bar. Moretti gab dabei laut Ansa zu, für die Verengung der Treppe aus dem Keller verantwortlich zu sein. «Ich habe die Entscheidung getroffen, das Treppenhaus zu verengen, aber die Masse entsprachen den gesetzlichen Vorgaben, die ich online nachgelesen hatte», sagte er in seiner Anhörung.

Die Verengung dieses Fluchtweges behinderte laut Ermittlern die Evakuierung der Bar in der Silvesternacht. Laut einem italienischen Bericht wurden 34 der 41 Todesopfer am Fuss dieser Treppe gefunden.

«Das erscheint mir als eine oberflächliche Antwort», so kommentierte der Opfer-Anwalt Fabrizio Ventimiglia Morettis Rechtfertigung. «Ausserdem wurden auf jeden Fall nie Evakuierungsübungen durchgeführt. Wozu das führte, ist bekannt.»

«Es ist eine lächerliche Anhörung»

Auch die anwesenden Brandopfer und Angehörigen zeigten sich grösstenteils nicht zufrieden mit der Anhörung von Jacques Moretti. Besonders die Abwesenheit von Jessica Moretti sahen viele äusserst kritisch. So etwa das 18-jährige Brandopfer Bachar Fleury. Mehr als 40 Prozent seiner Haut wurden bei der Katastrophe verbrannt. «Es ist eine lächerliche Anhörung, die auf die leichte Schulter genommen wird. Wir wollen Antworten auf unsere Fragen. Die Familien, die heute keine Antworten auf ihre Fragen erhalten, drehen völlig durch.»

Dieser Frust der Betroffenen war laut «Le Matin» auch im Gerichtssaal deutlich zu spüren. Immer wieder hätten einige Opfer und ihre Angehörigen die Anhörung unterbrochen, um ihren Unmut über bestimmte Äusserungen von Jacques Moretti auszudrücken.

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