Darum gehts
- Vater eines Opfers kritisiert Walliser Gastroverband wegen Ablehnung strengerer Brandschutz-Regeln
- 41 Tote bei Crans-Montana-Inferno, mehrere Betriebe nicht brandschutzkonform
- Walliser Parlament berät 10-Millionen-Kredit für Opfer am Montag
Alain W.* (53) ist schockiert. «Es geht nicht um Gesetze, es geht um Schicksale, um Familien, die auf Antworten warten», sagt er zu Blick. W. will anonym bleiben, doch etwas zu sagen hat der Vater eines beim Inferno von Crans-Montana getöteten Jugendlichen trotzdem.
Sein Adressat ist Gastrovalais, der Branchenverband, der gut 1800 gastronomische Betriebe im Wallis vertritt. Dieser hatte sich nach wochenlangem Schweigen am Wochenende zur Katastrophe in der Bar Le Constellation geäussert.
Bitte keine Verschärfungen!
Anlässlich der nächste Woche stattfindenden Session des Walliser Parlaments verschickte Gastrovalais eine Mail an sämtliche Parlamentarier mit einer klaren Bitte: Bitte keine Verschärfungen beim Brandschutz!
In dem Schreiben, das von Präsident André Roduit und Direktor Stève Delasoie unterzeichnet ist, heisst es: «Wir möchten sachliche und strukturierte Elemente einbringen, um zu vermeiden, dass die Debatte auf unvollständigen Informationen oder auf einem Einzelfall als allgemeines Prinzip basiert.»
Dann kommen die Gastro-Lobbyisten zum Kern des Ganzen. «Ein tragisches Ereignis darf weder verharmlost noch instrumentalisiert werden, um den Eindruck zu erwecken, dass der aktuelle gesetzliche Rahmen unvollständig sei. In Bezug auf den Brandschutz verfügt das Wallis bereits über ein dichtes und strukturiertes System.»
Gesetze seien ausreichend
Gastrovalais ist demnach der Meinung, dass das aktuelle System der Brandschutzkontrollen in öffentlichen Betrieben im Wallis ausreichend ist. «Das bestehende Gesetz und die dazugehörige Verordnung regeln klar, welche Vorgaben einzuhalten sind und wer wofür zuständig ist», heisst es.
Die Gemeinden würden die Betriebe vor Ort kontrollieren, der Kanton sorge für Ausbildung und einheitliche Auslegung der Vorschriften. «Wichtige Kontrollen finden bei der ersten Nutzung, beim Betreiberwechsel und bei Umbauten statt.»
Ein tragisches Ereignis wie in Crans-Montana zeige zwar, dass Regeln ernst genommen werden müssen, aber zusätzliche gesetzliche Vorschriften würden die Sicherheit nicht unbedingt erhöhen, sind die Walliser Gastronomen überzeugt. «Entscheidend ist, dass die bestehenden Regeln konsequent und einheitlich umgesetzt werden.»
Zentral sei zudem, dass der Brandschutz für die Betriebe bezahlbar bleibe.
«Man sieht ja, dass das System nicht funktioniert»
Opfer-Vater Alain W. treffen diese Aussagen. «Das tut im Herzen weh. Es geht nicht um Gesetze und Statistiken, sondern um tote Kinder», sagt er.
Doch auch sachlich betrachtet, kann er die Argumente der Walliser Gastronomen nicht gelten lassen. W. betont: «Man sieht ja, dass das System nicht funktioniert! Und wenn das so ist, müssen die Gesetze angepasst werden.»
W. verweist darauf, dass es sich eben nicht um einen Einzelfall handle. Nach Kontrollen mussten im Skiort Anzère VS zwei Bergrestaurants ihre Kapazität drastisch reduzieren, wie RTS im Februar berichtete. In Verbier VS entsprachen zwei Betriebe nicht den Sicherheitsstandards, entweder aufgrund eines versperrten Notausgangs oder einer nicht genehmigten Besucherzahl. Eine der Bars musste evakuiert werden. Hinzu kommt die Schliessung eines Hotels in Crans-Montana selbst. Auch hier entsprach der Brandschutz nicht den Vorgaben.
«Nur weil es einen gesetzlichen Rahmen gibt, heisst das noch lange nicht, dass dieser ausreicht», sagt W. und fügt an: «Ich hoffe, die Politiker sind sich dessen bewusst und vergessen nicht, dass 41 Menschen gestorben sind.»
Was macht das Parlament?
Allerdings ist noch völlig offen, ob das Walliser Parlament nächste Woche überhaupt über Verschärfungen der Brandschutzbestimmungen debattieren wird.
Offiziell kommt das Thema Crans-Montana bislang nur am Montag zur Sprache. Dann geht es um einen Kredit in der Höhe von 10 Millionen Franken zur Unterstützung der Opfer.
Allerdings können noch dringliche Vorstösse eingereicht werden. Diese würden dann am Donnerstag behandelt. Gemäss Informationen von Blick planen mehrere Fraktionen solche Vorstösse, einige davon sollen überparteilich gehalten sein. Welchen Inhalt die Vorstösse genau haben werden, ist bislang unklar.
*Name geändert