Opferhilfe für Crans-Montana
Peinlichkeiten und Pflästerlipolitik

Gut gemeint ist nicht dasselbe wie gut gemacht. Der Bundesrat sollte das Wallis und die Axa-Versicherung stärker in die Pflicht nehmen.
Kommentieren
1/5
Eigenverantwortung? Gilt offenbar nur, solange die Kasse klingelt, kommentiert Bundeshaus-Redaktor Raphael Rauch.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Das Wallis erhält für 2025 rund 109 Millionen Franken von der Nationalbank
  • Bundesrat plant finanzielle Hilfe für Crans-Montana-Betroffene
  • Kritik am Kanton Wallis und der Axa wegen mangelnder Verantwortung
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Externe Inhalte
Möchtest du diesen ergänzenden Inhalt (Tweet, Instagram etc.) sehen? Falls du damit einverstanden bist, dass Cookies gesetzt und dadurch Daten an externe Anbieter übermittelt werden, kannst du alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen lassen.
Raphael_Rauch (1).jpg
Raphael RauchBundeshausredaktor

Der Bundesrat will die Betroffenen der Silvester-Tragödie von Crans-Montana VS trösten, indem er Gelder für sie lockermacht. Doch Pflästerlipolitik ist in diesem Fall nicht genug.

Dass Katastrophen geschehen, ist nicht erstaunlich. Dass weder kantonale Behörden noch Versicherer Verantwortung übernehmen wollen, allerdings schon. Und wer heute ein Lokal mit 200 Gästen betreibt, ein Festival organisiert oder Zehntausende an einen Sportanlass lockt, kann gut verdienen – aber wenn etwas schiefgeht, soll plötzlich der Steuerzahler einspringen. Das Prinzip Eigenverantwortung gilt offenbar nur, solange die Kasse klingelt.

Was macht die Axa, die das Brandlokal versichert hat? Was macht der Kanton Wallis, der für sein Versagen haften muss? Beide bitten den Bund um Hilfe – und reichen die Verantwortung weiter. Dabei erhält das Wallis allein für das Jahr 2025 rund 109 Millionen Franken von der Nationalbank und könnte die finanziellen Folgen von Crans-Montana mühelos selber tragen.

Organisierte Verantwortungslosigkeit

Runde Tische sind schön und gut. Besser wäre gewesen, wenn Bundesrat Beat Jans der Axa und dem Wallis den Kopf gewaschen hätte. Dass Haftpflichtige, Versicherer und Aufsichtsbehörden nicht fähig sind, die Ansprüche der Hinterbliebenen zeitnah zu regeln, ist mehr als peinlich.

Auch das Parlament wird Farbe bekennen müssen. Wer unablässig weniger Regulierung predigt, muss erklären, weshalb Veranstalter und Versicherer nicht endlich in die Pflicht genommen werden. Und wer die Autonomie von Gemeinden und Kantonen hochhält, sollte akzeptieren: Autonomie ohne Verantwortung ist nichts anderes als organisierte Verantwortungslosigkeit.

Die Schweiz braucht einen Plan – nicht ein weiteres Pflästerli.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen