Das war die Trauerfeier für die Opfer von Crans-Montana
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Für Opfer von Crans-Montana:So emotional war die Trauerfeier

Bar-Inferno in Crans-Montana
Lungenarzt warnt vor «bakteriellen Superinfektionen» bei Überlebenden

Nach dem Brand in Crans-Montana kämpfen die Opfer nicht nur mit äusserlichen Verbrennungen, sondern auch mit schweren Lungenschäden durch toxische Gase. Die Beeinträchtigung der Lunge setzt eine Kaskade weiterer Probleme in Gang, weiss der Lungenfacharzt René Fiechter.
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Wie geht es den Opfern des katastrophalen Bar-Infernos von Crans-Montana VS?
Foto: AFP

Darum gehts

  • Nach Brand in Crans-Montana: Lungenprobleme schlimmer als Verbrennungen, sagt lombardischer Gesundheitsdirektor
  • Einatmen giftiger Substanzen wie Zyanid führt zu Sauerstoffmangel und Multiorganversagen
  • Zwölf Opfer im Mailänder Spital, sechs Schwerverletzte in Zürich behandelt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marian NadlerRedaktor News

Nach der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS steht den schwer verletzten Opfern ein langer Genesungsweg bevor. Am Montag sprach der lombardische Gesundheitsdirektor Guido Bertolaso (75) allerdings ein weiteres schwerwiegendes Problem an. Für die italienischen Opfer stelle die Lungensituation ein viel grösseres Problem dar als die Verbrennungen, teilte der Experte nach einem Besuch im Mailänder Spital Niguarda mit, wo zwölf Opfer gepflegt werden.

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«Alle diese jungen Menschen mussten hochtoxische Substanzen einatmen», sagte Bertolaso. «Diese verursachen eine ganze Reihe von Problemen, insbesondere infektiöser Natur, die äusserst schwer zu bewältigen sind.»

So übel ist ein Versagen der Lunge

Lungenprobleme, die schlimmer als Brandverletzungen sind? Wie kann das sein? Das wollte Blick von René Fiechter, Facharzt für Pneumologie, wissen. Fiechter ist Chef von drei Lungenfachzentren in Aathal ZH, Baden AG und Einsiedeln SZ.

Die Lunge ist, anders als die Haut, nicht nur thermischen Reizen ausgesetzt, erläutert der Experte. Die zusätzlichen toxischen Reize, ausgelöst etwa durch das Einatmen von hochgiftigen Stoffen wie Kohlenmonoxid oder Zyanid, können zu einer Minderversorgung des Körpers mit Sauerstoff, Infektionen und sogar Multiorganversagen führen. Zudem droht ein akutes Atemnotsyndrom: ein lebensgefährliches, plötzliches Versagen der Lunge.

Problem-Cocktail setzt Lungen zu

In der Medizin bezeichnet man Verletzungen von Atemwegen und Lungen als Inhalationstrauma. Ein Inhalationstrauma hat laut Fiechter oft eine Verstopfung der feinen Verästelungen der Lunge zur Folge. Sie sind entscheidend dafür, dass die Luft auch wirklich dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Ihre geringe Grösse und ihre feine Struktur machen sie besonders verletzlich. 

Die Liste an möglichen Schäden und Problemen scheint schier endlos. Auch ein Bronchospasmus wird von Fiechter als mögliche Folge genannt. Dabei ziehen sich die Bronchien krampfartig zusammen, wodurch die Luft kaum noch durchkommt. Die Atemwege werden eng wie ein zusammengedrückter Strohhalm. Der Körper bekommt zu wenig Sauerstoff, gleichzeitig sammelt sich mehr Kohlendioxid im Blut. Zusammengefasst: Verstopfung der Atemwege, toxische Zellschädigung, gestörte Immunabwehr und Sauerstoffmangel vermischen sich zu einem üblen Problem-Cocktail.

Wenig Hoffnung bei schweren Verläufen

Die Lunge könne Fremdkörper und Bakterien nicht mehr entfernen, ergänzt der Pneumologe. Schlimmer noch: Die Ansammlung solcher Stoffe wird durch das Inhalationstrauma noch gefördert. «Dies erhöht das Risiko für bakterielle Superinfektionen und kann zur Sepsis führen», sagt Fiechter zu Blick.

Hört man von all diesen Problemen, drängt sich insbesondere eine Frage auf: Können sich die Lungen der Brandopfer überhaupt erholen?

«Die Regeneration der Lunge ist möglich, vornehmlich bei weniger schweren Verletzungen. Bei ausgedehnten Schäden kann die Erholung jedoch unvollständig sein und zu bleibenden Einschränkungen führen», erklärt der Lungenfachmann. «Die Heilung dauert meist mehrere Wochen, bei schweren Verläufen ist eine vollständige Wiederherstellung selten.»

Verbrennungen im Inneren des Körpers

Aktuell liegen noch Dutzende Brandopfer in Spitälern in der Schweiz und im Ausland. Das Universitätsspital Zürich gibt auf Anfrage von Blick ein Update zu den sechs Schwerverletzten, die dort weiterhin behandelt werden.

«Alle Patienten haben neben grossflächigen Verbrennungen ein Inhalationstrauma erlitten», sagt Kommunikationschef Marcel Schlatter. «Gase, heisse Dämpfe und Flammen haben Verbrennungen nicht nur auf der Körperoberfläche verursacht, sondern auch im Körper drin. Es kam zu Schädigungen vom Rachen bis zu den Lungen.» Auch mehr als zwei Wochen nach dem Brand müssen die Betroffenen weiterhin künstlich beatmet werden.

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