Darum gehts
- Grosse Anteilnahme in Crans-Montana nach Brand in Silvesternacht
- 16-jähriger Lukas reist sechs Stunden, um Beileid zu zeigen
- Kondolenzbuch enthält viele Einträge, von Bern bis Zürich
Die Anteilnahme in Crans-Montana VS ist auch über eine Woche nach dem verheerenden Brand riesig. Immer noch versammeln sich unzählige Menschen vor der Gedenkstätte unterhalb der Inferno-Bar Le Constellation. Auffallend viele sind jung. Etwa im Alter derer, die im Lokal in der Silvesternacht den Tod gefunden haben. Sie legen Blumen nieder und zünden Kerzen an. Immer noch fliessen Tränen. Aus der ganzen Schweiz pilgern sie zur Gedenkstätte.
Über den Brand reden mag kaum einer der Trauernden vor Ort. Die Wunden sind für viele noch zu frisch.
Wecker um 4 Uhr früh
In Crans-Montana trifft Blick auf Lukas Eckert (16) aus der Stadt Bern. «Ich habe heute noch frei und wollte hierherkommen, um mein Beileid und meine Unterstützung auszudrücken», sagt er. Dafür nahm der Lehrling eine kleine Odyssee auf sich: «Ich habe heute Morgen um 4 Uhr den Wecker gestellt, damit ich um 6 Uhr auf den Zug gehen konnte.» Drei Stunden später stand er erstmals vor der Gedenkstätte. Noch am Abend fährt er zurück nach Bern. Wieder drei Stunden. Montagfrüh muss er wieder in seinem Lehrbetrieb stehen.
Dabei hat er keines der Opfer gekannt. Es sei ihm aber ein grundsätzliches Bedürfnis gewesen, nach Crans-Montana zu kommen: «Ich will einfach nur mein Mitgefühl gegenüber allen Beteiligten, Opfern und Hinterbliebenen ausdrücken. Ich möchte zeigen, dass ich an sie denke, mittrauere und Solidarität zeige.» Viele der Opfer waren in seinem Alter. Das habe in ihm etwas ausgelöst: «Als ich die Aufnahmen von dieser Nacht gesehen und gehört habe, was andere erlebt haben, hat mich das schon extrem berührt.»
Anteilnahme von Jugendlichen aus der ganzen Schweiz
Zudem: Er sei nicht der Einzige, der einen langen Weg auf sich genommen habe, wie er sagt: «Im Kondolenzbuch an der Gedenkstätte stehen sehr viele bewegende Einträge von anderen Jugendlichen, die beispielsweise extra aus Zürich angereist sind, wie sie dort schreiben.» Viele der Einträge stammen von Jugendlichen, die die Verletzten und Verstorbenen gekannt hätten.
Auch er habe eine Nachricht an die Opfer und Hinterbliebenen hinterlassen: «Ich wollte den Menschen einfach mitgeben: Ihr seid nicht alleine!» Seine Familie unterstütze ihn und halte sein Engagement für gut, sagt er.
«Das hätte auch mir passieren können»
Die Bilder der Schreckensnacht sind für Lukas immer noch kaum auszuhalten. Auch er habe, wie viele seiner Altersgenossen, über die Sozialen Medien von der Katastrophe erfahren und sagt: «Das hätte mir auch passieren können. Ich hätte wohl auch noch zunächst weitergefeiert und hätte die Gefahr nicht realisiert.»
Aber jeder Mensch reagiere anders. Für ihn ist aber klar: «Wenn ich in Zukunft in eine Bar oder einen Club gehe, werde ich zuerst abchecken, wo die Notausgänge sind.»