Darum gehts
- 40 Menschen sterben bei Brand in Crans Montana, 116 Verletzte gemeldet
- Jessica Mor-Camenzind organisiert Unterkünfte für betroffene Familien in Zürich
- Zwischen 150 und 200 Personen bieten Solidarität und Wohnraum an
Die Schweiz trauert am Freitag um 40 Menschen, die beim verheerenden Brand in Crans Montana VS ihr Leben verloren haben. 116 weitere Menschen wurden bei der Katastrophe verletzt. Viele Schwerverletzte liegen nach wie vor in Spitälern in der Schweiz und im nahen Ausland. Auf die Brandopfer und ihre Familien kommt nun eine besonders schwierige Zeit zu.
Jessica Mor-Camenzind (55) möchte die Familien unterstützen, wo sie nur kann. «Nichts machen ist für mich keine Option, das ist wie ein Impuls», sagt sie am Telefon zu Blick. Selbst kann sie den Angehörigen nur ein Zimmer anbieten. Zu wenig, wie Mor findet: «Diese Familien brauchen Ruhe und Privatsphäre, sie befinden sich im Ausnahmezustand.» Im Kinderspital Zürich (Kispi) werden aktuell fünf schwerstverbrannte jugendliche Patientinnen und Patienten behandelt, im Universitätsspital Zürich (USZ) sind es sechs Schwerverletzte.
Familien tief berührt
Auf den sozialen Medien bot Mor deshalb Angehörigen an, in den Wohnungen von Bekannten von ihr unterzukommen. «So konnte ich einem Paar aus der Westschweiz, deren Kind im Kinderspital Zürich liegt, gratis eine Unterkunft in der Nähe vermitteln», so die Stadt-Zürcherin.
Daraufhin meldeten sich weitere Familien bei ihr. Mit einem Aufruf auf Instagram und Linkedin sucht Mor deshalb nach weiterem Wohnraum im Kreis 7, 8 sowie in Zollikon. «Die Solidarität ist enorm. Ich komme kaum nach, allen Personen zurückzuschreiben, die eine Unterkunft anbieten», zeigt sich Mor überwältigt. Zwischen 150 und 200 Menschen sind ihrem Aufruf gefolgt.
Von zwei betroffenen Familien weiss Mor: «Sie sind tief berührt von der Anteilnahme und wissen die Solidarität, sehr zu schätzen.» Auch Mor bewundert, wie die Schweiz in diesem Ausnahmezustand zusammenrückt. Die Zürcherin ist auch sonst sozial engagiert und führt ein NGO für die Bildung von Kindern im Libanon. Sonst ist sie als Immobilien-Beraterin tätig und kann deshalb auf ein grosses Netzwerk zurückgreifen.
Auch Spitäler helfen den Angehörigen
Die grosse Solidarität der Bevölkerung zeigt Wirkung: Mittlerweile sind alle Familien und Angehörigen der Opfer, die in Zürich behandelt werden, untergebracht. Das bestätigen neben Mor auch die beiden Spitäler gegenüber Blick.
Trotzdem kann es sein, dass es weiteren Bedarf braucht. Viele Familien wissen schliesslich noch nicht, wie lange die Behandlung im Spital dauert. Mor verweist Personen, die sich mit neuen Angeboten bei ihr melden, weiter ans Kispi. Braucht eine Familie doch noch eine neue Unterkunft oder muss diese wechseln, hilft das Spital aus. «Das Kinderspital Zürich erhält derzeit sehr viel Zuspruch und Solidaritätsbekundungen», sagt eine Sprecherin zu Blick. Vier der Patienten befinden sich nach wie vor im kritischen Zustand.
Auch das USZ unterstützt Familien aktiv bei der Suche nach einer geeigneten Unterkunft. «Insgesamt konnten wir vier betroffene Familien in Hotels unterbringen», teilt ein Sprecher auf Anfrage mit. Das Spital erhalte viele Hilfsangebote und spüre die Solidarität der Bevölkerung. Sehr zur Freude von Mor: «Die Familien machen schliesslich schon genug durch.»