Darum gehts
- Grosse Solidarität nach Brand in Crans-Montana mit 40 Toten und 116 Verletzten
- Schweizerinnen und Schweizer helfen Opfern mit Spenden jeglicher Art
- Ultramarathon am 12. September 2026 widmet Erlöse betroffenen Familien
- Am Freitag nationaler Trauertag
Erst war der Schock. Dann die Trauer. Nachher Unverständnis und Wut. Jetzt folgt Solidarität. In den Tagen seit dem Brand-Inferno von Crans-Montana VS durchleben die Schweiz und ihre Nachbarn die ganze Palette an Emotionen. Die Menschen wollen helfen, stehen zusammen. Sie sammeln Geld, bieten Unterstützung an. Die Solidaritätswelle ist enorm.
Warten auf den Walliser Staatsrat, der den Opfern und ihren Familien zwar finanzielle Hilfe angeboten hat, zuerst aber noch die Modalitäten festlegen will? Nein – die Bevölkerung folgt ihren natürlichen Helfer-Impulsen und hat keinen Bock auf umständliche Behördenvorgänge.
Viele Menschen in der Schweiz haben schon wenige Stunden nach dem Drama der Silvesternacht Spendenplattformen eröffnet. Oder ihre Wohnungen in Spitalnähe angeboten. Oder ihr Blut für die Brandopfer gespendet. Alleine auf der Online-Plattform von Gofundme gibt es über 30 Spendenaktionen, die total schon über 75'000 Franken zusammengebracht haben.
Angehöriger «zutiefst berührt»
Von dem Geld sind alleine für eine Mutter, die eine zweijährige Tochter hat und mit schweren Verbrennungen nach Nantes (F) gebracht werden musste, 25'000 Franken gespendet worden. Ein Angehöriger bedankt sich schon jetzt «von ganzem Herzen für die unglaubliche Grosszügigkeit». Man sei zutiefst berührt und überwältigt von der Unterstützung.
Hilfe gibt es auch von Claudia Kolly aus Zürich. Sie stellt einem jungen Mann aus Crans-Montana ihre Wohnung zur Verfügung. Er hat drei Freunde beim Drama verloren. Und seine Freundin liegt schwer verletzt im Zürcher Unispital. So kann er in ihrer Nähe wohnen. «Ich wollte meine Solidarität und Empathie mit der Situation zeigen und jemandem, der in Not ist, aushelfen», sagte Kolly in einem «10 vor 10»-Bericht von SRF.
Wie solidarisch die Schweiz ist, zeigt sich auch auf der Facebook-Seite «Crans-Montana Solidarité» mit bereits über 8000 Mitgliedern. Alejo Garcia (33) etwa, der ganz in der Nähe des Spitals in Sion VS wohnt, stellt in seiner Wohnung sein Bettsofa, eine Dusche und die Küche zur Verfügung. Und: «Ich fahre Betroffene auch zum Spital hin und zurück.» Man könne ihm einfach schreiben.
Es wird viel mehr Blut gespendet
Die Solidarität geht so weit, dass die Menschen sogar ihr eigenes Fleisch und Blut hergeben. Wortwörtlich. Franziska Kellenberger von Blutspende SRK Schweiz erklärt: «Die Solidarität fürs Blutspenden ist im Moment sehr viel grösser als sonst – das beeindruckt.» Die Menschen würden helfen wollen und dazu beitragen, dass die Brandopfer bei Bedarf genügend Blut erhalten würden. «Wichtig ist dabei, dass auch in den kommenden Monaten genügend Blut gespendet wird.»
Die Zunahme der Spenden sei in der Westschweiz und im Wallis besonders stark zu spüren: «In den nächsten drei Wochen haben wir praktisch keinen freien Termin mehr. Das hat es noch nie gegeben», sagt Adrian Fluri, Mediensprecher der Interregionalen Blutspende SRK.
«In den Regionen Bern, Waadt und Wallis entnehmen wir aktuell rund 1700 Blutspenden pro Woche, dies entspricht rund 765 Litern», so Fluri. Das entnommene Blut komme allerdings nicht nur Crans-Montana-Opfern zugute, sondern auch anderen Patientinnen und Patienten.
Es wird auch vorausgedacht. So wird schon jetzt im Rahmen des am 12. September stattfindenden «Crans-Montana Victims Ultramarathon 55 km» Geld gesammelt. Gestartet wird um 8 Uhr in Adelboden BE – mit dem Ziel in Crans-Montana. Einer, der mitlaufen wird, ist Jano Schoenmakers (40). «Dieser Ultratrail war ursprünglich als persönliche Herausforderung geplant», sagt der Holländer. Crans-Montana sei für ihn ein Ort «voller Erinnerungen und ein Stück Heimat».
Läufer widmet Lauf den Opfern
Schoenmakers erzählt weiter: «Nur wenige Minuten vor Ausbruch des Feuers ging ich noch mit meinem Hund und meiner Freundin an der Fassade der Bar vorbei.» Und: «Nur Tage zuvor hatten wir dort mit der gesamten Familie den Geburtstag meiner Mutter gefeiert. Zu realisieren, wie schmal der Grat zwischen einem gewöhnlichen Abend und einer Tragödie ist, hat mich tief bewegt.» Nun habe die Teilnahme am Marathon eine völlig neue Bedeutung bekommen: Er will seinen Lauf den Opfern widmen.
Rasch und unkompliziert geht es bei der Firma HappyPot, die auch Spenden sammelt. Und wie! «Bis heute wurden auf unserer Plattform in nur wenigen Tagen über 400’000 Franken für die Familien der Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana gesammelt», sagt Geschäftsführerin Habiba Alami (35) zu Blick.
Glückskette könnte «sofort die nötigen Mittel bereitstellen»
«Das Ereignis in Crans-Montana hat die Schweiz tief bewegt. Wir bekunden unsere Solidarität und Anteilnahme mit den Angehörigen der Opfer», sagt Miren Bengoa, Direktorin der humanitären Stiftung Glückskette. Man stehe bereit, finanzielle Unterstützung zu leisten, wo sich Lücken zeigen, und stehe dazu in laufendem Austausch mit den Behörden. Bengoa: «Eine Spendensammlung ist derzeit nicht vorgesehen – dank unseres Katastrophenfonds können wir bei Bedarf sofort die nötigen Mittel bereitstellen.»
Und am Freitag findet ein nationaler Trauertag statt. Mit einer offiziellen Zeremonie ab 13.45 Uhr im Kongresszentrum Cerm in Martigny VS. Und: Um 14 Uhr werden in der ganzen Schweiz die Kirchenglocken fünf Minuten lang läuten und eine Schweigeminute abgehalten.