Darum gehts
- Das Feuer in der Inferno-Bar in Crans-Montana forderte 40 Menschenleben
- Gesetze erlaubten mangelhaften Brandschutz, und Kontrollen erkannten die Gefahr nicht
- Seit 2019 keine Inspektionen mehr, trotz giftigem Schaum und baulicher Mängel
Eine Woche nach dem Brand ist klar: Das Inferno von Crans-Montana VS hätte verhindert werden können. Ja, müssen. Wäre nur ein einziger der vielen Fehler nicht passiert, hätte von allen Involvierten nur einer genauer hingeschaut – die 40 Todesopfer könnten heute noch leben. Nur: Niemand unterbrach die Kaskade des Versagens.
Gemeindepräsident Nicolas Féraud (55) fasste an seiner Pressekonferenz die gesetzlichen Brandschutz-Grundlagen zusammen: keine zwingende Überprüfung der Baumaterialien, ein einziger Feuerlöscher reicht, weder Rauchmelder noch Sprinkleranlage sind Pflicht. Bei Hotels, Ladengeschäften und sogar Parkhäusern gelten strengere Regeln als in einer Bar mit Hunderten jugendlichen Gästen.
Dazu kommt: Der Walliser Sicherheitsdirektor Stéphane Ganzer widersprach dem Gemeindepräsidenten. Man arbeite mit Checklisten, die auch eine Materialprüfung beinhalte.
Ja, was nun? Auch eine Woche nach dem Inferno sind sich die Verantwortlichen nicht einig, was überhaupt geprüft werden muss.
2015 bekam die Inferno-Bar eine Baubewilligung für den Veranda-Umbau. 2016, 2018 und 2019 fanden Kontrollen statt. Schon bei dem allerersten Termin steckte der Inferno-Schaum in Decken und Wänden. Ob gesetzlich vorgeschrieben oder nur Teil einer Checkliste, Fakt ist: Bei keiner dieser Kontrollen wurde die Gefahr erkannt. Nichts änderte sich.
Von 2019 bis zum Inferno fanden gar keine Kontrollen mehr statt. Ein tödliches Versäumnis, dessen sich die Verantwortlichen nicht einmal nach dem Brand bewusst wurden. Wie schlecht informiert der Gemeindepräsident Nicolas Féraud (seit 2017 im Amt) war, zeigt seine Reaktion unmittelbar nach dem Inferno: «Es gab bei uns keine lasche Haltung bei Kontrollen von Bars», sagte er. Und musste später eingestehen: Man hat den Brandschutz jahrelang vernachlässigt.
Die Bilder des Do-it-yourself-Umbaus zeigen: Die Morettis haben aus der Kellerbeiz eine regelrechte Todesfalle gebastelt. Die Treppe an die Oberfläche wurde in der Breite halbiert. Augenzeugen berichteten, wie genau diese Stelle zum tödlichen Flaschenhals wurde. Decken und Wände waren mit dem Inferno-Schaum ausgekleidet, der nicht nur brannte wie Zunder, sondern Keller und Erdgeschoss mit giftigem Rauch füllte. Dazu die «Wunderkerzen», vor denen Kellner schon lange gewarnt haben, wie ein Video zeigt. «Vorsicht bei dem Schaum», rief einer, als die Wunderkerzen angezündet wurden. Das war vor sechs Jahren. Die Warnungen verhallten ungehört.
Gut möglich, dass sie nicht wissen konnte, wie gefährlich ihre Aktion ist – und sie nur die Anweisungen ihrer Chefs umgesetzt hat. Die Bilder zeigen: Es war eine Kellnerin, die sich mit Champagnerflasche und Wunderkerze auf die Schultern eines Kollegen setzte. Und so den Inferno-Schaum in Brand setzte. Die Justiz machte nach dem Brand klar: Auch gegen die Kellnerin wird ermittelt – sofern sie das Inferno überhaupt überlebt hat.
Fazit: Es gibt Unglücke (wie Blatten zum Beispiel), die kaum zu vermeiden sind. Die Tragödie von Crans-Montana gehört definitiv nicht dazu.