Darum gehts
- Crans-Montana Barbrand enthüllt mangelhafte Sicherheitsmassnahmen
- Ein Zugangscode ermöglichte Jugendlichen unkontrollierten Zutritt zur Bar
- Etwa die Hälfte der Verstorbenen war minderjährig
Die Brandkatastrophe von Crans-Montana VS rückt das zwielichtige Imperium der Inferno-Beizer vom Le Constellation ins Rampenlicht. Aber auch die Zugänge zur Bar und der angrenzenden Liegenschaft geraten nun ins Visier der Untersuchungen. Denn diese sind entscheidend, um zu verstehen, wie viele Menschen sich zur Zeit des Feuerinfernos im Club befanden – und warum die Hälfte der Todesopfer minderjährig war.
Pikant: Links vom Haupteingang zur Bar, der von einem Türsteher kontrolliert wurde, befindet sich ein Seiteneingang zur gesamten Liegenschaft. Es handelt sich dabei um eine «glasige, automatische Schiebetür, die ins Innere des Gebäudes führt», sagte unter anderem Augenzeuge Oscar (19) Anfang Woche zu Blick. Es ist der Eingang zum Ski-Geschäft, den Wohnungen der Liegenschaft und indirekt auch zu einem Nebeneingang zur Bar Le Constellation.
Mit dem Code in die Bar
Allerdings ist diese Schiebetür mit einem Code-Gerät ausgestattet. «Wer den PIN-Code zur Schiebetür besass, schaffte es auch nachts von aussen rein», sagt Oscar. Ohne Alterskontrolle oder Warteschlange gelangten die Bar-Besucher so am Türsteher vorbei.
Bislang ist nicht klar, wer das Code-Gerät an der Unglücks-Immobilie angebracht hat und wer dafür verantwortlich ist. Klar ist, dass der Code auch bei Einheimischen und Partygästen herumgereicht wurde. Wenn der Clubbetrieb nicht lief, wurde die Glastür von Wintersportlern, Bewohnern der Liegenschaft und Gästen der Bar genutzt. Das bestätigen mehrere unabhängige Personen, die diesen Eingang selbst nutzten oder kannten, gegenüber Blick.
Die Verwaltung schweigt
Das wirft heikle Fragen auf: Wer ist für die Zahlenkombination des elektronischen Zugangs verantwortlich? Wer kannte den Code, um die Tür zu öffnen? Wurde er regelmässig erneuert? Und vor allem: Wie konnte es so weit kommen, dass sich Jugendliche und Partygäste die Zahlenkombination weiterreichen konnten, um in die Bar zu gelangen?
Blick konnte die Verwaltung der Immobilie ausfindig machen. Es handelt sich um die Agentur Montanagest Sàrl in Crans-Montana, die gegenüber Blick bestätigt, für die Verwaltung des Gebäudes verantwortlich zu sein. Doch alle drängenden Fragen zur Verantwortlichkeit für das Code-Gerät und ob eine stille Abmachung mit den Bar-Betreibern besteht, lässt der Verwalter unbeantwortet. Auf die Mails von Blick reagiert die Firma nicht. Am Telefon mit der Agentur heisst es schliesslich, man werde keine Stellung nehmen, «weil die Polizei bereits eine Untersuchung eingeleitet hat».
Code-Geräte wie jenes in Crans-Montana sind in touristischen Gemeinden heute verbreitet. Sie befinden sich an Hauseingängen, in denen sich Zweitwohnungen und Airbnbs befinden. Sie vereinfachen den Check-in der Gäste massgeblich. Statt dass der Gastgeber den Schlüssel persönlich übergeben muss, wird dem Gast ein Zugangscode für das Gebäude anvertraut. Im Fall von Airbnb-Wohnungen sind solche Zugangscodes nur für die Dauer des Aufenthalts aktiv und verfallen automatisch nach Check-out.
Interessant: Gastgeber können die Aktivierungszeiten selbst bestimmen, genauso wie Backup-Codes für Notfälle. Zudem erhalten Gastgeber laut Airbnb bei solchen elektronischen Türschlössern Benachrichtigungen bezüglich des Check-in-Status des Gastes.
Gab es solche Zugangsmeldungen auch im aktuellen Fall von Crans-Montana? Und warum wurde hier bislang nicht genauer hingeschaut, wenn sich so Zugang zu einem Club erschlichen werden kann? Fragen, der die Polizeiuntersuchung nun nachgehen dürfte. Der Zeitpunkt der Befragung ist unbekannt. Das Constellation-Betreiberpaar Moretti wird am Freitag erstmals verhört. An dem Tag, an dem die ganze Schweiz für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana trauert.