Darum gehts
- Brandkatastrophe in Crans-Montana forderte mindestens 40 Tote in Silvesternacht
- Staatsanwaltschaft eröffnet Strafverfahren gegen Barbetreiber
- Gemeinde müsste Bars jedes Jahr kontrollieren – Betreiber spricht von drei in zehn Jahren
Zum Inferno von Crans-Montana, das mindestens 40 Menschenleben forderte, sind viele Fragen noch offen. Doch jene, wie der Brand ausbrach, ist weitgehend geklärt. Aufnahmen aus der Bar, die auf den sozialen Medien verbreitet wurden, dokumentieren es. In der Silvesternacht, wenige Minuten vor 1.30 Uhr, wurden in der Bar Le Constellation an Champagnerflaschen befestigte Sprühkerzen gezündet. Eine Kellnerin, die, zwei Flaschen in der Hand, auf den Schultern einer anderen Person sass, kam mit einer der Kerzen dem Akustikschaumstoff zu nahe, mit dem die Decke im Kellergeschoss der Bar bedeckt war. Dieser fing Feuer, das sich danach über die Decke im ganzen Raum ausbreitete.
Diesen Hergang haben mittlerweile auch die Walliser Behörden bestätigt: Alles deute darauf hin, dass der Brand durch Kerzen auf Champagnerflaschen ausgelöst worden sei, sagte Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud (50) am Freitag. Zu diesem Schluss sei man aufgrund von Videoanalysen gekommen, aber auch aufgrund von Befragungen und Spuren vor Ort. Pilloud sagte weiter, man prüfe nun, ob die Räumlichkeiten den Regeln entsprachen, und untersuche die dort vorhandenen Sicherheitsmassnahmen, wie etwa das Vorhandensein von Feuerlöschern, die Fluchtwege und die zulässige Personenzahl.
Vorwurf der fahrlässigen Tötung
Noch am Freitag sagte Pilloud, die Untersuchung richte sich nicht gegen eine bestimmte Person. Mittlerweile hat sich dies geändert: Wie die Staatsanwaltschaft gestern Nachmittag mitteilte, hat sie ein Strafverfahren gegen die Betreiber von Le Constellation eröffnet. Ihnen wird fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst vorgeworfen.
Bei den beiden handelt es sich um ein französisches Ehepaar – Jacques (49) und Jessica Moretti (40). Die Frau war während des Brandes anwesend und wurde am Arm verletzt, der Mann war nicht vor Ort. Das Paar, das seit rund 25 Jahren im Wallis lebt, führt neben der Bar Le Constellation ein zweites Gastrolokal in Crans-Montana und eines im benachbarten Lens. Die Bar, in der das Inferno passierte, hat es 2015 übernommen. Der Walliser Zeitung «Le Nouvelliste» sagte Jacques Moretti kurz nach der Eröffnung, er habe es eigenhändig renoviert: «Ich habe fast alles selbst gemacht.» Auf Fotos, die den Umbau zeigen, ist auch zu sehen, wie damals der Akustikschaumstoff angebracht wurde.
Wurde die Bar jedes Jahr kontrolliert?
Die Vermutung liegt nahe, dass dieser aus leicht brennbarem Material bestand und damit zu den verheerenden Folgen des Brandes beigetragen hat. Feuerwerksexperte Erich Frey (66) sagte im Blick: «Ist der Kunststoff alt oder spröde, entzündet er sich extrem schnell.» Generalstaatsanwältin Pilloud sagte dazu: «Ob dieses Material den Standards entsprach oder nicht, wird untersucht. Wir wissen es noch nicht.»
Doch wer müsste zur Verantwortung gezogen werden, wenn tatsächlich ein Schallschutz eingebaut worden ist, der nicht den Vorschriften entsprach? Zuständig für die feuerpolizeilichen Kontrollen sind im Kanton Wallis die Gemeinden. Öffentlich zugängliche Gebäude wie eine Bar müssen einmal jährlich kontrolliert werden.
«Es gab in Crans-Montana keine lasche Haltung»
Ausgerechnet eine Aussage von Barbetreiber Jacques Moretti lässt jedoch daran zweifeln, dass dies der Fall war. Gegenüber der Zeitung «24 heures» betonte er am Freitag, er habe alle Vorschriften eingehalten – und sagte: «Wir wurden in zehn Jahren dreimal kontrolliert.»
Sollte dies zutreffen, wäre die Gemeinde ihrer Pflicht, jährliche Kontrollen durchzuführen, nicht nachgekommen. Fragen dazu, ob, wann und wie oft Le Constellation überprüft wurde, beantwortet die Gemeinde nicht – und verweist an die Walliser Kantonspolizei. Diese wiederum sagt, sie könne diese Fragen derzeit nicht beantworten.
Gemeindepräsident Nicolas Féraud (55) reagierte gestern nicht auf eine Anfrage von Blick. Gegenüber dem Westschweizer Radio RTS sagte er jedoch, die Gemeinde habe der Staatsanwaltschaft sämtliche Rapporte über Le Constellation übergeben. Und Féraud unterstrich: «Bei der Kontrolle von Bars gab es bei der Gemeinde Crans-Montana keine lasche Haltung.» Ob dies zutrifft, müssen nun die Untersuchungen zeigen. Zeigen sie etwas anderes, könnten auch die Verantwortlichen der Gemeinde ins Visier der Justiz geraten. Am Samstagabend meldete sich die Gemeinde Crans-Montana dann per Medienmitteilung zu Wort: Sie gab bekannt, sich als Zivilklägerin am Strafverfahren gegen die Barbetreiber beteiligen zu wollen.