So kam es zum Drama in Crans-Montana
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Feuer-Hölle in Bar:So kam es zum Drama in Crans-Montana

Bar-Inferno in Crans-Montana
Die vielen Ungeschicklichkeiten von Staatsanwältin Beatrice Pilloud

Nach dem Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana (VS) steigt der Druck auf die Generalstaatsanwätlin. Beatrice Pilloud müsse wegen diverser Ungeschicklichkeiten zurücktreten, so die Forderung.
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Blumen- und Kerzen Meer in Crans-Montana (VS). Die strafrechtlichen Ermittlungen wurden einem Team von vier Staatsanwälten anvertraut.
Foto: KEYSTONE

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Béatrice Pillouds Arbeit im Crans-Montana-Fall steht stark in Kritik
  • Vorwürfe umfassen lückenhafte Kommunikation, Laxheit und Interessenkonflikte
  • 40 Todesopfer, 116 Verletzte, mögliche Absetzung der Generalstaatsanwältin diskutiert
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Myret Zaki

Dieser Text erschien zuerst bei Blick.ch/fr und wurde aus dem Französischen übersetzt und gekürzt.

Was als vereinzelte Kritik begann, entwickelt sich zur ernsten Vertrauensfrage. Immer mehr Anwälte und Juristen stellen die Arbeit der Walliser Staatsanwaltschaft im Fall Crans-Montana infrage. Im Zentrum steht Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud. Der Vorwurf: mangelnde Führung, unklare Kommunikation und Entscheidungen, die den Eindruck von Laxheit hinterlassen. Inzwischen wird offen über ihre Absetzung diskutiert.

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Pilloud führt das Verfahren nicht selbst

Béatrice Pilloud ist das öffentliche Gesicht der Staatsanwaltschaft – die operative Leitung der Untersuchung hat sie jedoch abgegeben. Das Dossier liegt bei einem Pool von vier Staatsanwälten, deren Namen bis heute nicht offiziell kommuniziert wurden. Die Verfahrensleitung liegt bei ihrer Stellvertreterin Catherine Seppey.

Besonders irritierend: Zu Beginn übertrug Pilloud das Verfahren allein einer jungen Staatsanwältin, Marie Gretillat, die erst seit drei Jahren als Staatsanwältin tätig ist und zuvor nie ein Grossverfahren dieser Dimension geführt hatte. Erst später wurde das Team erweitert. Opferanwälte sprechen von einem Fehlstart bei einem der schwerwiegendsten Strafverfahren der Kantonsgeschichte – und von einem Signal, dass Erfahrung nicht oberste Priorität hatte.

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Kommunikationsdefizite von Beginn weg

Seit der Brandnacht wird die Kommunikation der Staatsanwaltschaft als ungenügend kritisiert. Pilloud trat zwar früh öffentlich auf, beantwortete aber kaum konkrete Fragen. Während französische und italienische Behörden rasch über Opferzahlen und Ermittlungen informierten, blieb das Wallis auffallend zurückhaltend.

Bis heute reagieren Staatsanwaltschaft und Polizei nur zögerlich auf Medienanfragen. Selbst Opferanwälte wie Jean-Luc Addor oder Romain Jordan beklagen, dass sie zentrale Informationen – etwa zur Zusammensetzung des Ermittlerteams – nicht offiziell erhalten haben, obwohl sie als Parteien im Verfahren gelten.

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Opferfamilien von Befragungen ausgeschlossen

Besonders brisant ist der Entscheid, Opferfamilien von zentralen Polizeibefragungen auszuschliessen. Betroffen wäre unter anderem die Einvernahme des Sicherheitsverantwortlichen der Gemeinde – eine Schlüsselfigur. Begründung der Staatsanwaltschaft: Gefahr von Informationslecks.

Gleichzeitig dürfen Anwälte der Beschuldigten an den Befragungen teilnehmen. Opfervertreter sehen darin einen klaren Verstoss gegen die Strafprozessordnung. Jean-Luc Addor warnt: Sollten Gerichte diesen Ausschluss später als rechtswidrig beurteilen, müssten Einvernahmen wiederholt werden – mit gravierenden Folgen für das Verfahren.

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Verdächtige lange auf freiem Fuss

Trotz 40 Todesopfern und 116 Verletzten blieben die Betreiber der Bar auf freiem Fuss. Weder Untersuchungshaft noch eine kurzfristige Festnahme zur Sicherung der ersten Einvernahmen wurden angeordnet. Kritiker verweisen auf mögliche Kollusions- und Fluchtgefahr – insbesondere, da die Beschuldigten enge Verbindungen ins Ausland haben.

Der italienische Botschafter sagte offen: «In Italien wären sie verhaftet worden.» Auch Strafrechtsprofessor Alain Macaluso hielt eine zumindest kurzfristige Festnahme für rechtlich vertretbar.

Nachträgliche Anmerkung der Redaktion: Erst später, nach der Anhörung am 9. Januar, kam es zur Festnahme von Jacques Moretti – eine Kehrtwende, die den Vorwurf mangelnder Konsequenz verstärkte.

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Keine Hausdurchsuchung bei der Gemeinde

Statt formeller Hausdurchsuchungen erhielt die Staatsanwaltschaft relevante Unterlagen von der Gemeinde auf freiwilliger Basis. Für Opferanwälte ist das ein zentraler Kritikpunkt: In sensiblen Verfahren müsse die Polizei Dokumente sichern, bevor sie selektiert oder bereinigt werden könnten.

Jean-Luc Addor spricht von einer verpassten Chance, früh Klarheit über behördliche Verantwortlichkeiten zu schaffen. Auch hier entsteht der Eindruck: zu viel Vertrauen, zu wenig Kontrolle – gerade in einem Umfeld, in dem Behörden selbst unter Verdacht stehen.

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Mögliche Interessenkonflikte

Zusätzliche Irritationen löste der Vorschlag der Polizei aus, Opferfamilien bestimmte Anwälte zu empfehlen – darunter Personen mit familiären oder institutionellen Verbindungen zur Gegenseite. Pilloud sprach später von einer «Ungeschicklichkeit».

Für weiteres Misstrauen sorgten Medienberichte über mögliche geschäftliche Berührungspunkte zwischen dem Ehemann der Generalstaatsanwältin, dem Weinhändler François Pilloud, und Barbetreiber Jacques Moretti. Belegt sind diese Verbindungen bislang nicht. Pillouds Ehemann weist entsprechende Vorwürfe zurück. Dennoch verstärken solche Konstellationen den Ruf nach maximaler Transparenz.

Hinzu kommt: Pilloud musste sich bereits 2024 in einem anderen Verfahren – rund um den Weinunternehmer Dominique Giroud – wegen Befangenheit aus einem Dossier zurückziehen. Das nährt Zweifel, ob sie in hochsensiblen Fällen ausreichend Distanz wahren kann.

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Forderung nach externer Lösung

Angesichts der aufgelaufenen Kritik fordern mehrere Anwälte offen Konsequenzen. Diskutiert wird die Einsetzung eines ausserkantonalen Sonderstaatsanwalts. Als möglicher Name fällt Eric Cottier, früherer Generalstaatsanwalt des Kantons Waadt.

Die zentrale Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob Fehler passiert sind – sondern, ob diese Untersuchung unter der aktuellen Leitung noch das Vertrauen der Opfer, der Öffentlichkeit und des Auslands geniessen kann.

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