Darum gehts
- Sprachprobleme führten 2025 in Neuenburg beinahe zu einem Zugunglück
- Ein Regionalzug stoppte nur 50 Meter vor einem Güterzug
- SBB kündigen digitales Sprachlernangebot an, um Sicherheitsrisiken zu minimieren
«Non, non, non. Je t’ai dit de ne pas rentrer sur la pleine voie. Là, c’était dangereux ce que t’as fait.» Verstehst du diese Aussage auf Französisch? Falls nicht, geht es dir genauso wie einem SBB-Lokführer im August 2025. Die Sprachbarriere zwischen mehreren Mitarbeitern der Bundesbahnen führte in Neuenburg-Vauseyon beinahe zu einer Zugkollision.
Ein Regionalzug, gefahren von einem Lokführer mit deutscher Muttersprache, war damals offensichtlich zu weit gefahren. Per Funk versuchte der Fahrer die Notsituation mit den französischsprachigen Fahrdienstleitern in der Betriebszentrale in Renens VD zu klären. Der Lokführer hatte bei den Anweisungen seines Gegenübers aber nur Bahnhof verstanden, wie eine Aufzeichnung des Funkverkehrs zeigt, die der «Sonntagszeitung» vorliegt.
Der Lokführer verlangt daraufhin, mit einer deutschsprachigen Person zu sprechen. Ihm wird jedoch erklärt, dass in dieser Betriebszentrale niemand Deutsch spricht. Schliesslich kommt der Regionalzug des Lokführers nur 50 Meter vor einem Güterzug zum Stehen. Eine Kollision der beiden Kompositionen konnte also nur haarscharf verhindert werden.
Sprachanforderungen «erfüllen die Anforderungen nicht»
Die Sicherheitsuntersuchungsstelle Sust hat die Beinahe-Kollision mittlerweile analysiert und einen Bericht veröffentlicht. Darin werden die sprachlichen Anforderungen der SBB an ihre Lokführer kritisiert. Die definierten Bedingungen «erfüllen die hoheitlichen Anforderungen nicht».
Bei der Sprachpanne im Kanton Neuenburg handelt es sich laut den SBB «glücklicherweise um einen Einzelfall». Dennoch nehme man die Ergebnisse der Untersuchung «sehr ernst». Die Bundesbahnen haben nun angekündigt, dass sie ein «umfassendes, digitales Sprachlernangebot für ihre Mitarbeitenden» ausschreiben werden.
Unterschiede bei verschiedenen Bahnunternehmen
Aktuell verlangen die SBB von ihren angehenden Lokführern «Anfängerkenntnisse einer zweiten Landessprache», dementsprechend das Sprachniveau A1 in Französisch oder Italienisch. In Deutsch wird hingegen das höchste Sprachniveau C2 verlangt, also annähernd muttersprachliche Kenntnisse.
Genauere Anforderungen an ihre Bewerbenden stellt die Berner Alpenbahngesellschaft BLS. Sie verlangt Sprachdiplome in Französisch und Italienisch. Gefordert wird wie bei den SBB allerdings nur das niedrigste Sprachniveau A1. In Deutsch wird im Vergleich zu den Bundesbahnen lediglich das Niveau C1, fachkundige Sprachkenntnisse, verlangt.
Noch niedrigere Anforderungen stellen die Bahngesellschaften Thurbo und die Rhätische Bahn (RhB). Beide geben auf ihren Webseiten an, dass angehende Lokführer gar keine Kenntnisse in Französisch oder Italienisch mitbringen müssen. In Deutsch verlangt Thurbo das Sprachniveau C1 und die Rhätische Bahn sogar nur Niveau B1, was als «fortgeschrittene Sprachverwendung» definiert wird.