Darum gehts
- Die verheerende Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation forderte 41 Todesopfer
- Gegen das Barbetreiberpaar Jacques und Jessica Moretti wird ermittelt
- Das Feuer wurde durch Sprühkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst
Ex-Brandschutzbeauftragter schweigt bei Anhörung
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Das Verfahren rund um die Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation in Crans-Montana VS bleibt spannend: Am Mittwoch wurde bekannt, dass ein ehemaliger Mitarbeiter der Gemeinde im Rahmen der Befragung durch die Staatsanwaltschaft Wallis von seinem Recht zu schweigen Gebrauch machte. Darüber berichtete unter anderem der Radiosender Rhone FM.
«Die Anhörung dauerte nur 15 bis 20 Minuten, weil der Angeklagte nach der Verlesung der Anklagepunkte die Kooperation verweigerte», sagte Robert Assaël, einer der Anwälte der Nebenkläger, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. «Ich bin schockiert, dass er die Fragen nicht beantwortet hat, wo die Opfer doch nur auf eines warten, die Wahrheit.»
Bei dem Schweigenden soll es sich um einen ehemaligen Brandschutzbeauftragten von Crans-Montana handeln. Nicolas Mattenberger, ein weiterer Anwalt der Nebenkläger, nannte das Schweigen des Ex-Sicherheitsverantwortlichen «etwas feige».
Nicolas Meier, einer der Anwälte des Betreiberehepaars Moretti, sagte, er sei «erstaunt» über das Schweigen des ehemaligen Gemeindeangestellten. Jacques Moretti sollte eigentlich am Dienstag erneut verhört werden. Die Anhörung wurde allerdings auf unbestimmte Zeit verschoben. Moretti hat gesundheitliche Probleme, seine Anwälte sollen ärztliche Atteste eingereicht haben.
Gegen wen wird sonst noch ermittelt? Hier findest du mehr dazu.
Cornado: «Das hat für uns alle oberste Priorität»
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado ist seit Montag wieder in Bern und erklärt in einem Interview mit SRF die Gründe für seine vorübergehende Rückberufung nach Italien im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe von Crans-Montana VS. Er betont, dass Opferfamilien seine Rückkehr aktiv unterstützt haben, um die justizielle Zusammenarbeit zwischen Italien und der Schweiz eng zu begleiten.
Die Freilassung des Barbetreibers Jacques Moretti (49) gegen Kaution hatte in Italien hohe Wellen geschlagen ausgelöst: «Angesichts einer solchen Tragödie, angesichts der qualvollen Leiden, die den Verletzten bevorstehen, und des Fehlens von Sicherheitsvorkehrungen in diesem Lokal hat die Freilassung von Moretti in Italien grosse Empörung ausgelöst und die Gefühle der Familien sowie der Öffentlichkeit zutiefst verletzt.» Cornado beschreibt die Massnahme als «Zeichen des Protests gegen eine Entscheidung, die für die italienische Öffentlichkeit unverständlich war».
Die italienische Regierung forderte eine effektive Justizkooperation und ein gemeinsames Ermittlungsteam, was nun teilweise umgesetzt wird. Cornado dazu: «Dem ersten Antrag wurde zu hundert Prozent stattgegeben, eine wirksame Zusammenarbeit zwischen den Justizbehörden beider Länder wurde in Gang gesetzt. Das gemeinsame Ermittlungsteam wird faktisch durch die verstärkte Zusammenarbeit ersetzt» Die Rückberufung seiner Person findet der Diplomat nicht falsch: «Es war weder eine drastische noch eine übertriebene Geste.»
Cornados Fokus liegt jetzt auf der Unterstützung der Familien: «Mein Auftrag – der Auftrag, den ich von der Regierung erhalten habe – besteht darin, den Familien zur Seite zu stehen, ihnen durch meine Kontakte zu Anwälten sowie zu Bundes- und Kantonsbehörden zu helfen und sie in ihrem Streben nach Wahrheit und Gerechtigkeit zu unterstützen. Das hat für uns alle oberste Priorität – auch für die Schweiz.»
Wie stark die Italiener nach der Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation Druck gemacht haben, wird unter anderem im Artikel meines Kollegen Daniel Ballmer deutlich. Diesen findest du hier.
Brandopfer Pauline (27): «Werde mich nicht selbst bemitleiden»
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Seit mehr als drei Monaten kämpft die junge Französin Pauline (27) um ihr Leben. Sie liegt seit rund 100 Tagen in einem Zürcher Spital. Fast 60 Prozent ihres Körpers sind verbrannt. Anderthalb Monate lag sie im Koma, berichtet ihr Vater der französischen Zeitung «Le Parisien». Die junge Frau soll ausgesehen haben wie eine Mumie. Etwa zwanzig Operationen seien nötig gewesen.
«Es dauerte zweieinhalb Monate, bis sie sagten, dass ihr Leben nicht mehr in Gefahr sei», sagt der Mann. Seine Tochter sei eine «kleine Kriegerin». Erst am vergangenen Freitag machte sie erstmals seit der schlimmen Silvesternacht wieder Schritte – sechs Stück.
Pauline selbst findet, dass über die Schwerverletzten, die sich noch immer auf der Intensivstation befinden, nicht genug gesprochen wird. Ihre Aussagen machen klar, warum ihr Vater sie als Kämpferin bezeichnet. «Mir geht es gut, ich fühle mich gut. Ich werde mich nicht selbst bemitleiden. Ich weiss, dass ich grosse Fortschritte mache, und ich bleibe motiviert.»
In Kürze soll sie in ein französisches Spital verlegt werden. Ihr Vater ist optimistisch. «Meine Tochter beeindruckt mich mit ihrem Willen. Sie ist eine Kämpferin mit Nerven aus Stahl, das hält sie am Leben.»
Mittlerweile werden unter den Opferfamilien erste Schadenersatzforderungen laut. Zwei Geschwister aus der Westschweiz fordern je 25 Millionen Franken von allen, gegen die eine Strafuntersuchung läuft.
«Ohne diese Person wäre ich tot»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Esteban (17) entkam nur knapp dem Tod. Als er auf der überfüllten Treppe im Le Constellation das Bewusstsein verlor, rettete ihm ein Helfer in letzter Sekunde das Leben. Bis heute weiss der Jugendliche nicht, wer ihn aus der Inferno-Bar gezogen hat, wie er im Gespräch mit «24 heures» erzählt. «Ohne diese Person, die mich herausgezogen hat, wäre ich tot. Und ich weiss bis heute nicht, wer das war.»
Esteban erinnert sich daran, wie er versuchte, aus dem Lokal zu fliehen. Doch er wurde auf der Treppe eingeklemmt. «Ich war wirklich mittendrin, wurde in der Mitte der Treppe zusammengedrückt und schliesslich auf den letzten Stufen zerquetscht», erinnert er sich. Die Menschenmenge schützte ihn paradoxerweise vor noch schwereren Verletzungen, da sein Körper durch die vielen Fliehenden gewissermassen abgeschirmt wurde.
Trotzdem ist der Weg zurück ins Leben hart. Der Gymnasiast erlitt Verbrennungen an 20 Prozent seines Körpers und verlor seit der Katastrophe zehn Kilogramm an Gewicht. Der Monat, den er im Unispital Lausanne verbrachte, war geprägt von intensiven medizinischen Behandlungen gegen Muskelschwund. Sein Körper brauchte «viel Energie, um sich zu regenerieren», wie die Ärzte ihm erklärten. Esteban musste täglich zwischen 4000 und 5000 Kalorien über eine Sonde zu sich nehmen und durchlief «fünf oder sechs Hauttransplantationen» an den Händen. Mittlerweile konnte er seine Schule wieder aufnehmen, muss jedoch das Schuljahr wiederholen.
Auch Roze erlitt beim Brand am 1. Januar schwere Verletzungen. Mit meinen Kollegen Léo Michoud und Nicolas Lurati hat sie über die schreckliche Nacht gesprochen.
Walliser Staatsanwaltschaft verursacht nächsten Eklat
Von Gabriel Knupfer, Redaktor Nachtdienst
Die Ermittler des Infernos in Crans-Montana haben sich bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Nun wird schon wieder eine grosse Panne bekannt. Bei der Übermittlung der Akten an die Opferanwälte waren alle Anrufe an die Notrufzentrale des Kantons in der Brandnacht als Audiofiles beigefügt, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.
Unter den Anrufen an die Notrufnummer 144 war beispielsweise auch ein Anruf aus Verbier VS. 50 bis 100 Opferanwälte erhielten diese sensiblen Daten. Die Folge: Kurz nachdem die Files bei den Anwälten waren, landeten sie in der Presse. Deshalb hat die kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) jetzt Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.
Das Berufsgeheimnis, das Dienstgeheimnis sowie das Datenschutzgesetz seien verletzt worden, sagt die KWRO. Die Anzeige richtet sich nicht nur gegen die Anwälte, die möglicherweise die Akten weitergegeben haben. Auch die Staatsanwaltschaft und die ermittelnden Polizisten sind betroffen, weil sie die Audiodateien vor der Übergabe nicht getrennt haben.
Diese Anzeige könnte laut «SonntagsZeitung» weitreichende Folgen haben: Wenn sie durchkommt, müssen die Staatsanwaltschaft und die Polizisten den Fall Crans-Montana abgeben.
Auch Blick thematisierte immer wieder das Versagen der Behörden im Fall Crans-Montana. Im Februar schrieb Chefredaktor Rolf Cavalli nach den Tumulten vor dem Gerichtsgebäude von einem «neuen Tiefpunkt».
Italienischer Botschafter kehrt in die Schweiz zurück
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Im diplomatischen Konflikt zwischen der Schweiz und Italien in Hinblick auf die Walliser Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Crans-Montana scheint sich eine erste Beruhigung abzuzeichnen. Der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado wird in die Schweiz zurückkehren, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Gegenüber Blick hatte Cornado seine Rückkehr bereits angedeutet.
Aussenminister Antonio Tajani teilte dies nach einem Treffen zwischen Regierungsvertretern und den Angehörigen der Brandopfer am Donnerstag in Rom mit. Zusammen mit Premierministerin Giorgia Meloni sei die Rückkehr des Botschafters vereinbart worden. Vor zwei Monaten war Cornado aus Protest gegen die Walliser Ermittlungen zur Brandkatastrophe abgezogen worden.
«Ich erinnere mich nicht daran, Moretti informiert zu haben»
Von Johannes Hillig, Redaktor am Newsdesk
Plötzlich ist die Erinnerung weg! Der Hotelier Jean-Daniel Clivaz, der ursprünglich behauptet hatte, Barbetreiber Jacques Moretti vor den Gefahren des schallabsorbierenden Schaums gewarnt zu haben, ruderte am Montag bei einer Befragung durch die Ermittler zurück.
«Ich erinnere mich nicht daran, Moretti über den gefährlichen Schaum informiert zu haben. Während dieser Befragungen war ich verwirrt, emotional aufgewühlt und litt unter Schlafmangel», erklärte Clivaz laut «20 Minuten».
Der schallabsorbierende Schaum, mit dem die Decke der Bar verkleidet war, entzündete sich, als pyrotechnische Kerzen auf den Tischen Feuer fingen.
Woher dieser Schaum stammt, ist eine zentrale Frage bei den Ermittlungen. Betreiber Jacques Moretti hat falsche Angaben zur Herkunft des gefährlichen Schaumstoffs gemacht. Nun stehen die Ermittler wieder vor einem Rätsel. Mehr dazu findest du hier.
Nächstes Moretti-Verhör verschoben – «eine Schande»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Die Ermittlungen zum Inferno von Crans-Montana verzögern sich. Die für den 7. April geplante Anhörung von Jacques Moretti wurde kurzfristig und auf unbestimmte Zeit verschoben, wie der «Corriere del Ticino» zuerst berichtete.
Grund dafür sind ärztliche Atteste, die seine Teilnahme verhindern. Die Schreiben liegen Blick vor. In einem Dokument erklärt der Arzt des Bar-Betreibers, dass Jacques Moretti «infolge des posttraumatischen Schocks nach dem Brand am 1. Januar und seiner anschliessenden Inhaftierung unter einer Depression leidet.» Es sei für den Franzosen deshalb schwierig, sich Verhören zu unterziehen.
Patrick Michod, Anwalt von Jacques Moretti, betont, dass sein Mandant Morddrohungen bekomme und einem ausserordentlichen Mediendruck ausgesetzt sei. «Er leidet an Angstzuständen.»
Die Gegenseite reagiert kritisch auf die Termin-Annullation. Die kurzfristige Absage irritiert einen Opferanwalt. «Woher sollten sie eine Woche im Voraus wissen, dass er nicht kommen kann? Ausserdem ist mir nicht bekannt, dass ein externer Arzt mit der Überprüfung der Echtheit der eingereichten Atteste beauftragt wurde. Das ist eine Schande.»
Jacques Moretti sollte am Dienstag zum dritten Mal von der Staatsanwaltschaft vernommen werden. Seine letzte Anhörung fand am 11. Februar statt. Damals formierten sich die Opferfamilien vor der Örtlichkeit und beschimpften die Morettis vor ihrer Befragung. «Ihr habt meinen Sohn getötet», rief eine Mutter Jessica Moretti zu. Damals wurde die Befragung vorzeitig abgebrochen, um ein erneutes Zusammentreffen zu vermeiden.
«Die Ärzte sagten mir jeden Tag, dass sie in wenigen Stunden sterben könnte»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newdesk
90 Tage sind seit dem Inferno von Crans-Montana vergangen. Die Opfer und ihre Familien kämpfen nach wie vor mit den schlimmen Folgen, die das Unglück anrichtete.
Eine der Betroffenen ist die 19-jährige Anaïs. Sie erlitt bei dem Feuer schwere Verbrennungen an 70 Prozent ihres Körpers. Für ihre Mutter Julie ist der Alltag seither ein ständiger Kampf, wie sie im Gespräch mit dem RTS-Format La Matinale schildert. «Sie lag acht Wochen im künstlichen Koma – ihr Leben hing die ganze Zeit am seidenen Faden. Die Ärzte sagten mir, dass sie in wenigen Stunden sterben könnte.»
Die Jugendliche wurde nach der Katastrophe zur Behandlung nach Hannover in Deutschland verlegt.
«Medizinisch ist sie stabil, aber sie leidet weiterhin unter den Folgen der schweren Verbrennungen. Beide Hände sind stark betroffen, sie kann sie nicht benutzen.»
Julie hat sich seit dem Unglück ein Hotelzimmer in der Nähe des Spitals genommen, um bei ihrer Tochter sein zu können. «Ich wohne seit drei Monaten hier. Wir wollten so nah wie möglich bei ihr sein», sagt sie. Doch die Entfernung zur Schweiz, die Sprachbarriere im Spital und das Fehlen psychologischer Unterstützung in Französisch machen die Situation schwierig. «Anaïs fühlt sich isoliert. Sie leidet unter Schmerzen und der Erkenntnis, dass ihr Leben nie wieder so sein wird wie vorher. Sie fühlt sich allein und will einfach nach Hause und ihre Freunde sehen.»
Seit dem 10. März gilt Anaïs' Zustand als stabil genug, um sie in die Schweiz zu verlegen. Doch trotz mehrfacher Zusicherungen des Universitätsspitals Lausanne (CHUV), dass eine Rückführung «in den kommenden Tagen» organisiert werde, ist bisher nichts geschehen.
Die Mutter kritisiert die Schweizer Behörden scharf: «Sie sagen mir, dass sie im Falle weiterer Unfälle Leute ins Ausland schicken müssen. Können Sie das glauben?»
Auch die geplante Transplantation ihrer Tochter musste wegen der unklaren Situation um Wochen verschoben werden. «Ihr müssen die Fingerglieder amputiert werden. Wir hätten das lieber in der Schweiz machen lassen, denn ohne psychologische Unterstützung in Französisch wird es schwierig.»
Die Generaldirektorin des CHUV, Claire Charmet, räumt im Gespräch mit RTS ein, dass die begrenzte Verfügbarkeit von Betten für Schwerbrandverletzte und die Notwendigkeit, Kapazitäten für Notfälle freizuhalten, die Rückführung verzögert haben. Man arbeite jedoch mit dem Universitätsspital Zürich zusammen, um eine Lösung zu finden.
Gegenüber RTS bestätigte die Mutter, dass sie kürzlich einen Anruf vom Lausanner Unispital erhalten hat, in dem eine baldige Rückführung in die Schweiz in Aussicht gestellt wurde.
«Eine Minute und 30 Sekunden haben mein ganzes Leben verändert»
Von Marian Nadler, Redaktor am Newsdesk
Der Genesungsweg der Opfer der Brandkatastrophe in Crans-Montana VS ist lang. Auf Facebook gibt die Französin Mélanie Van de Velde (32) immer wieder Einblick in ihren Alltag. Am Sonntag veröffentlichte sie einen weiteren Post.
«Es sind neun Wochen. Neun Wochen seit jener eine Minute und 30 Sekunden, die mein ganzes Leben verändert haben», beginnt der Beitrag. So lange habe es gedauert, bis die Flammen versucht hätten, Mélanie zu töten. «Bis mein Körper kippte. Bis nichts jemals mehr so sein würde wie zuvor.»
Van de Velde lebt im Wallis, wurde nach der Tragödie zunächst in Zürich medizinisch versorgt und später in ein Spital ins französische Nantes verlegt. «Ich habe den Tod gesehen. Ganz nah. Nah genug, um zu glauben, dass ich es nicht schaffen würde. Und trotzdem … bin ich hier. Nicht unversehrt. Nicht wie früher. Aber am Leben», heisst es in dem Facebook-Post weiter. Manche ihrer Nächte würden um 5 Uhr morgens enden, weil der Schmerz zu stark sei, berichtet sie. «Es ist, im Rollstuhl zu enden, weil selbst ein Bett unerträglich wird. Es sind Verbände, jeden Tag. Eine Haut, die noch immer brennt. Ein Körper, den man neu bewohnen lernen muss», ergänzt sie.
Dem Beitrag hat sie ein Bild von mehreren Orthesen beigefügt. Immer und immer wieder müsse sie diese anlegen und wieder abnehmen. Für ihr Gesicht hat sie zwei Kompressionsmasken bekommen. «Hilfsmittel, die jetzt zu mir gehören. Zu meinem Alltag. Zu meinem Wiederaufbau.»
Hinzu kommen unzählige Termine bei Spezialisten. Sie zählt auf: Physiotherapie, Ergotherapie, Orthopädie, Psychologe. Ihr Leben ist jetzt ein Kampf: «Für manche sind 4000 Schritte banal. Für mich ist es gewaltig.» Hinter jedem Schritt würden Schmerz und Erschöpfung stehen. «Normale Dinge sind für mich zu Siegen geworden.»
Am meisten fehle ihr in dieser Zeit ihre Tochter, die sie zuletzt am 12. Februar gesehen habe. «Seitdem gab es Stille. Abwesenheit. Ein Vermissen, das einem die Kehle zuschnürt. Man kann einen Körper heilen. Man kann einen Wiederaufbau begleiten. Aber man heilt keine Mutter, die von ihrem Kind getrennt ist.»
Aus dem Post geht nicht hervor, wieso Van de Velde ihre Tochter so lange nicht mehr gesehen hat. Die Französin deutet ein Treffen an. Denn inmitten all dieses Chaos … ist sie meine Kraft. Ist sie mein Sinn. Ist sie mein Leben», endet der Post.