Darum gehts
- Italienischer Botschafter kehrt Anfang April nach Bern zurück
- Meloni scheitert mit Justizreform, Zusammenarbeit auf Justizebene funktioniert
- Botschafter Cornado bleibt nur bis Sommer im Amt
Nach drei Monaten diplomatischer Eiszeit deutet sich zwischen Rom und Bern ein Tauwetter an: Wie Blick aus Diplomatenkreisen erfahren hat, wird der italienische Botschafter Gian Lorenzo Cornado (66) sein Exil in Rom beenden und Anfang April nach Bern zurückkehren. Erwartet wird, dass der italienische Botschafter bei einem Gedenkanlass am 1. April – drei Monate nach der Silvester-Tragödie – in Bern dabei sein wird.
Die Rückkehr markiert das Ende einer Phase demonstrativer Distanz, die in beiden Hauptstädten für Stirnrunzeln sorgte. Nun folgt auf die römische Eiszeit ein Berner Frühling – nicht zuletzt, weil die Zusammenarbeit auf Justizebene besser funktioniert als öffentlich dargestellt.
Meloni verliert Abstimmung über Justizreform
Dem Vernehmen nach läuft die Kooperation zwischen der römischen und der Walliser Staatsanwaltschaft gut. Erst diese Woche kam es in Sitten VS zu einem zweiten Treffen der Ermittler. Entgegen anderslautenden politischen Signalen aus Rom zeigt sich die italienische Justiz zufrieden mit dem Austausch. Eine gemeinsame Ermittlungsgruppe wurde zwar von der italienischen Politik im Vorfeld lautstark gefordert, aber weder von der Justiz gewünscht noch formell beantragt.
Damit verliert auch die scharfe Rhetorik aus Rom an Boden. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni (49) ist mit ihrer umstrittenen Justizreform gescheitert. Nach der verlorenen Abstimmung braucht sie Crans-Montana VS nicht mehr, um damit innenpolitisch zu punkten. Hinzu kommt: Botschafter Gian Lorenzo Cornado ist ohnehin nur noch bis zum Sommer in Bern. «Würde er jetzt nicht zurückkehren, würde eine Rückkehr gar keinen Sinn mehr ergeben», meint ein Diplomat.
Tessiner Polemik: Botschafter soll Pasta all'amatriciana essen
Cornados Abwesenheit hatte für erhebliche Polemik gesorgt. Während einige die Abwesenheit verteidigten und Melonis Kritik am Walliser Vorgehen teilten, lästerte FDP-Nationalrat Alex Farinelli (44), der italienische Botschafter solle in Rom weiter Pasta all'amatriciana essen. Mit der Rückkehr des Botschafters dürfte sich die Lage zwischen Rom und Bern weiter entspannen.
Botschafter Cornado bestätigt gegenüber SonntagsBlick, dass das Treffen zwischen der römischen und der Walliser Staatsanwaltschaft diese Woche positiv verlaufen sei und er nun auf eine Entscheidung der italienischen Regierung bezüglich seiner Rückkehr nach Bern warte.
Im Aussendepartement kommt das gut an: «Bundesrat Ignazio Cassis ist im ständigen Austausch mit seinem italienischen Kollegen Antonio Tajani», sagt EDA-Sprecher Michael Steiner. «Bundesrat Cassis würde sich freuen, wenn Botschafter Cornado bald nach Bern zurückkehrt.»