Darum gehts
- Trump sprach am Mittwoch beim WEF in Davos.
- Er lobte Macron, verspottete Keller-Sutter und sprach wirr über Grönland.
- Trumps Rede dauerte fast zwei Stunden und sorgte für Kritik in der internationalen Presse.
Die Rede von US-Präsident Donald Trump führte am Mittwoch durch eine ganze Reihe an Themen. Teilweise wurde es aber auch wirr. So verwechselte er Grönland zeitweise mit Island, lobte die «wunderschöne» Sonnenbrille von Emmanuel Macron und spottete über Karin Keller-Sutter (62). Die Rede wurde von zahlreichen internationalen Medien kommentiert – mit unterschiedlichem Fokus. Blick liefert dir die Pressestimmen zu Trumps Gaga-Rede.
«The Guardian» (Grossbritannien)
«Trumps Rede trug eindeutig die Handschrift von Stephen Miller, dem stellvertretenden Stabschef des Weissen Hauses und Architekten seiner drakonischen Einwanderungspolitik. Sie stand im Einklang mit dem gesamten Diskurs über weisse Identitätspolitik, der in der US-amerikanischen Rechten brodelt.
Trumps rechtsextreme Verbündete sind seit einiger Zeit besorgt, dass er sich zu sehr auf globale Eroberungspläne – Iran, Venezuela, Grönland – konzentriert und dabei sein Credo ‹America first› aus den Augen verliert. Am Mittwoch richtete er sich zwar an die wohlhabenden Eliten in Davos, aber wie immer war seine eigentliche Zielgruppe das Publikum zu Hause. Die Botschaft: Ich bin immer noch die grosse, weisse Hoffnung.»
«Die Welt» (Deutschland)
«Donald Trump ist ein Vollprofi. Vielleicht nicht als Politiker. Aber mit Sicherheit als Entertainer. Der US-Präsident trifft in Davos mit führenden Köpfen aus Politik und Wirtschaft zusammen – und brüskiert nahezu alle Anwesenden. Wahrheit und Dichtung gingen in seiner langen, mit Hochspannung erwarteten Rede munter durcheinander. Das war unterhaltend und nicht ohne Witz – aber vor allem beängstigend, schliesslich handelt es sich um den Mann auf dem mächtigsten Posten der Welt.»
«Der Standard» (Österreich)
«Die nahezu zwei Stunden, in denen ausschliesslich Donald Trumps Stimme in Davos zu hören war, haben auf schonungslos-schmerzhafte Weise gezeigt, wie wenig Substanz hinter der Maske vorhanden ist. Lügen, Geschichtsfälschung, ein Zurechtbiegen von Vergangenem – einzig erkennbares zentrales Thema zwischen zunehmend wirren Anekdoten, Erzählungen und Wiederholungen ist Grönland.»
«Wall Street Journal» (USA)
«Die Angriffe treffen die Teilnehmer in Davos hart, denn sie wissen, dass sie stärker von den USA abhängig sind, als ihnen lieb ist, und dass sie selbst daran schuld sind. Selbst jetzt, wo Herr Trump die amerikanische Unterstützung für Verbündete infrage stellt, gehen viele von ihnen davon aus, dass die einzige Alternative eine engere Annäherung an China ist, zumindest wirtschaftlich.»
«The Indian Express» (Indien)
«Tatsächlich profitiert Amerika am meisten von der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Weltordnung. Kein anderes Land der Welt hat in der Geschichte jemals so viel Reichtum und Macht erlangt. Doch Trump ist entschlossen, diese Ordnung zu untergraben, um Amerikas früheren Glanz wiederherzustellen. Das ist unwahrscheinlich, nicht weil Amerika seine Machtposition verloren hätte, sondern weil seine relative Macht innerhalb des Systems mit dem Aufstieg der anderen Länder weiter schwinden wird.»
«El Pais» (Spanien)
«Falls noch weiterer Beweis nötig war, hat Donald Trumps gestrige Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos die wachsende Kluft zwischen den Worten des US-Präsidenten und der Realität deutlich aufgezeigt. Ungenauigkeiten, wenn nicht gar Lügen, unangebrachte Bemerkungen, ein prahlerischer Ton und direkte Drohungen rufen nicht länger Erstaunen und Besorgnis hervor, sondern Irritation, Müdigkeit und Widerspruch, wie einige westliche Staats- und Regierungschefs in den letzten Stunden innerhalb und ausserhalb des Forums zum Ausdruck brachten.
Die chaotischen Interventionen vor der globalen Wirtschaftselite reichten von Grönland, den Wahlen 2020, den über Kurdistan gesichteten Raketen, der US-Strategie im Zweiten Weltkrieg, der Inflation, sehr teuren Schweizer Uhren und den angeblich guten Absichten Wladimir Putins, von dem er behauptete, er habe nicht in die Ukraine einmarschieren wollen und leide sehr unter den aktuellen Ereignissen.
Doch bei Trump ist es gefährlich, sich auf seine eigenwillige Logik zu verlassen. Die Krise mit Europa, die der US-Präsident in Bezug auf die grönländische Souveränität bewusst herbeigeführt hat, ist das beste Beispiel für seinen Zynismus. Er wolle, so sagte er in Davos, lediglich ‹ein Stück kaltes Eis in einer sehr ungünstigen Lage› von Dänemark erwerben, ‹einem sehr schönen Land›, das nicht in der Lage sei, sein Territorium zu verteidigen. Daher sehe sich Trump verpflichtet, das Militär ‹zum Schutz der grönländischen Bevölkerung› zu entsenden. Selbst Putin entwickelte eine komplexere Begründung für den Einmarsch in die Ukraine.»