Darum gehts
- Der Altweibersommer bringt in Mitteleuropa milde Temperaturen und klare Sicht
- Der Begriff stammt von Spinnweben, die wie silbernes Haar schimmern
- Aktuell sind 25 Grad im Flachland, normal wären etwa 20 Grad
Kaum ist der Hochsommer vorbei, tauchen sie wieder auf. Alle reden von Begriffen wie Altweibersommer, goldener Oktober oder auch Martinisommer, doch was bedeuten sie?
Was es unter anderem mit diesen Schönwetterphasen im kalendarischen Herbst auf sich hat, erklärt Meteorologe Roger Perret von Meteo News. «Stabile Hochdruckwetterlagen im Herbst haben ihre eigenen Namen – und viele Geschichten», sagt er.
Fast jedes Jahr gibt es den Altweibersommer
Laut Perret tritt der Altweibersommer fast jedes Jahr in Mitteleuropa auf, meist zwischen Ende September und Mitte Oktober. «Klare, trockene Luft aus einem Hochdruckgebiet sorgt dann für milde Temperaturen und beste Fernsicht und zunehmend prachtvolle Herbstfarben, da die Blätter sich verfärben und fallen», so der Meteorologe.
Der Name «Altweibersommer» stammt von Spinnweben, die in den kühleren Nächten Tautropfen sammeln und im Sonnenlicht wie silbernes Haar schimmern. Die Bezeichnung gibt es seit etwa 1800 und ist nicht abwertend gemeint – «alt» bedeutet hier schlicht «spät».
Stabiles Wetter und bunte Farben
Im Oktober spricht man oft vom «goldenen Oktober», wenn das Wetter weiterhin stabil bleibt und die Bäume in bunten Farben leuchten. Der sogenannte Indian Summer in Nordamerika ist ein ähnliches Phänomen, wirkt dort jedoch farbintensiver, da amerikanische Bäume mehr Farbstoffe produzieren, um sich vor der stärkeren Sonneneinstrahlung zu schützen.
In der Schweiz hingegen ist der Himmel oft bewölkt, darum sind die Herbstfarben bei uns weniger auffällig. Und was, wenn der Herbst sich bis in den November hinein von seiner sonnigen Seite zeigt? «Dann ist vom Martinisommer die Rede, benannt nach dem heiligen Martin von Tours, dessen Gedenktag am 11. November gefeiert wird», erklärt der Experte.
Martinisommer in den Bergen
Die Legende besagt, dass es bei der Überführung seines Leichnams im Jahr 397 ausserordentlich warm war und die Bäume erneut zu blühen begannen. Allerdings zeigt sich diese Witterung meist nur in höheren Lagen von ihrer besten Seite, während das Flachland oft im Nebel versinkt.
Aktuell ist vom Herbst noch nicht viel zu sehen, betont Perret. Die Temperaturen sind sogar für den Altweibersommer noch etwas zu hoch. «Normal wären so um die 20 Grad», sagt er. Im Gegensatz zum richtigen Sommer wird es nun aber immerhin in den Nächten deutlich kühler, da diese immer länger werden.
Nicht viel los in Sachen Wetter
Noch bis Mitte nächster Woche bleibt es tagsüber schön und warm. «Im Flachland ist es um die 25 Grad», so der Meteorologe. Die zweite Wochenhälfte dürfte einige Schauer und eine kleine Abkühlung bringen. «Da sprechen wir aber nur von ein paar ‹Grädli›. Herbstlich kalt wird es noch nicht», so Perret.
Auch die Trockenheit bleibt weiter ein Thema. Das betreffe laut dem Meteorologen vor allem die Pegel der Seen und Abflussmengen der Flüsse, die für die Jahreszeit vielfach rekordtief sind, so Perret. Das könne insbesondere im Hinblick auf den Winter zum Thema werden, weil auch die Stauseen viel zu wenig befüllt sind und so weniger Strom produziert werden kann. Ansonsten zeigt sich das Wetter von einer unspektakulären Seite. Rausgehen und das Wetter geniessen lautet also hier die Devise.