Darum gehts
- Aldi Schweiz angeklagt: Bio-Lachs-Preis nicht dauerhaft gesenkt wie versprochen
- Seco sieht Verstoss gegen UWG, fordert von Aldi Stellungnahme zum Preisanstieg
- Preis von 6.89 auf 7.45 Franken gestiegen, ursprünglicher Preis 8.49 Franken
Die Discounter der Schweiz liefern sich ein Wettrennen nach unten. Alle wollen sie das billigste Brot anbieten, das günstigste Fleisch offerieren, den erschwinglichsten Fisch verkaufen. Doch es fragt sich, inwiefern sich die Detailhändler an ihre Verkaufsversprechen halten. Aldi sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, irreführende Werbung verbreitet zu haben. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) kündigt eine Intervention beim Grossverteiler an.
Anstoss des Ärgers ist ein Stück Bio-Lachsfilet mit Haut (200 g). Im August 2025 liess Aldi die Werbetrommel rühren und verkündete, das 200-Gramm-Lachsfilet koste künftig nicht mehr 8.49, sondern nur noch 6.99 Franken. Einen Monat später drehte der Discounter erneut an der Preisschraube und ging weitere 10 Rappen runter auf 6.89 Franken. Beide Male prangte über der Anzeige dasselbe grosse Versprechen: «Wir reduzieren dauerhaft die Fischpreise.» Nur waren diese Preise dann eben doch nicht von Dauer. Inzwischen kostet dieselbe Packung Lachs wieder 7.45 Franken.
Irreführende Werbung?
Für das Seco riecht der angehobene Lachspreis nach einem Verstoss gegen das UWG, das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Die Behörde stellt auf Anfrage klar: «Wird ein Preis in der Werbung als ‹dauerhaft› reduziert bezeichnet, so setzt dies voraus, dass der kommunizierte Preis tatsächlich auf unbeschränkte Zeit beibehalten wird und nicht zu einem späteren Zeitpunkt wieder angehoben wird.»
Genau das aber ist geschehen. Der Sprung von 6.89 auf 7.45 Franken bringt die Werbeaussage laut Seco ins Wanken: Sie stimmt schlicht nicht mehr mit den tatsächlichen Verhältnissen überein. Letztlich aber müsste ein Gericht beurteilen, ob in diesem Fall eine unrichtige oder irreführende Angabe gemäss UWG vorliegt. Das Seco sieht vorerst von einer juristischen Eskalation ab und kündigt an, es werde Aldi anschreiben und darauf hinweisen, dass «diese Geschäftspraktik unseres Erachtens gegen das UWG verstösst».
Aldi wiederum rechtfertigt seine nicht ganz so dauerhaften Preissenkungen: «Da Lebensmittel häufig Marktschwankungen unterworfen sind, ist es in der Branche üblich, Verkaufspreise bei Bedarf anzupassen.» Ausserdem liege der aktuelle Preis mit 7.45 Franken immer noch unter dem ursprünglichen Verkaufspreis von 8.49 Franken. Versprochen waren aber 6.89 Franken. Der Discounter definiert eigenmächtig, inwiefern seine Preise dauerhaft sind.