Darum gehts
Das geplante Kopftuchverbot für Lehrerinnen und Schülerinnen im Kanton Zürich sorgt für Zündstoff. Der politische Auftrag dazu ist Ende August knapp im Zürcher Kantonsrat beschlossen worden. Während die Befürworter den Schutz und die Gleichstellung von Mädchen ins Zentrum stellen, warnen die Gegner vor Diskriminierung.
Unmittelbare Folgen für den Schulalltag hat der Entscheid vorerst nicht. Zunächst muss der Regierungsrat innerhalb von zwei Jahren eine konkrete Vorlage erarbeiten. Diese muss anschliessend erneut politisch beraten werden. Jedoch tobt der bekannte Tiktoker Besnik K.* bereits jetzt. Er wurde mit dem Aufruf, Badis zu meiden, bekannt. Nun fordert er seine Glaubensgenossen zur Auswanderung auf. Mit drastischen Worten.
Widerstand gegen Verbot
Gegen das drohende Kopftuchverbot formiert sich Widerstand: Ausgerechnet salafistische Kreise ziehen das Thema an sich. Ein Referendum soll ergriffen werden, gestützt von Personen aus dem Umfeld des salafistisch-islamistisch eingestellten Islamischen Zentralrats Schweiz (IZRS), wie Blick enthüllt hat.
Der Islam-Fluencer Besnik K., auf Tiktok bekannt unter «only1msg», ist wütend und fordert Muslime auf, die Schweiz zu verlassen: «Alle gläubigen Muslime sollten nicht nur mit dem Gedanken spielen, sondern alles dafür tun, um dieses Land zu verlassen und in ein Land zu ziehen, wo Muslime leben. Wo wir fünfmal am Tag Adhan hören.» Adhan ist der islamische Gebetsruf. «Wo wir nicht erklären müssen, warum wir Bart tragen.»
Influencer aus der Innerschweiz
In seiner Tiktok-Tirade zieht er aber nicht nur über den Entscheid selbst her, sondern auch über gleichgeschlechtliche Partnerschaften und er kritisiert Toiletten für Trans-Personen: Während für «Transen» eigene WCs gebaut werden und man akzeptieren müsse, dass es 500 Geschlechter gibt, «verbieten sie unseren Schwestern, den Hidschab zu tragen.»
Der Tiktoker verbreitet schon länger problematisches Gedankengut. Erst vor rund zwei Monaten warnte er Muslime davor, in die Badi zu gehen. Wer in die Badi gehe, sündige. Nacktheit, Musik, Alkohol. All das sei nichts für einen richtigen Muslim.
Die Aufforderung zur Auswanderung ist eindeutig: «Wenn du Allah und deine Religion und unseren Propheten liebst, stehst du auf und machst alles in deiner Macht Stehende, um das Land zu verlassen.» Er selbst habe für sich entschieden, seine Kinder nicht in der Schweiz aufwachsen zu lassen. Wohin er jedoch gehen will, verrät er nicht.
Dafür wird er zum Schluss besonders dramatisch: «Wenn ihr euch und eure Familien vor dem Höllenfeuer schützen wollt, dann müsst ihr eure Sachen packen und von hier verschwinden.»
Dabei ist K. Schweizer und wohnt in der Innerschweiz – ist also vom Zürcher Verbot nicht betroffen. Auf Anfragen von Blick reagierte er nicht.
Auch moderate Muslimas kritisieren Entscheid
Es gibt aber auch Wortmeldungen von jungen Muslimas, die das Kopftuchverbot kritisieren. So fasst die Tiktokerin Yasi zusammen: «Ich verstehe nicht, wieso ein Kopftuch so viele Menschen triggert.» Die Entscheidung würde Frauen unterdrücken: «Wieso reicht die Selbstbestimmung der Frau nur bis zum Hals?»
Vera Celik, SP-Gemeinderätin aus Zürich, erklärt auf Tiktok: «Frauen werden ihr Kopftuch nicht ablegen, nur weil es ihnen verboten wird.» Sie ruft unterrepräsentierte Personengruppen dazu auf, sich in der Politik zu engagieren.
*Name geändert