«Frage mich, wie es hier in fünf Jahren aussieht»
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Badi-Besucher besorgt:«Frage mich, wie es hier in fünf Jahren aussieht»

Badigäste in Ermatingen TG planschen im seichten Wasser
«Können wir bald von hier nach Deutschland rüberlaufen?»

Die Badi in Ermatingen kämpft gegen einen historisch tiefen Pegelstand. Blick besuchte die Badi am Samstag, der sich wie ein Tag in der Nebensaison anfühlt. Die Gastro leidet, die Badegäste freuen sich dennoch über Ruhe am Wochenende.
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Markus Vollenweider (48) zeigt den mickrigen Pegelstand: 70 Zentimeter weit draussen.
Foto: Sandro Zulian

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Badi Ermatingen TG leidet unter extrem tiefem Bodensee-Wasserpegel.
  • Nur 70 cm Wasserhöhe gemessen, Schlamm und wenige Gäste.
  • Familie geniesst Ruhe: Kinder spielen, Vater schätzt «exklusive» Nutzung.
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Sandro ZulianReporter News

Gähnende Leere herrscht am Samstagvormittag in der Badi in Ermatingen TG. Das Freibad am Bodensee machte diese Woche Schlagzeilen, weil der Badi-Chef verzweifelt in die Kamera sagte: «Seit vier Wochen kommen keine Gäste mehr.» Der Wasserpegel des Bodensees hat einen historischen Tiefstwert erreicht. 

An diesem Wochenende ist das zunächst nicht gross anders. Die Badi Ermatingen präsentiert sich ruhig, ab und zu rauscht eine Gruppe Velofahrer vorbei. Die grosse Terrasse mit Bistro liegt ruhig im Schatten, eine Handvoll Gäste geniesst eine späte Tasse Kaffee.

Neben der Terrasse liegt ein grosser Sand-Volleyballplatz und an dessen Ende: nichts ausser Schlamm und Dreck. Weit draussen, deutlich weiterer entfernt als gewöhnlich, glitzert der Bodensee in der Morgensonne. Ein leichter Gestank nach Schlamm und Moder steigt einem in die Nase. 

«Wären mit der Nase wohl im Wasser»

Draussen steht Markus Vollenweider im knapp hüfthohen Wasser. Der 48-Jährige arbeitet hier im Strandbad Ermatingen an der Bistro-Kasse. Er hat einen Zollstock in der Hand und misst das Wasser – 70 Zentimeter. «Der Wasserpegel ist deutlich tiefer als sonst. Wo wir hier stehen, wären wir normalerweise wohl mit der Nase bereits im Wasser.» 

Markus Vollenweider (48) vom Strandbad Ermatingen TG misst den Wasserstand weit draussen vor dem Bad.
Foto: Sandro Zulian

Der tiefe Pegel des grossen Bodensees besorgt nicht nur ihn, sondern das ganze Team des Strandbades. «Es ist wirklich viel weniger. Das ist schade. Wir sind parat und eigentlich hier für mehr Gäste.» In der Hochsaison sehe das oft ganz anders aus, sagt Vollenweider: «Manchmal hat es eine Schlange bis ums Haus herum!» Das einzig Positive aktuell: «Dafür hat man hier die Ruhe. Andere Badis sind jetzt wohl überlaufen.»

Dreckige Kanuten kommen zum Zmittag

Im hinteren Teil des Bades markieren grosse Steine das eigentliche Ufer des Bodensees. Von dort ist plötzlich angestrengtes Stöhnen zu hören. Eine Gruppe Kanuten paddelt wortwörtlich händeringend durch den Matsch. 

Kommen in die Badi zum Zmittag: Kanuten legen im Dreck an.
Foto: Sandro Zulian

Der Chef der Kanutengruppe, Walter Dörig aus Braunau (59) vom Paddel-Club Kreuzlingen macht seinen Schützlingen Beine. «Wir wollen mittagessen, das haben wir uns verdient!» Angestrengt schleppen die Paddlerinnen und Paddler ihre Boote an Land, erklimmen die Steine, lassen sich von Dörig den Dreck mit einem Schlauch von den Schuhen und Füssen spritzen und höckeln danach ins Restaurant. Sie sind auch aus Solidarität für das leidende Strandbad hier. «Gerne kommen wir an solche Orte und zeigen uns», sagt Dörig.

«Wir sind keine Weicheier»

«Wir sind extra hier rüber gekommen nach Ermatingen, weil wir hier unsere Ruhe haben und eine schöne grüne Wiese», sagt Heinz (55) aus Pforzheim (DE). Er und sein guter Freund Joachim (56) aus Heidelberg (DE) verbringen ein verlängertes Wochenende auf der Insel Reichenau und campen dort. 

Geniessen das Wasser, machen sich aber auch Sorgen um die Zukunft: Heinz (55, rechts) und Joachim (56).
Foto: Sandro Zulian

«Wir hätten natürlich gerne mehr Wasser», sagt Joachim. «In der Schweiz ist es aber grundsätzlich eher ruhiger und weniger überlaufen.» Und: Die Badi Ermatingen sei eine der schönsten Badis, die die beiden kennen. Joachim hat jahrelang hier gewohnt. «Er schwärmt immer davon!», sagt Heinz. 

Die beiden verabschieden sich und wagen sich über den Steg in Richtung Wasser. «Hier ist halt ein bisschen matschig und es riecht ein bisschen. Aber das macht uns nichts aus», sagt Heinz. «Wir sind keine Weicheier, wir gehen da jetzt rein», sagt Joachim und lacht.

Exklusiv-Badi für Familie

Auf der Liegewiese hat sich eine Familie breitgemacht. Das können sie auch – unter den schattenspendenden Bäumen ist praktisch niemand sonst. Vater Daniel (35), Mutter Jennifer (34), Sohn Tius (8) und Tochter Skadi (6) kommen aus dem fast 1000 Kilometer entfernten Bremerhaven (DE) an der Nordsee.

Sie haben nicht gewusst, dass sie sich ausgerechnet die Badi am Untersee ausgesucht haben, die am meisten unter dem tiefen Pegelstand leidet. Das Wasser sei «angenehm und schön warm», sagt Jennifer. Das fehlende Nass sei schade, habe aber gerade jetzt auch seine Vorteile: «Vor allem die Kinder können jetzt noch lange stehen im Wasser.»

Geniessen die Ruhe in der fast leeren Badi: Daniel (35), Tius (8), Jennifer (34) und Skadi (6).
Foto: Sandro Zulian

Vater Daniel sagt: «Die Ruhe ist da, man muss nicht lange anstehen und kann das Bad schon fast exklusiv nutzen.» Die Interessen der Kinder gehen derweil in eine ganz andere Richtung. Sohn Tius erzählt stolz von seinen Saltos ins Wasser und Töchterchen Skadi sagt: «Ich konnte schon gute Arschbomben hier machen.» 

Zurück zu Heinz und Joachim. Sie kommen pitschnass über den Steg geschlendert und wirken zufrieden mit der Abkühlung. Aber die Zufriedenheit weicht schnell einer Besorgnis um die Zukunft, so Heinz: «Nächste Woche wird es vielleicht 38 Grad.»

Zum tiefen Wasserpegel täten sich ihm Fragen auf. «Was haben wir in fünf, in zehn Jahren? Können wir dann komplett von hier nach Deutschland rüberlaufen?» Joachim fügt lachend an: «Dann haben wir vielleicht einen neuen Grenzübergang zwischen Reichenau und Ermatingen!» 

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