Darum gehts
- Ein 58-jähriger Rumäne stiehlt in Unterterzen SG ein Kajak
- Nach Diebestour in Betlis SG wird er von Polizei gefasst
- Er erbeutete ein Handy, ein Tablet, Tofu, Schokolade, Brot und Bier
Überhaupt nach Betlis SG zu kommen, ist nicht gerade einfach. Eine kleine, schmale Strasse schmiegt sich dem Felsen entlang. Pro Stunde und Richtung zeigt das Lichtsignal für die einspurige, enge Strasse nur zweimal fünf Minuten lang grün an.
Aus Betlis zu flüchten, dürfte noch deutlich schwieriger sein, als in den 40-Einwohner-Weiler zu gelangen. Doch genau das versuchte am vergangenen Wochenende ein 58-jähriger Rumäne, nachdem er im abgelegenen Örtchen auf «Diebestour» war.
Doch von Anfang an. Gemäss der Kantonspolizei St. Gallen klaute der Mann am Sonntag in Unterterzen SG – auf der anderen Seite des Walensees – ein Kajak. Damit ging er dann auf Diebestour. Warum er das genau im abgelegensten Örtchen am Walensee – nebst Quinten SG – tat, bleibt sein Geheimnis.
«Handy, Tablet, Tofu, Schoggi, Brot und Bier»
Für ungeübte Paddler dauert der strenge Weg über den See nicht weniger als zwei Stunden. Der 58-jährige Mann kam offenbar völlig entkräftet in Betlis an. Er legte an, stieg das steile Walenseeufer hoch – und bediente sich dann mir nichts, dir nichts im Haus von Jonas T.* (47). Dieser zählt beim Besuch von Blick am Dienstag auf: «Er klaute mein Handy und mein Tablet, Tofu, eine Schokolade, ein Brot und ein Bier.» Und: «Bargeld hat er mir auch noch geklaut. Und weil er auf der Flucht mit dem Diebesgut ins Wasser gefallen ist, sind jetzt alle Geräte defekt.»
Jonas T. und seine Frau bemerkten den Rumänen, weil dieser mit «einem grossen Rucksack» in Richtung Anlegestelle in der Nähe des Hauses unterwegs war und weil das herrenlose Kajak schon vorher für skeptische Blicke gesorgt hatte. «Wir haben ihn zur Rede gestellt. Er gab an, irgendwo heruntergefallen zu sein.» Dann habe er schnell das Weite gesucht. Zurück im Haus fiel bei Jonas T. dann der Groschen. «Mein Portemonnaie war durchwühlt. Dann bin ich ihm hinterhergerannt.»
Dieb war kein guter Paddler
Wieder zurück an der Anlegestelle paddelte der Kajak-Räuber schnell davon, während Jonas T. ihm zurief: «Bleib stehen, oder wir rufen die Polizei!» Sogar einen actionreichen Sprung versuchte der frisch beklaute Jonas T.: «Ich bin ihm nachgesprungen. Fast aufs Kajak, aber leider habe ich ihn verfehlt.»
Der Räuber paddelte davon, doch die Polizei, der Besitzer des Kajaks aus Unterterzen und die Seepolizei waren alle bereits alarmiert. Und auch Jonas T. gab Gas: «Ich setzte mich in mein Kanu und paddelte ihm hinterher. Er war kein guter Kajakfahrer, er fuhr ziemlich im Zickzack.»
Schliesslich wurde der Kajak-Kriminelle in der Nähe der bekannten Seerenbachfälle von Polizei und Privaten immer mehr in die Enge getrieben und schliesslich gefasst und in Handschellen gelegt. «Er hat sich aber ziemlich gewehrt. Die Seepolizei führte ihn dann ab.»
Fragezeichen bleiben wohl noch lange
Das Unverständnis im Dorf ist riesig. Die Menschen in Betlis werden sich wohl noch lange fragen, warum ein 58-jähriger Rumäne im über sieben Kilometer entfernten Unterterzen ein Kajak klaut, damit nach Betlis paddelt, nur um hier völlig entkräftet zu versuchen, ein Haus auszunehmen.
Jonas T. und seine Frau haben zwar keine Angst, aber auch bei ihnen werden Fragezeichen bleiben. «Es ist extrem erstaunlich, dass jemand hier hinten, so abgeschieden, so etwas macht. Es ist unverständlich.»
Über das Motiv kann auch Jonas T. nur spekulieren: «Wir hatten das Gefühl, er war verzweifelt. Man muss mit ihm jetzt nicht unbedingt Mitleid haben, aber auf mich wirkt es, als wäre er verzweifelt gewesen.»
* Name geändert