Darum gehts
- Staatssekretär Filip Minar mit 137 km/h auf 80er-Strecke geblitzt
- Busse: 2400 Franken, bedingte Geldstrafe: 9600 Franken
- Minar gibt sich gegenüber Blick geläutert und gelobt Besserung auf der Harley
Es ist der Samstag, 13. Juni 2026. Eine Patrouille der Kantonspolizei hat sich im Weiler Plattis auf dem Gemeindegebiet von Wartau SG aufgestellt. Die Polizisten sind mit einem Lasergerät auf der Jagd nach Temposündern.
Abends um 19.57 Uhr passiert es: Eine Harley-Davidson-Maschine peitscht mit fast 140 Sachen über die 80er-Strecke – und wird geblitzt! Auf dem Töff sitzt nicht etwa ein Unbekannter: Es ist der Staatssekretär im tschechischen Regierungsamt, Filip Minar (43). Einer der höchsten Beamten im Land!
«Beschuldigter gefährdete andere Verkehrsteilnehmer»
Gemäss Strafbefehl der Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen ergab die Laser-Messung der anwesenden Polizisten allerhand: Mit 137 Sachen soll der Töfffahrer unterwegs gewesen sein! Mit allen Abzügen war Filip Minar satte 53 km/h zu schnell unterwegs. Bei erlaubtem Tempo 80!
«Durch die massive Geschwindigkeitsüberschreitung gefährdete der Beschuldigte die anderen Verkehrsteilnehmer, die nicht damit rechnen müssen, dass die geltende Höchstgeschwindigkeit in diesem Masse überschritten wird», schreibt die Staatsanwaltschaft im mittlerweile rechtskräftigen Entscheid.
Sein Verschulden wie aber auch sein Status und sein Einkommen schlagen sich in der Strafe nieder. Mit seiner schnellen Fahrt verpasste Minar den Straftatbestand des Rasens zwar knapp, muss wegen «grober Verletzung der Verkehrsregeln» aber einen ordentlichen Batzen abdrücken.
Empfindliche Strafe für den Top-Beamten
Der passionierte Harley-Fahrer hat in der Schweiz eine weisse Weste, wie aus dem Strafbefehl hervorgeht. Er erhält eine Busse von 2400 Franken und eine bedingte Geldstrafe von 9600 Franken. Die muss er nur bezahlen, sollte er in der Schweiz wieder straffällig werden.
Inklusive Gebühren für Staatsanwaltschaft und Polizei muss Filip Minar 3100 Franken abdrücken. Eine Rechnung, die ihm wehtun dürfte. Blick-Schätzungen zufolge verdient ein Staatssekretär von seinem Status in Tschechien umgerechnet knapp über 90'000 Franken im Jahr. Der Median-Bruttolohn in Tschechien liegt bei umgerechnet knapp über 20'000 Franken im Jahr – um die 1800 Franken pro Monat. Zu Hause ist Minar zwar ein Spitzenverdiener, die Schweizer Busse schenkt dennoch ein.
«Ich bereue diese Situation»
Auf Anfrage gibt sich der schnelle Staatssekretär reumütig. Er akzeptiert die Strafe, denn Immunität geniesst er als hochrangiger Beamter der Verwaltung keine. Per Mail schreibt er Blick: «Ich habe den von Ihnen angesprochenen Verstoss gegen die Verkehrsregeln nicht angefochten, und ich respektiere den Entscheid der Schweizer Behörden vollumfänglich.» Es sei ein einmaliger, persönlicher Fehler, ein Ausrutscher gewesen, der ihm im Rahmen einer privaten Reise unterlaufen sei.
«Ich bereue diese Situation und betrachte sie als eine Erfahrung, die mich dazu gebracht hat, beim Motorradfahren noch grössere Vorsicht und Disziplin walten zu lassen», schreibt Minar weiter. Die Verkehrssicherheit habe oberste Priorität, und er sei der Meinung, dass jeder Verkehrsteilnehmer die Regeln einhalten sollte: «Unabhängig von seiner Stellung oder seinem Beruf.»
Er arbeitet in einem Schloss
Mehr will der hochrangige Beamte nicht zum Vorfall sagen. Die ausführlichen Fragen von Blick zum Hergang dieser Fahrt im Juni lässt er unbeantwortet. Filip Minar ist seit gut anderthalb Jahren auf dem Posten des Staatssekretärs im Regierungsamt, sein Arbeitsort ist der Regierungssitz in der monumentalen Straka-Akademie in Prag.
Der Job des Staatssekretärs wurde 2015 geschaffen, weil die tschechische Regierung auf Druck der EU die Verwaltung entpolitisieren musste. Seit 2025 kümmert sich Minar um die Themen Digitalisierung bei den Personalprozessen und die Einführung eines neuen Bildungssystems für Angestellte der Verwaltung.
Ob Filip Minar weiss, wie viel Glück er gehabt hat, bleibt offen. Mit seinen 53 km/h zu schnell verpasste er den Tatbestand des Rasens um 7 km/h haarscharf. Viel hätte wahrlich nicht gefehlt, und der tschechische Spitzenbeamte wäre offiziell als Raser verurteilt worden.