So sieht die neue Kehrichtsverbrennungsanlage in Zuchwil aus
1:42
In Zuchwil SO:So sieht die neue Kehrichtsverbrennungsanlage aus

Über eine halbe Milliarde Franken für den Güsel – Solothurn hat die Abfallentsorgung revolutioniert
Hier wird aus Abfall Gold gemacht

In Zuchwil SO steht eine der modernsten Kehrichtverwertungsanlagen der Schweiz. Rund 580 Millionen Franken kostete der Neubau. Jetzt läuft die neue Anlage – und aus Hunderttausenden Tonnen Abfall entstehen Strom und Wärme.
Kommentieren
1/16
Die neue Kehrichtsverbrennungsanlage Kenova ist offiziell eröffnet. 14 Jahre dauerte das Projekt – von der Planung bis zur Fertigstellung.
Foto: Stefan Bohrer

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Neue KVA Zuchwil SO für 580 Millionen Fr. gestartet
  • 240'000 bis 260'000 Tonnen Abfall jährlich verbrannt, Strom für 50'000 Haushalte
  • Müllverwertung revolutioniert
file84ffk6dsspw143hiisfr.jpg
Devin SchürchReporter News

Wer in Zuchwil SO an der neuen Anlage der Kenova AG vorbeifährt, sieht kein gewöhnliches Industriegebäude. Seit dem Spatenstich 2020 war die Baustelle eine der grössten im Kanton Solothurn. 2025 wurde der Testbetrieb gestartet, jetzt läuft die neue Kehrichtverwertungsanlage (KVA) in vollem Betrieb. Sie zeigt, was in unserem Abfall steckt.

Damit ist die Kenova die neuste und modernste KVA in der Schweiz – und sie gehört zu den grössten.

580 Millionen Franken für eine neue KVA

Fast 50 Jahre lang lief die alte Anlage in Zuchwil. Seit 1976 wurde dort Kehricht verbrannt. Nun ist Schluss. Die alte KVA hat das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht und wird zurückgebaut.

Die neue Anlage kostete rund 580 Millionen Franken. Für Markus Juchli (65), Projektleiter und ehemaliger Geschäftsführer der Kenova AG, geht damit ein gewaltiges Projekt zu Ende. Er war über 20 Jahre für den Vorgänger Kebag tätig und war von Anfang an bei dem neuen Projekt Kenova dabei. 2026 gab er seine Funktion als Geschäftsführer weiter.

«Es ist in erster Linie eine Erleichterung, dass jetzt die Inbetriebnahme stattgefunden hat», so Juchli. «Natürlich ist man da auch stolz.»

14 Jahre lang hat ihn das Projekt beschäftigt. 2012 ging es los, 2015 folgte das Vorprojekt, 2017 das Bauprojekt und 2020 startete der Bau. Die Kenova AG gehört verschiedenen Gemeinden aus den Kantonen Solothurn und Bern.

1000 Tonnen Müll – jeden Werktag

Was die neue Anlage leisten muss, ist gewaltig. Rund 240'000 bis 260'000 Tonnen Abfall können pro Jahr verbrannt werden.

Der Müll kommt aus 176 Gemeinden in den Kantonen Solothurn und Bern. Ein Teil wird mit der Bahn angeliefert. An Werktagen landen rund 1000 Tonnen Abfall in Zuchwil.

Dabei kommt die neue Anlage mit zwei Verbrennungslinien aus. Die alte KVA hatte noch vier. Die neuen Linien sind dafür deutlich grösser und leistungsfähiger. Rund 60 Mitarbeitende sorgen dafür, dass die riesige Anlage rund um die Uhr funktioniert.

Aus Müll wird Strom

Im Innern der Verbrennungsöfen wird es richtig heiss. Bei rund 1000 Grad Celsius wird der Kehricht verbrannt. Die dabei entstehende Hitze wird genutzt. 

Sie erzeugt Dampf, der eine Turbine antreibt. Das Resultat: rund 160 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Damit könnten etwa 50'000 bis 60'000 Haushalte versorgt werden.

Auch die restliche Wärme wird weiterverwendet. Rund 130 Gigawattstunden Fernwärme sollen jedes Jahr erzeugt werden. Sie gelangt unter anderem nach Zuchwil, Solothurn, Luterbach und Derendingen.

«Strom- und Fernwärmeproduktion gehören zu den wichtigsten Faktoren neben der Verbrennung von Abfall», sagt Juchli. Und was kommt aus dem Kamin? «Aus dem Kamin kommt nur noch Wasserdampf», sagt er. Die Abgase werden zuvor aufwendig gereinigt.

Gold im Müll

Damit endet die Geschichte des Abfalls aber noch nicht. Nach der Verbrennung bleibt Schlacke übrig. Und darin steckt ein kleiner Schatz.

Metalle wie Eisen, Aluminium oder Kupfer können später von spezialisierten Firmen aus der Schlacke herausgeholt und wiederverwertet werden. Bis zu 15 Prozent Wertstoffe lassen sich zurückgewinnen.

Juchli sagt: «Vom Schuhlöffel über Esslöffel bis hin zum Goldring ist alles im Abfall drin.» Rund 6000 Tonnen an Wertstoffen können so jedes Jahr zurückgewonnen werden. Der Abfallsack ist also auch ein Rohstofflager. Und dieses soll in der Kenova möglichst gut genutzt werden.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen