VA Rolf Frick (64) wurde in Witterswil SO von Rad getroffen
1:54
Rolf Frick (64) wurde von Rad getroffen:«Ich habe überhaupt nichts realisiert in diesem Moment»

Rolf Frick (64) wurde in Witterswil SO auf dem Trottoir «abgeschossen» und schwer verletzt
«Ich sah nur noch das riesige Rad vor meinem Gesicht»

Dass ein Fahrzeug ein Rad verliert, passiert immer wieder. Dass aber ein Mensch von einem solch schweren Teil getroffen wird, ist eher selten. Rolf Frick (64) hat dies in Witterswil SO erlebt – und vor allem überlebt.
Kommentieren
1/12
Rolf Frick (64) ist wieder zu Hause bei seiner Hündin Candy (6). Er wurde von einem Lastwagen-Rad schwer verletzt.
Foto: Ralph Donghi

Darum gehts

  • LKW verliert in Witterswil SO ein Rad
  • Rolf Frick (64) wird vom gut 100 Kilogramm schweren Teil auf dem Heimweg getroffen
  • Dabei wollte er lediglich nach Hause zu seiner Hündin
RMS_Portrait_AUTOR_940.JPG
Ralph DonghiReporter News

Rolf Frick (64) hatte alles Glück dieser Welt. Als er in Witterswil SO heimwärts läuft und sich bei einem Lastwagen ein Rad löst, hört er plötzlich einen Autofahrer hupen. «Als ich mich kurz umdrehte, habe ich nur noch ein riesiges Rad vor meinem Gesicht gesehen», sagt der 64-Jährige am Dienstag gegenüber Blick.

Der gelernte Koch wird vom rund 100 Kilogramm schweren Teil regelrecht «abgeschossen». Frick wird am ganzen Körper schwer verletzt.

Polizei ermittelt

Passiert ist die schier unglaubliche Geschichte vergangenen Freitag gegen 13.30 Uhr. Rolf Frick hat in einer Firma das Mittagessen fürs Personal gekocht und läuft gerade nach Hause. «Ich wollte heim, um meine sechsjährige Hündin Candy zu füttern und mit ihr spazieren zu gehen», so Frick. Doch dazu kommt es nicht mehr.

Während Frick nichtsahnend auf dem Trottoir unterwegs ist, passiert es: Ein Chauffeur ist mit seinem Lastwagen auf der Bahnhofstrasse unterwegs. «Während der Fahrt löste sich aus noch zu klärenden Gründen ein Rad vom Fahrzeug», schreibt die Kantonspolizei Solothurn später in einer Medienmitteilung. «Dieses rollte über die Strasse und erfasste einen Fussgänger, der auf dem Trottoir unterwegs war.» Die Polizei hat Ermittlungen zum Unfallhergang und zur Unfallursache aufgenommen.

Passanten helfen ihm

Rolf Frick wird vom Rad zu Boden geschleudert. «Davon weiss ich aber nichts mehr», sagt er. Durch den Unfall wird er kurz ohnmächtig – kommt aber noch vor Ort wieder zu sich. Mehrere Personen hätten sich um ihn gekümmert. «Eine Frau sagte mir, dass ich liegenbleiben soll», sagt Frick. «Ich fragte mich, warum? Ich habe zuerst überhaupt nicht realisiert, was passiert ist.»

Kurz darauf war die Rettungssanität vor Ort. Sie lud Frick in eine Ambulanz. Er wurde ins Spital gefahren. «Ich konnte zum Glück noch meine Cousine anrufen und sie bitten, dass sie sich um meinen Hund kümmert», so Frick.

Im Spital erhält Frick diverse Diagnosen: Zehenbruch und Handgelenk-Trümmerbruch. An seinem Kopf muss eine grosse Platzwunde genäht werden. Zudem sei es ihm wegen einer Hirnerschütterung schlecht geworden, so Frick. «Ich hatte Schürfungen, Blessuren und Schmerzen am ganzen Körper.» Nach zwei Nächten im Spital habe er wieder nach Hause gehen dürfen.

Job als Koch unsicher

Am Dienstag fühlt sich Frick immer noch, «als wäre er überrollt worden». Sein Handgelenk wurde gerade operiert. Er ist sicher für zwei Monate krankgeschrieben. Ob er danach wieder kochen gehen kann, ist noch unklar. «Ich hoffe es, ich stehe ja kurz vor der Pension», sagt Frick. «Ich kann nur abwarten, wie es sich nun weiterentwickelt.»

Trotz allem findet Frick: «Es geht mir den Umständen entsprechend. Ich hatte schon wahnsinniges Glück!» Ein Kind hätte diesen Aufprall wohl nicht überlebt, vermutet der 64-Jährige und führt aus: «Wenn ich ganz grosses Pech gehabt hätte, dann wäre ich wohl auch nicht mehr hier.» Dieser Gedanke sei ihm jedoch erst später in den Sinn gekommen. «Ich brauchte zuerst ein wenig Zeit, dies alles zu verarbeiten.»

Der Chauffeur, dessen Lastwagen das Rad verloren hatte, oder seine Firma hätten sich bis jetzt nicht bei ihm gemeldet, so Frick. Laut Tele M1 ist es ein Transportunternehmen im benachbarten Baselbiet. «Die Polizei hat alles aufgenommen, und es gibt sicher eine Anzeige», so Frick.

Seine Gefühlslage gegenüber dem Chauffeur und dessen Arbeitgeber? «Neutral, kein Hass», sagt Frick. Klar würden die Firma und der Chauffeur wohl eine Mitschuld tragen. Aber: «Es war einfach Pech, Zufall, dumm.» Wäre er fünf Sekunden früher oder später dort durchgelaufen – «und das Rad wäre in den Zaun geflogen».

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen