«Will Frauen in ähnlichen Situationen helfen»
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Auch Iwona L. spricht:«Will Frauen in ähnlichen Situationen helfen»

Mutmassliches Missbrauchsopfer Iwona L. hält Rede bei Mahnwache in Untersiggenthal AG
«Ich will Frauen in ähnlichen Situationen helfen»

Rund 350 Menschen haben sich am Montag in Untersiggenthal AG versammelt, um ihre Solidarität mit den mutmasslichen Missbrauchsopfern von Patrick F. auszudrücken. Dem Ex-Politiker wird vorgeworfen, drei Frauen mit K.-o.-Tropfen betäubt und missbraucht zu haben.
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Am Montagabend haben sich Hunderte Menschen in Untersiggenthal zu einer Mahnwache versammelt.
Foto: Pascal Scheiber

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • In Untersiggenthal protestierten rund 350 Menschen gegen mutmasslichen Missbrauch durch Patrick F.
  • Fast 200 Missbrauchsfälle mit K.-o.-Tropfen werden Ex-SVP-Grossrat vorgeworfen
  • SP-Politikerin behauptet: Jeden 10. Tag stirbt in der Schweiz eine Frau durch Femizid

Solidarität mit den Opfern: Die SP Frauen Aargau haben zu einer Mahnwache in Untersiggenthal AG aufgerufen. Rund 350 Personen sind der Einladung am Montagabend gefolgt. Hintergrund sind der schockierende Fall des Ex-SVP-Grossrats Patrick F.* (57) und weitere «erschreckende Delikte», wie es in einem in den sozialen Medien verbreiteten Aufruf heisst. Fast 200-mal soll F. drei Frauen mit K.-o.-Tropfen gefügig gemacht und sexuell missbraucht haben.

«Dass auch Männer da sind, freut mich besonders»
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Mahnwache in Untersiggenthal:«Toll, dass sie den Mut haben, sich zu zeigen»

«Wir solidarisieren uns mit den Betroffenen und fordern eine umfassende und transparente Aufarbeitung der Ereignisse sowie konkrete Massnahmen zur Stärkung des Opferschutzes», heisst es im Aufruf weiter. 

Auch Blick war vor Ort. Aufgrund der aktuellen, trockenheitsbedingten Feuergefahr hatten die Protestierenden keine Kerzen dabei, sondern erschienen mit Schildern, auf denen Solidaritätsbotschaften vermerkt waren. Iwona L.* und ihre Tochter Paula L.*, zwei der mutmasslichen Opfer von Patrick F., besuchten die Mahnwache ebenfalls.

«Bin froh, dass sie sich wehren»

Auf Schildern war unter anderem «Wohlwollen und Asyl für Iwona und Paula» oder «SVP – Wo ist euer Aufschrei jetzt?» zu lesen. Mutter Iwona L. hielt vor Ort eine kurze Rede, in der sie sich für die Unterstützung bedankte und ankündigte, auf Youtube mit einem Kanal einen «Raum für Frauen» schaffen zu wollen. «Ich will Frauen in ähnlichen Situationen helfen», erklärte sie. Dafür gab es Applaus.

SP-lerin Damaris von Arx versicherte anschliessend in ihrer Rede: «Wir stehen an ihrer Seite – an der der drei Frauen, aber auch allen anderen Frauen. Solidarität für alle Frauen – auch die, die nicht mehr die Kraft zum Sprechen haben.» Die Politikerin betonte: «Dieser Fall ist kein Einzelfall!» Jeden zehnten Tag sterbe eine Frau bei einem Femizid. Weiter erklärte von Arx: «Solidarität ist keine Geste. Solidarität ist eine Tatsache. Wir geben sie nicht auf, bis Frauen in diesem Land sicher sind.»

Der Sexologe Martin Bachmann sagte in seiner Rede, er schäme sich für seine Mitmänner und für das, was sie machen. «Es ist nicht okay, wenn Männer das tun», hielt er fest. «Häusliche Gewalt ist reell. Wir müssen uns mit diesen Realitäten auseinandersetzen. Die gute Botschaft ist: Wir können anfangen, uns zu verändern», sagte er wenig später zu Blick. Er wünscht sich, dass die Politik sexualisierte Gewalt ernstnimmt. «Es gibt Gewalt, aber das muss nicht so bleiben. Wir können in diesem Land auch anders miteinander umgehen», ist er überzeugt. 

Mia Jenni (31), Veranstalterin und Co-Fraktionspräsidentin der SP Aargau, formulierte im Anschluss an die Veranstaltung im Gespräch mit Blick Forderungen: «Es hat offensichtlich ein Behördenversagen gegeben. Das muss aufgearbeitet werden. Wieso wurde den Betroffenen nicht automatisch geholfen?» Weiter will sie, dass sexualisierte, häusliche und geschlechtsspezifische Gewalt als Härtefall anerkannt wird. Geht es nach Jenni, braucht es nationale Lösungen. Mit dem kantonalen Flickenteppich soll Schluss sein. «Es muss sich fundamental etwas ändern.»

«Kein Einzelfall»

Janine (18) war mit Paula L. an derselben Schule. «Wir sind noch nicht so weit, wie viele denken», sagte sie im Hinblick auf die Missbrauchsvorwürfe. «Wir müssen noch viel arbeiten, kämpfen und laut sein.» Sie stört, dass viele solcher Taten gar nicht an die Öffentlichkeit gelangen. 

Susi Kittel (72) aus Baden AG nahm aus Solidarität an der Kundgebung teil. «Ich bin erschüttert und entsetzt, dass es so etwas gibt», sagte sie zu Blick. «Ich bin froh, dass sich die Frauen wehren.» Der Fall der Französin Gisèle Pelicot habe sehr viel ins Rollen gebracht. Kittel findet es wichtig, dass über die Taten gesprochen wird. «Ich denke, unsere Mütter haben auch so etwas erlebt, aber nicht darüber geredet. Sie haben geschwiegen. Schrecklich!» Ihre Bekannte Heidi Fontana (84) fügte hinzu, ihr wäre es recht, wenn Patrick F., für den bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung gilt, «nicht mehr aus dem Gefängnis herauskommt».

Fabienne (50) wohnt in Untersiggenthal. Sie wollte mit ihrer Teilnahme ein Zeichen setzen. «Es ist leider kein Einzelfall. Es passiert immer wieder, vor allem mit den K.-o.-Tropfen», sagte die Mutter zweier Kinder. Das Verhalten der Behörden mache sie hässig. «Ich finde es traurig, dass, wenn eine Frau den Mut hat, so etwas anzuzeigen, dass sie dann noch einen Tritt in den Arsch bekommt. Aus menschlicher Sicht finde ich das ganz schwach!» 

* Namen bekannt

Heiss diskutiert
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