Darum gehts
Es ist ein tragisches Ereignis: Vergangenen Donnerstag verunfallte ein junger Töfffahrer in einer Rechtskurve auf dem Benkerjoch in Oberhof AG. Laut Polizei verliert er mutmasslich die Kontrolle über sein Motorrad, gerät ins angrenzende Wiesland, stürzt und rutscht mit der Yamaha R7 anschliessend in eine Leitplanke. Er ist so schwer verletzt, dass er später im Spital stirbt. Eine Töfffahrerin (20), die hinter dem Verunfallten fuhr, leistete noch Erste Hilfe.
Jetzt konnte Blick mit den leidgeprüften Eltern des verstorbenen Lukas J.* (†20) sprechen.
Sie wohnen unweit des Unfallorts und sehen vom Sitzplatz ihres Hauses aus sogar bis zur Unfallstelle. «Es ist ganz schlimm für uns», sagt Vater Marcel J.* (46) unter Tränen am Stubentisch. Bei ihm sitzt seine Frau Claudia J.* (46). Auch sie ist am Boden zerstört. Sie sagt: «Lukas war so ein toller Familienmensch.»
Es ist 16.43 Uhr, als sich Lukas J. vergangenen Donnerstag zu Hause verabschiedet. Mutter Claudia J. weiss das so genau, weil sie ihn da das letzte Mal sah und auch ihr älterer Sohn Kevin J.* (22) ihm noch eine gute Fahrt wünschte. Lukas J. steigt auf seine 700er-Yamaha R7 und fährt los. «Er machte nach der Arbeit wie immer noch eine Feierabendrunde», erzählt der Vater. «Lukas ging oft auf einen Berg, um den Sonnenuntergang zu geniessen.»
Doch diesmal will Lukas J. früher nach Hause kommen. Er fährt auf dem Benkerjoch – die Passhöhe beträgt 674 Meter über Meer – wieder los und talwärts. Claudia J.: «Wir wollten mit ihm und unserem anderen Sohn Pizza essen, weil Kevin am Wochenende seinen Umzug plante.» Aber Lukas J. verunfallt.
«Wir gingen sofort los und zur Unfallstelle»
«Wir waren auf der Terrasse, als wir plötzlich ein Polizeiauto auf der nahen Benkenstrasse hörten», sagt Claudia J. «Ich habe als Mutter sofort gespürt, dass etwas nicht stimmt.» Mutter und Vater versuchen, ihren Sohn kurz nach 19.30 Uhr anzurufen – doch er nimmt nicht ab. Die Eltern und Sohn Kevin schauen den Berg hoch und sehen, dass es einen Unfall gegeben hat. «Wir gingen sofort los und zur Unfallstelle», sagen sie.
Kurz vor der Unfallstelle werden sie zuerst zurückgehalten. «Ich sah, dass es der unverkennbare Töff von Lukas war», so Vater Marcel J. «Weiter hinten sah ich, dass es Lukas war, der reanimiert wurde.» Er und seine Frau dürfen später zu ihrem Sohn. Kevin bleibt etwas zurück. Marcel J: «Wir schrien alle: Komm zurück! Gib nicht auf! Kämpfe!» Und tatsächlich: Ihr Sohn fängt wieder an, zu atmen. Es wird sofort in ein Spital gefahren. Während Kevin mit seiner Freundin die Töfffahrerin, die Erste Hilfe geleistet hatte, betreut, fahren die Eltern im Polizeiwagen mit ins Spital.
«Wir haben Lukas bis zum Ende die Hand gehalten»
«Dort kämpften sie alle lange, sicher gegen eineinhalb Stunden, um Lukas», sagt Vater Marcel J. «Sie haben wirklich alles versucht. Leider vergebens. Wir haben Lukas bis zum Ende die Hand gehalten.» Daheim müssen die Eltern die traurige Nachricht an Kevin weitergeben. Auch ihm habe es den Boden unter den Füssen weggezogen.
Jetzt sind die Eltern allein zu Hause, gebrochen, tieftraurig, kämpferisch – wie ihr verstorbener Sohn. Sie sind eine Töfffamilie. Jeder fährt Motorrad. «Lukas hat das Töfffahren geliebt, um Ruhe zu finden», sagt die Mutter.
Und der Vater will festhalten: «Lukas war ein vorsichtiger Fahrer und kannte diese Strecke gut. Es ist sein Heimweg. Alle, die jetzt sagen, er ist sicher zu schnell gefahren, zu denen kann ich sagen: Das ist er bestimmt nicht. Es muss einen anderen Unfallgrund gegeben haben.» Den untersucht die Polizei nun.
Lukas J. findet bei Eltern letzte Ruhe
Lukas J. hatte eine Lehre als Elektroinstallateur erfolgreich abgeschlossen und im gleichen Geschäft erst gerade einen Vollzeitjob erhalten. «Er hatte sich so gefreut, endlich einen ersten, grossen Lohn zu erhalten», sagt sein Vater.
Kommenden Frühling hätte Lukas J. die Rekrutenschule begonnen. «Auch auf die freute er sich», sagt die Mutter. Auch die Liebe hatte ihr jüngerer Sohn kürzlich gefunden. «Er wollte unbedingt mal eine Familie in einem eigenen Haus gründen.»
Seine letzte Ruhe wird Lukas J. daheim bei seinen Eltern finden. Sie sagen: «So wird er immer ganz nahe bei uns bleiben.»
* Namen bekannt