Darum gehts
- Zürcher kritisiert Verbot für Hunde bei Brunnen in Seebach
- Er sieht Hunde als leidende Lebewesen, fordert mehr Empathie und Akzeptanz
- In der Schweiz gibt es immer mehr hundefreie Zonen
Es ist Dienstagabend, etwa 19.30 Uhr, der ganze Platz bei der Siedlung in Zürich-Seebach ist leer und Nadim B.* (30) ist mit seiner Hündin Nala unterwegs. Auf dem Platz steht auch ein Brunnen. Neben dem Brunnen aber hängt ein Schild mit der Aufschrift: «Badeverbot für Hunde».
Genau über dieses Verbot regt sich der 30-jährige Zürcher und Vater eines siebenjährigen Sohnes in einem Post auf Instagram auf. «Letztes Mal ging Nala kurz mit den Pfoten hinein, um sich etwas abzukühlen und Wasser zu trinken», sagt er. Sofort seien Leute gekommen und hätten ihn angeblafft.
Hunde haben ebenfalls heiss und sind durstig
«Diese Leute sehen Hunde einfach nicht als Lebewesen, die bei diesen Temperaturen auch leiden, sondern nur als Sache», schimpft er. Er akzeptiere das Verbot natürlich, aber: «Es geht mir ums Prinzip, dass man so was überhaupt macht.» B. habe den Hund nie zum Brunnen gelassen, wenn sich dort Kinder befunden hätten. «Es war aber am Abend», so der Zürcher. Aktuell geht er mit seiner Hündin sowieso nur raus, wenn die Sonne nicht so runterknallt. «Aber heiss hat sie halt trotzdem. Und Durst.»
Wofür denn die Hundesteuer?
Wenn da Kinder gewesen wären, hätte er es ja noch verstanden. «Ich finde es auch einfach lächerlich. Wofür zahlen wir denn noch Hundesteuer, wenn Hunde überall vertrieben werden?» Und weiter: «Kinder pinkeln in den Brunnen und was weiss ich noch alles. Mein Hund macht das nicht und darf nicht mal kurz mit den Pfoten ins Wasser und ein paar Schlucke trinken?»
Erst am Dienstag berichtete Blick über die Badi in Degersheim im Kanton St. Gallen. Diese musste am vergangenen Samstag wegen einer Fäkalattacke geschlossen bleiben. «Ja, uns hat jemand ins Schwimmbad geschissen», sagte Gemeindepräsident Andreas Baumann (50) zu Blick. Diesen Artikel habe er auch gelesen und nur noch den Kopf schütteln können. Dass er mit Nala nicht in die Badi gehe, verstehe sich von selbst. Und: «Mein Hund scheisst wenigstens nicht ins Freibad», sagt er.
Der 30-Jährige ist in Seebach aufgewachsen und wohnt noch immer dort. Er rät insbesondere Menschen mit Hunden, die besagte Siedlung zu meiden. «Die sind extrem hundeunfreundlich.» Bei ihm sehe das Ganze zum Glück anders aus. «Bei uns sind Hunde erlaubt und die Leute sind sehr nett und tolerant», sagt er.
Mehr Empathie für den besten Freund des Menschen
Ganz allgemein gibt es immer mehr Orte, die für Hunde gesperrt sind – leider auch an Seen und öffentlichen Plätzen. Sogar Brunnen seien längst nicht mehr alle so hundefreundlich konzipiert wie früher, dass diese im unteren Bereich trinken könnten. «Man muss sich wirklich viermal überlegen, ob man einem Hund das antun will», sagt er.
Die Verbote respektiere er zwar. «Dumm finden darf ich sie aber trotzdem», sagt B. Der ganze Vorfall und die vielen wohlwollenden Kommentare auf Social Media haben in ihm nun die Idee geweckt, sich für Hunde und eine breitere Akzeptanz einzusetzen. «Der Hund ist schliesslich der beste Freund des Menschen», so der 30-Jährige. «Dann sollten wir sie auch so behandeln», findet er.
Wer mit seinem Hund gemeinsam und ohne Angst vor bösen Kommentaren planschen will, muss zuvor etwas recherchieren und planen. An vielen Seen gibt es zum Glück noch immer Abschnitte, an denen das möglich ist.
* Name bekannt