Darum gehts
- Peter Jenny kämpft gegen den Abriss seines Traumgartens in Sarnen OW
- 600 Kubikmeter Material wurden bereits entfernt, Schopf-Abriss droht bis Mai
- Peter Jenny kämpft bis zum Schluss für seinen Schopf
Wütend schüttelt Peter Jenny (78) den Kopf. Er empfängt den Blick-Reporter auf seinem Grundstück hoch über Sarnen OW. Es ist nicht wiederzuerkennen. Da, wo mit Hunderten grossen Steinen aus dem Laui-Wildbach und tonnenweise Zement eine Traumlandschaft über Jahrzehnte entstanden war, ist jetzt Erde. Es spriessen erste Gräser. «Ich kann kaum drüber sprechen, es ist einfach zu hart.»
Der pensionierte Versicherungsfachmann kämpfte mit unglaublicher Energie für seinen Traumgarten. Trotzdem wurde die riesige Gartenlandschaft ab dem 15. Oktober mit schweren Maschinen in transportfähige Stücke zerkleinert und abtransportiert. Wie die Gemeinde Sarnen gegenüber Blick sagte, waren es 600 Kubikmeter Material. Als Letztes steht neben dem Wohnhaus noch ein zweistöckiger Schopf mit massivem Betonunterbau, ebenfalls mit wuchtigen Steinen aus dem Bach dekoriert.
Das Wohnhaus darf bleiben, das Gartenhaus muss aber ebenfalls weichen. «Das darf nicht sein», sagt Peter Jenny. «Ich kämpfe bis zum Schluss und stütze mich auf die Bundesverfassung.»
Rückbauer waren gründlich
Jenny zeigt rund ums Haus, wie gründlich die Baufirma alles entfernt hat, was ihm lieb war. «Sie haben sogar meinen Rebberg kurz vor der Ernte abgetragen – wie kann man nur?», fragt er entrüstet. Im Weinkeller zeigt er Blick den letzten Jahrgang seines Rotweins «Zun Börgler». 400 Flaschen hat er noch.
Meterhohe Windschutzwälle aus Holzpfählen wurden niedergerissen. Der kleine Naturpool, gespeist vom Wasser, das vom Hang hinabfliesst, ist verschwunden. Die grossen Bäume, die das Haus einst umgaben, sind gefällt. Der von Hand aus Naturstein gebaute, rollstuhlgängige Weg für seine Frau ist ebenfalls nicht mehr da.
Peter Jenny hat viel Kraft in den Kampf gegen Gemeinde, Kanton und Bund investiert. «Ich trainiere noch immer Bergläufe», sagt der 78-Jährige. Der Ausdauersportler ist sechsmal den «Swissalpine Marathon» gerannt, er hat x-mal beim Engadiner Skimarathon mitgemacht, war einmal gar unter den 150 schnellsten Langläufern. Er sagt: «Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, erreiche ich es normalerweise.»
Jennys Energie bewundert sogar der Leiter des Bauamtes Sarnen. Der Chefbeamte sagt: «Die Energie und Konsequenz von Herrn Jenny sind beeindruckend. Wenn er zum Zeitpunkt des Grundstückserwerbs in den 80er-Jahren die Baugenehmigungen rechtzeitig eingeholt hätte und sich an die Vorschriften gehalten hätte, könnte er jetzt in einem Paradies wohnen. So aber müssen wir als Aufsicht baupolizeilich aktiv werden. Wo bleibt sonst der Rechtsstaat?»
Schopf muss weg
Trotz Respekt vor Jennys Engagement macht der Leiter des Bauamts klar, dass auch der Schopf wegmuss. «Für das Gebäude haben wir zwar ein Baugesuch erhalten, aber nur einen Grundriss. Es steht in der Landwirtschaftszone. So wie es dasteht, wäre es nie bewilligungsfähig.»
Er betont, dass alles streng nach Vorgaben des Gesetzes ablaufe: «Wir haben nichts zu verbergen. Der Rückbau der nicht bewilligten Bauten ist von oberster Instanz rechtlich abgesichert. Die Urteile sind rechtskräftig.»
Auch, dass Peter Jenny die Kosten von etwa 300'000 Franken für den Rückbau übernehmen muss, kann der Leiter des Bauamts klar begründen: «Die Arbeiten wurden aufgrund von einem Gemeinderatsbeschluss durchgeführt.» Es handle sich um eine Ersatzvornahme. «Es wurde entfernt, was keine Bewilligung hat. Herr Jenny hatte eine Frist, in der er selber die illegalen Bauten hätte zurückbauen können.»
Frist läuft bald ab
Auch für das letzte Naturstein-Beton-Bijou im Garten des Rentners läuft die Frist bald ab. Den Abbruch des zweistöckigen Gartenhauses kann der Erbauer noch bis Ende April selber vornehmen, sonst fahren am 18. Mai wieder die Bagger vor. Doch Peter Jenny gibt nicht auf.
«Ich schalte jetzt den Justizminister des Kantons ein, Regierungsrat Christoph Amstad», sagt Jenny kämpferisch. Und weiter: «Er soll stoppen, was da läuft.»
Gleichzeitig reicht er erneut gleich mehrfach Baugesuche für den Schopf ein. Ob es etwas hilft, ist fraglich. Im Vorfeld des Rückbaus des restlichen Gartens hatte der Rentner sogar Bundesrat Albert Rösti zu Hause besucht. Doch auch das verhinderte den Start des Rückbaus nicht.