Hitze lässt Produktivität tauchen
Klimaanlagen begründeten Singapurs Erfolg

Europa schwitzt, diskutiert – und erlahmt. Während Singapur mit der Klimaanlage zum Wirtschaftswunder wurde und Amerika einfach kühlt, streitet Europa über «Kühlparadoxe». Die Daten sind eindeutig: Ab 23 Grad wird der Mensch schlaffer, kränker, lernunfähiger.
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Eine Frau fächelt sich Luft zu und erträgt hohe Temperaturen mit ihrer Katze.
Foto: IMAGO/Zoonar

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Gluthitze treibt Klimageräte-Verkäufe in die Höhe – Temperaturen erreichen 34 Grad
  • Lee Kuan Yew sah Klimaanlagen als Schlüssel für Singapurs wirtschaftlichen Erfolg
  • Studie zeigt: Ab 23 Grad sinkt Leistung, Klimageräte eliminieren negative Effekte
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Daniel KestenholzRedaktor Nachtdienst

Die Hitze treibt Verkäufe von Klimageräten hoch. Die glühenden Temperaturen machen matt und laugen aus – was schon Singapurs Gründungsvater Lee Kuan Yew (1923-2015) erkannte.

Er sah in der Klimaanlage mehr als nur Komfort. Für ihn war sie ein entscheidender Faktor dafür, dass der Stadtstaat in der Hitze leistungsfähig, attraktiv für Firmen und wirtschaftlich erfolgreich wurde.

In einem Interview 1999 mit dem «Wall Street Journal» hatte Lee Kuan Yew die Klimaanlage nicht nur als Schlüsselfaktor für Singapurs Entwicklung beschrieben, sondern als eine der wichtigsten Erfindungen überhaupt. In einem tropischen Klima, so sein Gedanke, schafft erst ein kühler Arbeitsraum die Bedingungen für Produktivität, Investitionen und Wachstum.

«Entscheidend für Effizienz»

«Die Klimaanlage war für uns eine äusserst wichtige Erfindung, vielleicht sogar eine der bedeutendsten Erfindungen der Geschichte», so der legendäre Staatschef, der Singapurs Erfolgsmodell begründete. Die Klimaanlage habe «das Wesen der Zivilisation verändert, indem sie die Entwicklung in den Tropen erst möglich machte. Ohne Klimaanlage kann man nur in den kühlen Morgenstunden oder in der Abenddämmerung arbeiten. Das Erste, was ich nach meinem Amtsantritt als Ministerpräsident tat, war, in den Gebäuden, in denen die Beamten arbeiteten, Klimaanlagen installieren zu lassen. Dies war entscheidend für die Effizienz der öffentlichen Verwaltung.»

Genau dieses Denken prägte Singapurs Aufstieg. Während viele Orte die Klimaanlage als Luxus sahen, behandelte Lee sie als Infrastruktur – fast so wichtig wie Häfen, Ordnung und verlässliche Behörden.

Für Lee Kuan Yew war die Klimaanlage kein Komfortartikel, sondern ein Standortvorteil, der Singapur konkurrenzfähig machte.

Hitze mache dümmer

Jetzt schaltete sich Elon Musk (54) in die Debatte ein und nannte Lee Kuan Yew auf X ein «Genie». Eine dazu gepostete Datenvisualisierung hält fest: Hitze macht uns müder, fauler und dümmer – das ist messabar und sei vermeidbar.

Ab 23 Grad schläft man schlechter, arbeitet langsamer, und Schulkinder lernen weniger. Bei 30 Grad – inzwischen Zürcher Alltag im Sommer – sind die Einbussen massiv. Das Pikante: In klimatisierten Schulen verschwindet der Lernverlust fast vollständig.

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Die Grafik untergräbt das Argument, Hitze sei eine kulturelle Frage der Gewöhnung. Es geht um messbare kognitive und gesundheitliche Kosten – die durch Klimatisierung weitgehend eliminierbar sind.

Europas Kulturkampf um Klimageräte

Im Europa der Gluthitze tobt derzeit ein Kulturkampf um Klimageräte, der sich als Klimadebatte verkleidet. Auf der einen Seite stehen pragmatische Argumente: Hitzetote, bewährte Technologie, vertretbare Emissionen.

Auf der anderen Seite eine Art kollektive Verweigerung – verpackt in akademisch klingende Konzepte wie «Kühlparadox» – Klimaanlagen kühlen den Innenraum, geben aber Wärme nach aussen ab – oder «thermisches Wohlbefinden als soziales Recht» – also das Recht auf eine kühlere Umgebung, etwa durch Stadtbegrünung oder weniger Verbauung.

In den USA gibt es die Debatte nicht – die Amerikaner mit ihrer Vollklimatisierung installierten die Technologie kurzerhand, statt sie zu intellektualisieren. In Zürich klettern die Temperaturen derzeit auf 34 Grad. Die Debatte läuft noch. Die Klimaanlage nicht.

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