Darum gehts
- Schweiz erlebt am Montag bis zu 38 Grad im Schatten
- Velokurier Leo Rüdiger taucht Kopf in Brunnen gegen Hitze
- Er trinkt vier bis fünf Liter Wasser täglich zur Abkühlung
Bis zu 38 Grad im Schatten: Die Schweiz wird am Montag zur Sauna. Doch längst nicht alle können ins Freibad oder ins klimatisierte Büro flüchten. Blick hat fünf Menschen begleitet, die auch an den heissesten Tagen ihren Job in der Gluthitze verrichten – auf dem Bau, im Garten, auf dem Velo, im Foodtruck und beim Zügeln. Wie gehen sie mit den extremen Temperaturen um? Wo stossen sie an Grenzen? Und welche Tricks helfen, um trotz brütender Sonne durchzuhalten?
Velokurier – «Als halte dir jemand ein Bügeleisen an den Kopf»
Solange Leo Rüdiger (30) unterwegs ist, weht ihm ein angenehmer Fahrtwind um die Ohren. Aber wehe, er muss an einer Ampel anhalten: «Das fühlt sich bei der Hitze an, als halte dir jemand ein Bügeleisen an den Kopf.» Rüdiger ist Velokurier bei Intracity Courier in Bern.
Am schlimmsten sind mehrere parallele Aufträge unter Zeitdruck: «Wenn du längere Zeit am Stück voll in die Pedale treten musst, kommst du an die Grenze.» Zum Glück müsse er aber fast nie eine ganze Schicht pausenlos durchbrettern. Auch die kurzen Ruhephasen beim Abholen oder Abliefern der Ware seien Gold wert. «Am schönsten ist es, wenn wir etwas in ein klimatisiertes Gebäude liefern können», sagt der St. Galler und grinst.
Spurlos geht die Hitze aber nicht an ihm vorbei: «Man kann sich weniger gut konzentrieren. Ich habe dann zum Beispiel mehr Mühe, mir die Hausnummern zu merken.» Auch die anderen Verkehrsteilnehmer seien an Hitzetagen unachtsamer. Zum Glück sei ihm noch nie etwas passiert.
Sein Hitze-Rezept? Viel trinken – vier bis fünf Liter am Tag – und Brunnen. «Wichtig ist, dass der Kopf nicht überhitzt. Deshalb tauche ich ihn regelmässig in einen Brunnen und mache mein Käppi klatschnass.» Vor ein paar Wochen nahm Rüdiger an der Velokurier-Weltmeisterschaft in Mailand (I) teil. Die Anreise im Sattel? Ehrensache. «Den Aufstieg auf den Simplon habe ich dank der kühlenden Brunnen gemeistert.»
Ist er eigentlich neidisch auf die Berufskollegen in klimatisierten Lieferwagen? «Nein, überhaupt nicht! Velokurier ist man aus Leidenschaft», sagt Rüdiger, schwingt sich in den Sattel und radelt zum nächsten Auftrag.
Gartenbau – wertvolle Tipps für Hobbygärtner
Gärtner Ivan Böhlen (28) probiert dieses Jahr etwas Neues gegen die Hitze: Er gibt seinen Angestellten Kühltücher mit. Einmal nassgemacht, kühlen sie den Nacken durch Verdunstung. Es ist bei weitem nicht Böhlens einzige Massnahme gegen die Gluthitze: «Wir verteilen Hüte und Sonnencreme, machen öfter Pausen und verschieben körperlich schwere Arbeiten.»
Auch die Arbeitszeiten hat der Geschäftsführer angepasst: «An Hitzetagen fangen wir schon um 6.30 Uhr an und arbeiten eine Stunde kürzer.» Nur früh zu starten, reiche nicht. «In Tropennächten erholen sich die Leute schlechter. Deshalb gönnen wir ihnen diese Stunde mehr Freizeit. Sonst sinkt die Konzentration, und das Unfallrisiko steigt.» Dass mal ein Auftrag etwas länger dauere, verstehe die Kundschaft – mancher spendiere sogar eine Glace.
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Morgens giessen: Wer abends giesst, riskiert, dass sich Feuchtigkeit an der Pflanze staut. Das begünstigt Krankheiten und Fäulnis.
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Seltener, aber kräftig giessen: Grosse Pflanzen lieber nur jeden dritten Tag giessen, dafür richtig. So speichert der Boden das Wasser besser, und die Wurzeln wachsen dorthin, wo sie hingehören: in die Tiefe.
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Schonzeit für Hecke und Rasen: Jetzt weder die Hecke noch den Rasen zu kurz schneiden.
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Gelassenheit beim Rasen: Rasen ist zäh und wird nach Trockenphasen schnell wieder grün. Er muss nicht zwingend gegossen werden. Wer ihm etwas Gutes tun will, verteilt organischen Dünger – das reduziert den Hitzestress.
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Morgens giessen: Wer abends giesst, riskiert, dass sich Feuchtigkeit an der Pflanze staut. Das begünstigt Krankheiten und Fäulnis.
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Seltener, aber kräftig giessen: Grosse Pflanzen lieber nur jeden dritten Tag giessen, dafür richtig. So speichert der Boden das Wasser besser, und die Wurzeln wachsen dorthin, wo sie hingehören: in die Tiefe.
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Schonzeit für Hecke und Rasen: Jetzt weder die Hecke noch den Rasen zu kurz schneiden.
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Gelassenheit beim Rasen: Rasen ist zäh und wird nach Trockenphasen schnell wieder grün. Er muss nicht zwingend gegossen werden. Wer ihm etwas Gutes tun will, verteilt organischen Dünger – das reduziert den Hitzestress.
Zügelhelfer – zusätzliche Wasserflaschen im Gepäck
Es ist kurz vor Mittag, die Sonne knallt auf die zwei Transporter der National Umzüge GmbH. Der Job als Zügelhelfer fordert Muskelkraft. «Während einer Hitzewelle geht die Arbeit zusätzlich an die Substanz. Dann ist es sicher kein einfacher Job, aber wir bereiten uns vor», sagt Juan Miguel Gallego Queaires (27) vor einem Mehrfamilienhaus in Turbenthal ZH.
An solchen Tagen greift das Team am Morgen in der Zentrale ein paar zusätzliche Wasserflaschen aus den Kühlschränken. «Es ist wichtig, dass man genug trinkt. Wenn du dehydrierst, geht dir die Kraft aus», sagt er. An sehr heissen Tagen fragt die Firma bei den Kunden an, ob die Zügelhelfer am Morgen etwas früher starten dürfen – also um 7 statt um 8 Uhr. «Die Kunden haben dafür Verständnis. Dann können wir die schweren Arbeiten erledigen, wenn es noch kühler ist.»
Die Firma stellt T-Shirts und kurze Hosen zur Verfügung, damit die Arbeit bei Hitze angenehmer ist. «An heissen Tagen haben wir meistens Ersatzshirts dabei, für den Fall, dass wir durchgeschwitzt sind», sagt Queaires. Grundsätzlich helfe es, nicht zu sehr an die Hitze zu denken und vermehrt kurze Pausen einzulegen.
An diesem Tag kommt noch Pech hinzu: Der Lift im Haus fällt plötzlich aus. Queaires und seine zwei Kollegen müssen die restlichen Möbel und Kisten aus dem zweiten Stockwerk durch das Treppenhaus hinuntertragen – ohne Möbelroller. Das macht die Arbeit noch härter. Schweisstropfen fliessen, aber die drei Männer nehmen es mit Humor. «Es kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren. Zum Glück ist es im Treppenhaus kühler», sagt Queaires und lacht.
Strassenbauer – Bad im selbstgebauten Minipool
Nackte Haut glitzert in der Sonne, Schweiss fliesst: Auf der Lohrenstrasse in Emmen LU gibt es kein Entrinnen vor der Hitze. Die Leute von der Strassenbau-Equipe tragen alle eine Kappe samt Nackenschützer. Polier Mario Fortiguerra (35) gibt seinem Team Anweisungen. Der grosse Belagsfertiger erhitzt das Gestein samt Bindemittel auf 150 Grad. Die Luft rundherum flimmert. «Direkt bei der Baumaschine ist es an heissen Tagen wie in einer Sauna», sagt Fortiguerra. «Dort steigt die Temperatur auf 60 Grad und mehr. Gestern war die Hitze brutal.» Doch das gehöre im Sommer dazu.
Fortiguerra arbeitet bei der Lötscher Tiefbau AG. Der Arbeitgeber stellt den Angestellten neben den Hüten auch Sonnencreme und Wasser zur Verfügung. Kommt es zu kurzen Wartezeiten, schickt Fortiguerra sein Team in den Schatten. «Wir geben am Vormittag besonders Gas, damit wir in der brütenden Hitze am Nachmittag einen Gang zurückschalten können. Bei den Temperaturen lässt irgendwann die Konzentration nach», so der Polier. Er würde sich wünschen, dass sie auf den Baustellen während einer Hitzewelle statt um 7 Uhr schon früher loslegen dürften. Mancherorts ist das möglich. Doch in den Städten steht dem meist der Lärmschutz im Weg.
Was gemäss Fortiguerra bei den hohen Temperaturen definitiv nichts bringt: sich die Laune verderben zu lassen. Man müsse das Beste aus der Situation machen, sagt er. «Eine gute Stimmung im Team ist sehr wichtig und hilft.» Dafür setzt er auf kurze Glacepausen oder mal auf eine etwas längere Mittagspause mit einer kleinen Grillrunde. Auch flapsige Sprüche seien ein gutes Mittel im Umgang mit der Hitze.
Für diesen Freitag hat er mit dem Team den Dumper mit Plastik ausgekleidet und mit Wasser gefüllt. Fortiguerra hat den Minipool am frühen Morgen bereits kurz mit der Badehose getestet. «Nach dem Feierabend kühlen wir uns dort ab und trinken zusammen ein Bier», sagt er. Bis dahin haben sie 300 Tonnen Material in einen frischen Strassenbelag verwandelt. «Ich mag meine Arbeit sehr.»
Hitzefrei gibt es in der Schweiz nicht – ausser für Schwangere (Stopp ab 28 Grad am Arbeitsplatz) und Jugendliche (Stopp, wenn am Arbeitsplatz über längere Zeit mehr als 30 Grad herrschen). Für alle anderen gilt laut der Gewerkschaft Unia: Der Arbeitgeber muss ihre Gesundheit schützen. Heisst konkret:
- Die Firma muss Trinkwasser, Sonnencreme und Sonnenschutz kostenlos bereitstellen.
- Pause im Schatten: Angestellte dürfen öfter Pause machen und sich dafür ein Schattenplätzchen suchen.
- Weniger schweisstreibend: Arbeitsplätze sollten beschattet oder gekühlt und schwere körperliche Arbeit auf kühlere Zeiten verlegt werden.
- Früher Feierabend: Arbeitszeiten müssen angepasst werden (z. B. durch frühere Schichten).
- Im Notfall: Ist die Gesundheit trotz allem akut gefährdet, dürfen Angestellte die Arbeit unterbrechen – sich quasi selbst hitzefrei geben.
Hitzefrei gibt es in der Schweiz nicht – ausser für Schwangere (Stopp ab 28 Grad am Arbeitsplatz) und Jugendliche (Stopp, wenn am Arbeitsplatz über längere Zeit mehr als 30 Grad herrschen). Für alle anderen gilt laut der Gewerkschaft Unia: Der Arbeitgeber muss ihre Gesundheit schützen. Heisst konkret:
- Die Firma muss Trinkwasser, Sonnencreme und Sonnenschutz kostenlos bereitstellen.
- Pause im Schatten: Angestellte dürfen öfter Pause machen und sich dafür ein Schattenplätzchen suchen.
- Weniger schweisstreibend: Arbeitsplätze sollten beschattet oder gekühlt und schwere körperliche Arbeit auf kühlere Zeiten verlegt werden.
- Früher Feierabend: Arbeitszeiten müssen angepasst werden (z. B. durch frühere Schichten).
- Im Notfall: Ist die Gesundheit trotz allem akut gefährdet, dürfen Angestellte die Arbeit unterbrechen – sich quasi selbst hitzefrei geben.
Foodtruck-Angestellter – Grill macht alles noch heisser
Im Oberwallis kennt man den Foodtruck von Runder mit seinen Burritos, Bowls und Salaten: Das Gefährt steht regelmässig zur Mittagszeit auf dem Areal des grossen Pharmazulieferers Lonza in Visp VS. Die schwarze Farbe des Trucks sieht zwar schick aus, zieht die Hitze aber zusätzlich an. «Es wird sehr heiss. Gerade der Grill strahlt einiges an Hitze ab», sagt Stefan Gasser (32), Teil der Runder-Crew.
Während er mit seinen Kolleginnen und Kollegen die lange Schlange vor dem Truck bedient, greift er zwischendurch selbst kurz zur Trinkflasche. «Es klingt zwar abgedroschen, aber trinken, trinken, trinken. Das hält den Kopf wach.»
Für diesen Sommer baute das Team eine Klimaanlage im Arbeitsbereich ein. «Dadurch gibt es einen kühlen Luftstrom im Nacken», so Gasser. Das hat die Situation spürbar verbessert. «Es bleibt aber heiss im Foodtruck.» Was ausserdem hilft: viel Arbeit, dann geht die Hitze etwas vergessen. Bei vielen Einsätzen kann das Team zudem kurz nach 13 Uhr zusammenpacken und so der Temperaturspitze am Nachmittag entgehen.
Der Foodtruck steht aber auch an Events und Festivals im Einsatz. «Da nehmen wir natürlich die Nachmittagshitze mit», so Gasser. Doch gerade an Events sei es für die Truck-Crew und die Besucher gleichermassen heiss. «Da macht man schon mal gegenseitig einen kleinen Witz zum Wetter.» Bei den längeren Schichten an Events wechselt man sich ab. «So kann sich jeder von Zeit zu Zeit etwas abkühlen.»